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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS KRONE
Neuwied, 09. Juni 2018

www.circus-krone.com
Nach fünf Jahren Absenz kehrte der Circus Krone wieder einmal in die Deichstadt am Rhein zurück. Der, nach eigener Aussage, größte Circus der Welt pflegt auch in dieser Saison sein seit vielen Jahren bewährtes Konzept und präsentiert seine Show „Evolution“, die gegenüber den Vorjahren nur marginale Veränderungen erfahren hat.
Wie immer wenn der Circus Krone auf der Neuwieder Kirmeswiese gastiert, reicht der Raum kaum aus den Circus aufzunehmen. Im Gegensatz zu allen anderen Circussen beansprucht Krone beide Platzteile und die dazwischen liegende Straße muss gesperrt werden.
Während mehrerer Tage kann das Spektakel von Ankunft und Aufbau des Circus beobachtet werden - eine logistische Meisterleistung angesichts einer Distanz von rund zweihundert Kilometern zwischen den Gastspielstädten. Das Vorkommando, einiges Material ist in zweifacher Ausführung vorhanden, richtet die Masten des Chapiteau auf, platziert die Anker, Pferde- und Elefantenstall werden aufgebaut und der Platz eingezäunt.
Der kleinere Platzteil, bei anderen Veranstaltungen dient er als Parkplatz, füllt sich mit den Wohnwagen der Artisten und Mitarbeiter und die in zwei langen Reihen stehen die mächtigen Zugmaschinen aufgefahren.
Die immense Anzahl an Fahrzeugen, Gehege für mehr als einhundert Tiere und nicht zuletzt das vierundsechzig mal achtundvierzig Meter messende Chapiteau definieren eindrucksvoll den Begriff „Großcircus“. Leider verzichtete man darauf, die einzigartige und prachtvolle Eingangsfassade zu errichten.
Der mit Lichtern geschmückte Giebel des Café-Zeltes bildet im Zusammenspiel mit dem blau-weißen Zierzaun die Front. Direkt im Anschluss sind der Kassen- und mehrere  Bürowagen aufgestellt.
Durch den separaten Eingang der Tierschaukasse gelangt man in den langgestreckten, lichtdurchfluteten Pferdestall. Zahlreiche Hengste haben in großen Boxen, die mit geringem Aufwand um einen gleichgroßen Außenbereich zu erweitern sind, ihr Zuhause. Eine mobile Pferdelaufanlage bietet jeweils vier Hengsten zur gleichen Zeit Auslauf.
Unmittelbar neben dem Artisteneingang hat Nashorn „Tsavo“ sein Reich. Wagen, Zelt, Freigehege - der imposante Bulle kann jederzeit über seinen Aufenthaltsort entscheiden.
Im hinteren Bereich des Platzes sind der Elefantenstall, den drei asiatischen und zwei afrikanischen Elefantenkühen stehen permanent große Auslaufgehege zur Verfügung, und die Voliere von Alessio Fochesatos Papageien platziert.
Gewaltige Ausmaße hat die Raubtieranlage von Martin Laceys Löwen, in der annähernd mehr als dreißig Löwen und Tiger beheimatet sind. Direkt hinter dem Chapiteau bilden vier große Raubtierwagen im Verbund mit mehreren weitläufigen Außengehegen den Komplex, in dem die großen Katzen gemütlich in der Sonne dösen. Der Boden in den Gehegen ist dick eingestreut, Liegebretter in verschiedenen Höhen, Kratzbäume und Beschäftigungsmaterial stehen in großer Anzahl zur Verfügung. Ein weiterer Wagen mit Freigehegen dient zwei weißen Löwenmännern als „Altenteil“.
Im mit einem Holzboden ausgelegten Vorzelt nimmt der große Verkaufswagen eine Längsseite ein. Stehtische und Sitzgruppen gliedern den übrigen Raum und in einer beleuchteten Vitrine sind sowohl der Silberne als auch der Goldene Clown, die Martin Lacey bei seinen Teilnahmen am Circusfestival von Monte-Carlo verliehen wurden, zu bewundern.

Wie eh und je beginnt die Show mit einer großen Parade der Mitwirkenden. Das Ballett tanzt zu Michael Jackson Songs und das Gros der Artisten kommt die Showtreppe hinab in die Manege und wird beim betreten eines Podestes aus dem Off vorgestellt. Sprechstallmeister Nicolai Tovarich heißt willkommen und wie stets verspricht er „Attraktionen in der Manege, auf der Bühne und in der Luft“.
Die Truppe Khadgaa startet die Spielfolge mit Seil springen. In vielerlei Formationen und sich ständig steigernden Schwierigkeitsgrad werden die rhythmisch geschwungenen Taue übersprungen. Im zweiten Programmteil präsentiert die Truppe ihre eindrucksvolle Melange aus Kraftjonglage und Handvoltigen. Markanter Kehlkopfgesang eines Truppenmitglieds begleitet zusammen mit den Klängen einer Pferdekopfgeige die wechselweise stattfindenden Aktionen der beiden Genres. Bis zum Vier-Mann-Hoch werden die Voltigeurinnen katapultiert und weite Flüge zwischen den Porteuren erfolgen in verschiedenen Varianten. Schwere Hanteln werden scheinbar mühelos jongliert und eine Konstruktion, an der vier schwere Metallkugeln hängen und auf der vier Truppenmitglieder Platz nehmen nur mit den Zähnen angehoben. Schließlich errichtet die Truppe eine hohe, Pyramide aus menschlichen Körpern auf zwei in der Brücke stehenden Untermännern.

