Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE DE NOEL D'ALSACE
Lingolsheim (Strassbourg) 29. November 2025

www.cirquedenoelalsace.com
Der Stern eines neuen Weihnachtscircus erstrahlt in Lingolsheim, einem Vorort im Süden von Straßburg. Baptiste Poifol mit seiner Firma BP-Events ist der Initiator dieser Veranstaltung. Die erste Ausgabe dieses „Cirque de Noel“ bietet ein starkes, traditionell ausgerichtetes Programm, das in einem eleganten Rahmen festlich präsentiert wird.
Auf der Freifläche eines Naherholungsgebietes, neben Angelgewässer und Abenteuerspielplatz, hat der Weihnachtscircus am Ortsrand von Lingolsheim seine Zelte aufgeschlagen.
Der Circus Achille Zavatta Fils der Familie Cagniac stellt das technische Equipment. Das rot-gelbe spiralförmig gestreifte hohe Chapiteau leuchtet weithin in der Wintersonne. Zusammen mit Vorzelt und dem großen prachtvollen Fassadenwagen verleiht es dem Circus den bestens bekannten Look. Ein weiterer Zeltbau steht für die Gäste der verschiedenen  Weihnachtsgalas bereit.
Im Vorzelt hat der große Verkaufswagen der Circusrestauration seinen gewohnten Platz und weihnachtliche Dekoration schafft das notwendige Ambiente.
Das Innere des Chapiteau zeigt die bekannte Einrichtung, die um zwei Weihnachtsbäume vor dem Artisteneingang ergänzt wurde. Da auf Tier-Darbietungen völlig verzichtet wird, ist die Manege komplett mit einem weißen Teppich ausgelegt.

Während des Einlasses klingen alpenländisch anmutende Melodien aus den Boxen. Clown Luigi, er war mit dem Cirque Achille Zavatta Fils auf Tournee, bittet eine Besucherin zu ersten gemeinsamen Späßen in den roten Ring und nachdem sie ihren Sitzplatz wieder eingenommen hat startet das große, folkloristisch inspirierte Opening. Das gesamte Ensemble, in elsässischer Tracht, ist in den Ablauf eingebunden. Tanzszenen wechseln mit kleinen artistischen Kostproben und Armdrücken ab. Für einen französischen Circus untypisch wird auf einen „Monsieur Loyal“ verzichtet und die wenigen Ansagen kommen von einer Stimme aus dem Off.
Mit einer temperamentvoll vorgetragenen Luft-Darbietung startet die abwechslungsreiche und sehenswerte Programmfolge. Am Schwungtrapez bietet Salomé Palma eine umfassende Abfolge relevanter Tricks des Genres. Zahlreiche Abfaller und Pirouetten erfolgen in mitreißender Weise. Mit einem halben Salto in den Fersenhang findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.
Jongleur Fabrizio Pozos startet seine Routinen mit fünf neongelben Ringen. Variantenreich erfolgen die Aktionen und nachdem ein sechster Ring in das Muster eingefügt wurde wechseln die Requisiten. In hohem Tempo manipuliert der Jongleur zunächst drei und vier silberne Keulen, ehe im abgedunkelten Zelt fünf beleuchtete Keulen sicher in der Luft gehalten werden.
Ein nicht alltäglicher Ablauf verleiht der Hula Hoop Darbietung von Ernita Ronzalli einen besonderen Drive. Mehrere Male lässt sich die Artistin an einer Strapate hoch in die Kuppel ziehen und dabei die Reifen um Körper und Extremitäten kreisen.

