Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS VARIÉTÉ RONDAY
Venlo, 03. Januar 2026
https://circusronday.nl


Das Circus Variété Ronday erlebte in dieser Winterspielzeit seine Weltpremiere. Das neue Unternehmen von Justin und Rob Ronday, der viele Jahre zur Direktion des ruhmreichen Circus Herman Renz gehörte, bringt zehn Jahre nach dessen Auflösung neuen Glanz in die niederländische Circusszene.
In Venlo, im Stadtteil Blerick ist der neue Circus beheimatet. Die Direktion versteht ihren Neubeginn als Ode an den klassischen Circus und sieht sich an die reiche, bis 1911 zurückreichende Tradition von Circus Herman Renz inspiriert.
So hat man sich denn auch für eine besondere Spielstätte entschieden. Ein liebevoll restauriertes Spiegelzelt aus dem Jahre 1918 war auf dem Circusplatz aufgebaut.
Eine fein geschweifte und kunstvoll bemalte Fassade, mit zwei überlebensgroßen Szenen aus einer Show, bildet zusammen mit einem nostalgischen rot-weißen Holzzaun die Front. Lichterbögen, Kandelaber und erhabene, aufwändig gestaltete Plaketten mit dem Logo des Circus schmücken den Zaun und die Lichter sind die einzigen hellen und strahlenden Punkte im Schneetreiben dieses nasskalten Wintertages. Aufwändig verglaste, alle Scheiben sind mit Facettenschliff versehen, Schiebetüren führen in einen ebensolchen Windfang und weiter geht es in ein gemütliches Foyer. Holzboden, roter Stoff an Decke und Wänden, Sitzgruppen und nostalgisch gestaltete Verkaufsstände strukturieren den Raum.
Das sehr gepflegte Spielzelt – oder vielleicht sollte man besser von einem Theatersaal sprechen – bietet eine eigene, irgendwo zwischen edel und heimelig, Atmosphäre. Zwölf schlanke, mit kleinen Spiegeln und Holzleisten verzierte Holzsäulen tragen die Kuppel und rahmen die leicht erhöhte, runde und mit rotem Teppich belegte Bühne ein. Roter Stoff und große Spiegel gliedern die Seitenwände und das umlaufende, farbig verglaste Oberlichtband schafft eine angenehme Grundbeleuchtung. Der Holzboden weißt drei Ebenen auf und rund vierhundert gepolsterte Klappstühle stehen für die Besucher bereit.
Die modern und üppig bestückte Lichtanlage wurde kreativ angebracht und mit ihrer Hilfe setzt Justin Ronday die Show perfekt in Szene.
Die besondere Location mit ihrem eigenen Flair in Verbindung mit der gekonnten Regie lassen diese Show zu einem besonderen Kleinod werden. Obwohl wir alle Darbietungen oft erlebt haben, zeigen sich hier, in dem engen - ja beinahe intimen Rahmen neue Facetten und ein eindrucksvolles neues Erleben, so dass man getrost von „Kammerspielen des Circus“ sprechen kann.
„Der große Frantelini“ - mit dieser sympathischen Figur ist Gilberto Beeloo der omnipräsente „rote Faden“ der Show, der mit exzellent dargebotener Comedy bestens unterhält – erscheint auf der Bühne und treibt erste Scherze mit den Besuchern. Er übt u.a. applaudieren und lässt auf seinem Xylophon den Renz Galopp erklingen.
Nun geht der Vorhang auf und die „La Bouche Show Girls“ haben ihren ersten fulminanten Auftritt.
Direktor Rob Ronday rekommandiert, mit Flüstertüte, „Kommt dat zien, kommt dat zien“ und begrüßt sein Publikum. Er ist in seinem Circus der stets elegante, distinguierte und eloquente Srechstallmeister, der sein Publikum in angenehmer Weise mit vielerlei Informationen versorgt.
Tempo geladen manipuliert Jongleur Rafael Gill seine Requisiten. Mit Keulen werden die ersten Touren abwechslungsreich gestaltet und bis zu fünf Stück souverän in der Luft gehalten. Im Folgenden sind Fußbälle und kurz darauf kleine Bälle, die der Jongleur in Köchern an seinem Gürtel fängt Mittel der Wahl. Abschließend werden spektakulär Sombreros jongliert.
In Perfektion beherrscht Angelika Varga das Spiel mit den Bullpeitschen. Sie durchtrennt die Stiele von Blumen, die sie selbst, und wenig später ihr Partner, in der Hand, bzw. im Mund hält. Zeitungsseiten und rotierende Papierbänder zerlegt sie mit sicherer Hand in kleine Fetzen und schließlich hat ein Besucher das Vergnügen die Ziele zu halten.
