Text und Fotos Friedrich Klawiter
TILBURGS WINTERCIRCUS
Tilburg, 31. Januar 2026
www.winterwonder-circus.nl


Zum achten Mal veranstaltete Impresario Kevin van Geet seinen „Tilburgs Winter Circus“, der traditionell in der zweiten Januarhälfte stattfindet. Das sehr erfolgreiche Event bietet stets ein sehr unterhaltsames Programm in einem liebevoll gestalteten feinen Ambiente.
Der große Circus präsentiert sich Bestform auf dem weitläufigen Platz.Die modernen gelb-blauen Zeltanlagen kommen vom Circus Maximum der Familie Zinnecker. Zahlreiche Lichter an den Zelten und der dekorativen Front lassen den Circus erstrahlen und von dem hohen Bogen über dem Vorzelt leuchtet der Schriftzug „The great Circus Show“ den Besuchern entgegen.
Der Durchgangs-Kassencontainer von Kevin van Geets Circus Harlekino nimmt den zentralen Platz in der Front ein, die mit dem großen Büro-Auflieger und einem weiteren Sattelauflieger komplettiert wurde. Die cremefarben-orange lackierten Fahrzeuge des Circus Harlekino nehmen die linke Platzseite ein. Hinter dem Zelt stehen die Materialtransporter des Circus Maximus exakt ausgerichtet. Rechts der Zelte sind zahlreiche Wohnwagen und Zugmaschinen exakt ausgerichtet abgestellt.
Im geräumigen Vorzelt herrscht eine warme, angenehme Atmosphäre, die von zahlreichen, mit unzähligen Lichtern dekorierten Tannengirlanden unterstützt wird. Feine, dunkelrote dreidimensionale Portale, die mit erhabenen goldfarbenen Ornamenten verziert sind, markieren die Durchgänge zum Spielzelt sowie zum Ausgang.
Im Spielzelt stehen ein steiles Schalensitzgradin und Polsterstühle in den Logen für die zahlreichen Besucher bereit. Der Artisteneingang aus dunkelrotem Samt schließt den hinteren Zeltbereich ab und bietet nun dem hervorragend aufspielende Orchester, unter der Leitung von Vincent van Lent, auf einer Empore Platz. Auch schaffen funkelnde Tannengirlanden, an den Logenbrüstungen und am Artisteneingang, sowie ein raffiniertes Lichtdesign während des Einlasses ein festliches Ambiente.
Die drei Tänzerinnen des Balletts und Sängerin Sari Elings gestalten das schwungvolle Opening. Direktor Kevin van Geet übernimmt in seinem Circus in sehr angenehmer Weise die Rolle des Sprechstallmeister und begrüßt das „hochverehrte Publikum“. In eloquenter Weise versteht er es, sein Publikum zu unterhalten und allerlei Informationen zu vermitteln.
Nicole Tucci schwebt in einer großen Glaskugel durch die Zeltkuppel und bietet in diesem Kokon ihre Luftakrobatik dar. Spektakuläre Momente bietet der Auftritt immer dann, wenn die Kugel sich öffnet und die Artistin „frei über dem Abgrund“ ihre Aktionen ausführt.
Eine außergewöhnliche Hula Hoop Darbietung bringt Aleksandra in die Manege. Ihre Ringe sind so geschickt in ein Gestell gesteckt, das es sich um einen überdimensionalen Stuhl zu handeln scheint. Auf diesem sitzt die Artistin, deren Outfit stark an einen Harlekin erinnert, zu Beginn ihres Acts. Sie zeigt eine Kombination von typischen Hula Hoop Tricks und veritablen Jonglagen mit fünf der großen Ringe.
Clown Ferdinand ist mit drei, recht umfangreichen Reprisen zu erleben und die meisten seiner Gags quittiert er selbst mit lautem gekünsteltem Lachen. Ein labberiger Schirm und ein kleiner Stoffhund sind die Protagonisten der ersten Reprise. Etliche Verwicklungen gilt es zu lösen, ehe es zum Trompetenspiel im Kopfstand kommt und im zweiten Teil verteilt er Glöckchen an Mitspieler.