Clown Luigi überbrückt drei Mal mit seinen Reprisen einen Requisitenwechsel in der Manege. Er lässt einen roten Lichtpunkt von einer zur anderen Hand wandern und bindet auch einen Zuschauer in das Spiel ein. Wenig später gilt es für Logenbesucher einen Ring so zu werfen das er über den Kopf des Clowns gleitet. Schließlich bietet er ein stimmungsvolles Saxophon-Solo.
Die drei Damen des Balletts sind mit ihren Choreographien ebenfalls drei Mal, neben Opening und Finale, zu erleben.
Comedy bieten Mister Tomito und seine Partnerin in ihren beiden Auftritten. Zunächst wird eine Peitschennummer parodiert und später geht es um große Magie. Die beiden agieren gekonnt und kommen beim Publikum ausgezeichnet an; da sie stark mit Wortwitz arbeiten blieben uns leider etliche Pointen unergründlich.
Einen romantisch inspirierten Auftritt, dessen Akteurin Assoziationen an eine Ballerina hervorrief, arbeitet eine junge Frau am Luftring. Die elegant gestaltete Darbietung mit ihren erstklassigen Tricks füllt in weiten Flügen die große Kuppel.
Kraftvoll präsentiert Jason Palma seine Handstand-Equilibristik. Die verschiedenen anspruchsvollen Figuren erfolgen souverän, werden mit Leichtigkeit ausgeführt und mit fließenden Bewegungen verbunden. Als Höhepunkt wird eine Variante des Klötzchen-Sturzes gezeigt. Auf den Oberkanten von zwei fünfzig bis sechzig Zentimeter hohen Holzplatten, die als Spielkarten dekoriert sind, führt der Artist einen Handstand aus. Plötzlich stößt er die Platten zur Seite und fängt sich im Handstand direkt auf seinem Podest ab.

Ein besonderes Highlight des Programms ist der Rola Rola Act von Stefan Dvorak, der vor der Pause zu erleben ist. Temperamentvoll, temporeich und mit fröhlichem Lausbuben-Charme agiert der junge Mann auf dem Rollbrett. Mit Seil springen, wobei auch die abgelegte Fliege als „Seil“ herhalten muss, und der Balance auf einer Bowlingkugel startet die vorzügliche Trickfolge. Zwei Rollen mit drei Zwischenlagen türmen sich auf einer Drehplatte und auf dieser labilen Konstruktion zeigt der Artist eine Keulenjonglage mitsamt einer kompletten Umdrehung. Sechs relativ hohe Bänkchen werden auf der Rola zu einem hohen Turm gestapelt. Schließlich sind es zwei Rollen und neun Zwischenringe, die zu einem Gebilde von etwa zwei Metern Höhe aufeinander gefügt werden und darauf wird sehr lange und sehr sicher die Balance gehalten.
Schwungvoll beginnt der zweite Showteil mit den Ikarischen Spielen der Familie Palma. Zunächst zeigen drei Herren und eine Dame ihr vielseitiges Können. Dann ist der etwa achtjährige Junior der Familie mit von der Partie und wirbelt fulminant auf den Füßen des Vaters umher. Saltos von einem zum anderen Porteur sowie eine Passage der beiden Voltigeure krönen den Auftritt, der mit einer Serie von zwanzig in Folge gesprungener Saltos von Salomé Palma ausklingt.
Denis Ilchenko stellt seine enormen Kräfte in vielseitiger Weise und mitunter auch mit einem Augenzwinkern unter Beweis. Er jongliert mit drei Autoreifen und verbiegt ein Metallrohr zu einer Schleife. Einen schweren SUV zieht er an einer Kette nur mit seinen Zähnen quer durch die Manege. Nun legt er sich eine Rondellstange als Joch über die Schultern und auf den Trapezen an beiden Enden nehmen vier Damen Platz, während ein Requisiteur mit seinem Gewicht auf den Schultern des starken Mannes ruht. Derart bepackt dreht er sich, ohne große sichtbare Anstrengung, als menschliches Karussell im Kreis. Als Höhepunkt seiner Kraftdemonstration lässt sich Denis Ilchenko von dem SUV überrollen. Auf- und Abfahrrampe ruhen auf seinem Körper und das Auto rollt mit den beiden linken Reifen darüber.
Zum Abschluss der Nummernfolge sehen wir das Duo Infinitum mit seinem formidablen Strapaten Act. Weite Flüge füllen die große Kuppel und kraftvoll erfolgen die verschiedenen Aktionen. Wechselweise agieren beide Partner als Porteur und einige Abfaller sorgen für den nötigen Nervenkitzel.
Das kurze Finale bringt noch einmal das gesamte Ensemble in die Manege. Nach Einzelvorhängen für jede Darbietung nehmen die Akteure die Schlussaufstellung ein und die Stimme aus dem Off verabschiedet ein restlos zufriedengestelltes Publikum. Frenetischer Applaus hält die Artisten lange in der Manege, ehe sie im Vorzelt ein Spalier bilden und die hinaus strömenden Besucher persönlich verabschieden.