In der besuchten Abendvorstellung brachten Jana Mandana und James Puydebois Einzelelefant „Bara“ in den roten Ring. Gemächlich schreitend arbeitet die mächtige asiatische Elefantenkuh ein umfangreiches Trickrepertoire bis hin zum Kopfstand.
Fumagalli arbeitet derzeit mit seinem Sohn Nico, der seinen Onkel Daris vertritt, mehrere Auftritte. Zunächst bestimmen flotte Sprüche, Klamauk und einige Kaskaden über einen Tisch den Ablauf. Die grandiose Zauberei mit einem, von einer Logenbesucherin ausgeliehenen auffällig gemusterten Tuch, entpuppt sich alsbald als Humbug. Natürlich darf Fumagallis Paradeauftritt, das Bienchen-Entrée nicht fehlen und mit Nicolai Tovarich, der für den ausgeschiedenen Tonito Alexis den seriösen Part übernommen hat, nimmt das muntere Treiben den bekannten Verlauf. Schade, das dieses traditionelle Entrée nun völlig ohne musizieren auskommen muss.
Alessio Fochesato ist mit seiner anmutigen Papageien-Revue weiterhin zu erleben. Die weiten, völlig lautlosen Flüge der prachtvollen Vögel faszinieren stets und kommen gemeinsam mit den Tricks mit Zuschauerbeteiligung bestens beim Publikum an.

Das umfangreiche Bild der Pferdevorführungen bietet den einzigen Auftritt des Balletts außerhalb von Opening und Finale. In Husarenuniformen tanzen die Girls auf der Bühne und Showtreppe und geben der Hohen Schule, die Jana-Mandana auf einem golden schimmernden Ross gekonnt reitet den passenden Rahmen. Souverän und elegant präsentiert sich das Paar zu Radetzky- sowie Hoch- und Deutschmeistermarsch.
Ungarische Folklore ist das Thema des ausgedehnten Ballettauftritts zu entsprechenden Operettenmelodien.
Die Freiheitsdressur wurde neu arrangiert. Zu Beginn zeigen drei Nonius-Hengste flechten. Ihnen folgen sechs Cremellos mit ihren Lauffiguren, ehe zehn Nonius-Hengste die Manege füllen und ihr umfangreiches Repertoire ablaufen. Mit einem Vorwärtssteiger eines Cremello findet die Darbietung ihren Abschluss.
Verletzungsbedingt kann Crazy Wilson seine Darbietung auf dem Todesrad derzeit nicht arbeiten und wird seit ein paar Tagen durch das „Duo Danger“, Mustafa Danguir und seine Partnerin, vertreten. Auf dem chromblitzenden, außergewöhnlich geformten Requisit sind Seil springen und Blindlauf die Top-Tricks des Auftritts.

Den einzigartigen Höhepunkt der Show bietet unverändert Martin Lacey jr. mit seiner großen Raubtiergruppe. Vierundzwanzig Tiere - normalfarbene und weiße Löwinnen und Löwen sowie zwei weiße und ein normalfarbener Tiger - vereint der charismatische Dompteur an diesem Abend in einer mitreißenden Dressurfolge in der Gittermanege. Großartige und teils einzigartige Tricks folgen in rascher Folge aufeinander, reißen das Publikum förmlich von den Sitzen und führen schließlich beim Schlusskompliment von Martin Lacey zu spontanen Standing Ovations während der Show.
Flugs wird der Zentralkäfig entfernt und die Exotenkarawane in Gestalt von fünf, von Tänzerinnen geführten Lamas umrundet die Manege. Jana Lacey-Krone wendet sich derweil mit dem Appell an die Besucher mit einer Spende den Verein „Go for Rhino“ zu unterstützen, der sich mit seiner Arbeit für den Erhalt der gefährdeten Tierart Rhinozeros einsetzt.
Nun gibt sich Nashornbulle Tsavo die Ehre und absolviert in aller Gelassenheit, die Logenbesucher genau beäugend, seine Runden entlang der Piste.
Hervorragende Luftartistik bieten die „Flying Zuniga“ am Fliegenden Trapez. Je zwei Fliegerinnen und Flieger bieten erstklassig ausgeführte Tricks, darunter den Doppelsalto sowie eine Passage mit einer Fliegerin als Hauptakteurin. Beide Herren zeigen einen erstklassig ausgeführten dreifachen Salto, den Marlon Michael mit verbundenen Augen sicher beherrscht. Völlig zu Recht gibt am Ende dieser herausragenden Darbietung zum dritten Mal Standing Ovations während der Show, nachdem zuvor auch Fumagalli in gleicher Weise vom Publikum gefeiert wurde.
Das geradezu klassische Krone-Finale folgt der seit Jahrzehnten unveränderten und bestens bekannten Choreographie. Das Ballett schafft den optischen Rahmen und die Artisten kommen über die Showtreppe zum kleinen Podium in der Manegenmitte. Eine Stimme vom Band stellt sie mit Namen unter Nennung des in Monte-Carlo erhaltenen Clowns vor. Schließlich nehmen Jana Mandana Lacey-Krone und Martin Lacey jr. den zentralen Platz auf dem kleinen Podium ein und Nicolai Tovarich verabschiedet von der Bühne herab die Besucher mit der traditionellen Krone Abschieds-Formel.