Mit zwei Auftritten und recht unterschiedlichen Genres ist das Duo Lameth in der Show präsent. Zunächst sehen wir die neue Quick Change Darbietung, die das sympathische Paar im Weihnachtscircus erstmals präsentierte. Eine Bankräuberin auf der Flucht versucht sich durch zahlreiche Wechsel ihres Aussehens dem Zugriff von u.a. „James Bond“ zu entziehen – so die Story um die sich der Auftritt rankt.
Im zweiten Teil der Show sehen wir das Duo mit einem veritablen Act an den Strapaten und Sängerin Sari Elings begleitet den Auftritt gekonnt. Zahlreiche attraktive Abläufe werden in erstklassiger Weise ausgeführt und mit einem rasanten Wirbel im Genickhang findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.
Auf einer schwingenden Plattform in einigen Metern Höhe präsentiert Leonora Bogatyreva zeigt ihre variantenreichen Jonglagen. Mit Keulen, Tennisbällen, Ringen und abschließend noch einmal Keulen gestaltet die versierte Jongleurin ihre abwechslungsreichen Routinen. Einen ganz eigenen Drive erhält der Auftritt durch die ungewöhnliche Art der Präsentation. Im weiteren Verlauf der Show sehen wir die Artistin gemeinsam mit ihrem Partner Valerie das turbulente Treiben einer Hundemeute in geordnete Bahnen lenken. Eine enorme Anzahl verschiedener Sprünge bestimmt den Ablauf der Darbietung. Im abgedunkelten Rund geht es durch beleuchtete Ringe und auf der Piste wird die Manege mit gegenseitigem überspringen mehrfach umrundet. Natürlich wird auch die Vorführerin in das Spiel mit einbezogen. Schließlich schwingen die beiden Tierlehrer ein und zwei lange Sprungseile, die von den Vierbeinern mit Begeisterung gequert werden.
Als weiteren Auftritt mit Tieren sehen wir eine orientalische Phantasie des Balletts, in deren Ablauf zwei Kamele integriert sind.
Mit dem erstklassigen Handstand-Act von Maria Kellner startet der zweite Showteil. Geschmeidig werden die vielseitigen und anspruchsvollen Handstandfiguren ausgeführt und mit flüssigen Übergängen mit harmonisch miteinander verbunden. Mit Eleganz, Kraft und Können versteht es die sympathische Artistin ausgezeichnet ihr Publikum zu begeistern.
Es ist inzwischen Tradition, das alljährlich ein angehender Artist der Tilburger „Fontys Academy of Circus and Performance Art“ im Wintercircus die Chance zu einem Auftritt vor großem Publikum erhält. In diesem Jahr war es die Luftartistin Hanna, die ihr Können präsentieren konnte. Die Nachwuchsartistin hat sich einen ansprechenden Act an den Strapatentüchern erarbeitet.
Mit einem weiteren Auftritt in der Zeltkuppel findet die Nummernfolge ihren Höhepunkt. Die Mesa Brothers agieren mit südamerikanischem Temperament auf dem Hochseil. Sie zeigen ein umfassendes Repertoire starker Tricks. Seil springen, Kopfstand und freier Stand auf einem Stuhl werden synchron gearbeitet. Der Sprung über den absitzenden Partner gehört genauso zum exzellent gearbeiteten Programm wie die abschließende Überquerung des Seils im Zwei-Mann-Hoch.
Ballett und Sängerin leiten das Finale ein in dessen Verlauf Kevin van Geet die Mitwirkenden noch einmal einzeln vorstellt. Er bedankt sich für den sehr zahlreichen Besuch und verabschiedet ein überaus zufriedengestelltes Publikum, dessen starker und langanhaltender Applaus – gemessen am landesüblichen – beinahe schon euphorisch ist.