Einen furiosen Act auf der Rola Rola bietet Yuri Caveagna. Gekonnt und temporeich werden die waghalsigen Balancen ausgeführt. Der versierte Artist springt in den Handstand und baut sieben Bänkchen zu einem hohen Turm unter seinen Füßen auf. Zum Höhepunkt seines Auftritts türmen sich acht Rollen und Ringe unter dem Rollbrett und auf dem labilen Gebilde wird sicher die Balance gehalten.
Turbulent geht es zu bei der Hunde-Komödie von Pat Clarisson. Die Vierbeiner „verweigern“ anscheinend meist gekonnt den Trick und führen ihren Tierlehrer vor.
„Frantelini“ formt aus vier Besuchern eine formidable Band. Feines, pointiertes Spiel, stimmige Requisiten und ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Mitspieler machen diese Comedy aus und lassen das Publikum begeistert mitgehen. Das Spiel mit Popcorn leitet die Pause ein.
Turbulent beginnt der zweite Programmteil mit der ausgezeichneten Tellerjonglage von Lajos Nereus. Mit großer Präsenz, Können und einem ausgezeichneten Timing agiert der versierte Artist in hohem Tempo. Er baut eine Reihe „Nebenschauplätze“ und erhöht somit die Spannung des temporeichen Ablaufs. Zudem fördert das gekonnte rekommandieren von Rob Ronday und die spitzen Ausrufe der Assistentin den Verkauf. Ein Glas mit Wasser wird in einem Metallreifen manipuliert, was natürlich zunächst misslingt. Vier Eier werden durch wegschlagen ihrer Auflage in Gläser platziert, die auf einem Tablett auf einer hohen Stange über der Stirn den Jongleurs stehen. Dazu kommen zwischenzeitlich Besen und Kehrblech zum Einsatz um die Reste eines zerbrochenen Tellers zu beseitigen. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz rotieren die anvisierten zehn Teller schließlich auf ihren Stangen und die Glas-Manipulation gelingt.
Seit vielen Jahren fasziniert Robi Berousek sein Publikum mit großem Können auf der Freistehenden Leiter und auch in diesem Rahmen begeistert er auf ganzer Linie.
Spannung pur bietet das Duo Caveagna mit seiner rasanten Kunstschützen und Messerwurf Darbietung. Abwechselnd erfolgen die Schüsse mit der Armbrust und die Messerwürfe und stets wird das Ziel perfekt getroffen. Natürlich darf der berühmte „Tell Schuss“ nicht fehlen und die abschließende Serie der Messerwürfe erfolgt auf eine schnell rotierende Scheibe samt Partnerin.
Natürlich ist „Frantelini“ auch im zweiten Teil mit von der Partie. Er unterhält mit stimmungsvollem Trompetenspiel und plötzlich hat er Louis Armstrong im Arm. „What a wonderfull world“ singt der Künstler dank geeigneter Stimme wird die Illusion perfektioniert. Wenig später sehen wir Frantelini mit seiner zweiten Puppe – einer großen Ratte. Natürlich muss sich Frantelini der frechen Sprüche seines „Kollegen“ erwehren. Schließlich erlernt ein Zuschauer im Hand umdrehen auf der Bühne bauchreden und nachdem er eine passende Maske erhalten hat, steht der König des Rock n' Roll auf der Bühne. Im letzten Auftritt bringt Gilberto Beeloo ein romantisches Zwischenspiel auf der Konzertina zu Gehör.
Die hervorragende Handstand-Equilibristik des Duo Solys komplettiert die erstklassige Nummernfolge. Viele hochkarätige Tricks arbeitet das Paar in exzellenter Weise und als hervorstechende Besonderheit ist zu erwähnen, das in beinahe allen Aktionen die Partnerin als Porteur agiert.
Das Finale hält für das Ballett, den „La Bouche Show Girls“ - die in Größe und Figur hervorragend harmonieren und zu jedem Auftritt andere erstklassige Kostüme tragen, einen letzten großen Auftritt bereit. Nach den Einzelvorhängen für jede Nummer verabschiedet Direktor Rob Ronday ein überaus zufrieden gestelltes Publikum, das mit minutenlangen Standing Ovations seiner Begeisterung Ausdruck verleiht. Schon jetzt ist man gespannt und voller Vorfreude auf die kommende Edition.
Chapeau Rob und Justin Ronday.