Text und Fotos Friedrich Klawiter
FESTIVAL DU CIRQUE DE NAMUR
Namur, 24. Oktober 2026
www.festival-cirque-namur.com


Zum einundzwanzigsten Mal wurde die Zeltstadt des Festival du Cirque de Namur auf der Esplanade de Citadelle errichtet und die besten Voraussetzungen für mitreißende Circus Unterhaltungen geschaffen. Wie stets hat Direktor Emmanuel Horwood ein hochwertiges, traditionelles Programm zusammengestellt, das in hervorragender Weise präsentiert wird.
Zum ersten Mal kommen die neuen, rot-gelb gestreiften Zeltanlagen des Veranstalters zum Einsatz. Am Chapiteau von vierunddreißig Metern Durchmesser reicht die Plane bis zu den Mastspitzen empor und eine lange Kuppel schließt den Bau ab. Ein rechteckiges, zweimastiges Vorzelt komplettiert die Anlage.
Die moderne große Fassade, ein mehrteiliger Rahmen aus Gitterrohrträgern mit bunt bedruckten Spannbändern in den verschiedenen Feldern, schließt die Frontseite des Geländes ab.
Die weißen Transporte des Circus, Wohnwagen der Artisten und Mitarbeiter sowie Quartiere für die Tiere nehmen das Gelände ein.
Dank rotem Teppich und rotem Stoff an den Seiten atmet das Vorzelt eine behagliche Atmosphäre. Verkauscontainer auf der einen Seite und Champagnerbar und weitere Stände gegenüber strukturieren den Raum.
Drei Reihen gepolsterter Logenstühle und ein achtreihiges Schalensitzgradin füllen den Raum um die Manege restlos aus.
Der Artisteneingang nimmt auf seiner Empore das ausgezeichnet aufspielende Orchester, unter der Leitung von Robert Palusz, auf. Zahlreiche Lichtelemente sind an ihm angebracht und sind Teil der üppig bestückten Beleuchtungsanlage. Mit einem hervorragenden Lichtdesign setzt Cedric Horwood in Show perfekt in Szene.
Das Opening sieht Clown Don Christian in Interaktion mit dem Publikum. Mittels einer Bongotrommel animiert er zum Applaus und choreographiert ihn.
Direktor Emmanuel Horwood begrüßt die zahlreich erschienenen Zuschauer und gibt die Festival-Manege frei. Er ist auch in diesem Jahr der charmante und eloquente „Monsieur Loyal“, der seinem Publikum die auftretenden Artisten vorstellt.
Jongleur Willy Colombaioni sorgt für einen temperamentvollen Start der Show. Mit vier Keulen werden zunächst abwechslungsreiche Routinen ausgeführt. Die nächsten Touren absolviert er mit sieben orangenen Ringen und abschließend werden neun Ringe in der Luft gehalten. Noch einmal wechselt der Jongleur zu Keulen. Zum Abschluss des Auftritts platziert er fünf Keulen in Keschern an einer Stirnperche und einen Ball im Korb an der Spitze des Gestells.
Die „Gänseparade“ hört auf das Kommando von Marcel van Leeuwen. Vom Haupteingang kommend zieht die Kolonne – Vorführer, seine Partnerin und das Federvieh – in die Manege ein. Die neun Gänse watscheln entlang der Piste und überwinden dabei flache Barrieren. Sie öffnen kleine Tore und gelangen durch Zäune, unterqueren einen Stuhl. Zu guter Letzt geht es auf die Rutschbahn.
Wenig später sehen wir Marcel van Leeuwen gemeinsam mit Don Christian und Emmanuel Horwood in einem lebhaften Clowns-Entrée. „Abladen – aufladen“ wird von den drei Akteuren hervorragend, mit großer Spielfreude und Leidenschaft geboten. Die beiden Clowns beenden den Auftritt mit gekonnter Live-Musik.
Als Hütchen-Spieler agieren der Direktor und Don Christian in einer Reprise und später spielt der Clown auf Glocken, wobei ein Junge aus den Logen als Assistent herangezogen wird. Im letzten Auftritt formt der Clown mit vier Freiwilligen ein Orchester, das mit allerlei abstrusen Instrumenten den Clown bei seinem Spiel auf einer Hupenorgel unterstützt.
Las Vegas Atmosphäre herrscht im Zelt bei der Magic Show von Christopher Eötvös. Mit ganz großer Attitüde, vollem Einsatz der Lichtanlage sowie des Orchesters und ausführlichen Tanzsequenzen tragen der Magier und seine fünf Assistentinnen die Großillusionen vor.
Das Duo Moonlight erzählt mit seinem Act an den Strapaten eine Liebesgeschichte. In einem harmonischen Ablauf werden zahlreiche anspruchsvolle Partnertricks in erstklassiger Weise gearbeitet und vom Publikum mit enormem Beifall bedacht.
Die Antipoden Darbietung von Perla Colombaioni enthält in ihrer umfangreichen Trickfolge selten zu sehende Abläufe. Zu Beginn lässt die junge Artistin ein großes Kreuz mit vier Fackeln an den Enden auf den Füßen rotieren. Es folgen Aktionen mit Basketbällen und schließlich sind es sechs, die sie zur gleichen Zeit über Hände und Füße wandern lässt. Vier kurze Rollen sind die nächsten Requisiten. Dann stapelt sie zehn dieser Rollen, je fünf zu zwei hohen und sehr labilen Säulen auf ihren Füßen. Zum Höhepunkt des Auftritts wird ein Ball über die Tabletts eines leiterartigen Gestells empor in einen Korb gekickt.
Der zweite Programmteil beginnt mit der Reiterei der Familie Donnert. Auf einem prächtigen Kaltblüter-Gespann werden zunächst einige Pas-de-Deux Figuren ausgeführt. Nun nimmt der Auftritt Tempo auf und die hervorragenden Jockeytricks der Donnerts erfolgen in Perfektion. Die vielfältige Trickfolge findet ihren Höhepunkt in einem Salto auf dem galoppierenden Pferd sowie einem Salto von einem auf das nachfolgende Pferd.
Der spannungsgeladene Armbrust und Messerwurf Act des Duo „Dangerous Love“ schlägt die Zuschauer in seinen Bann. Der mit großer Präzision ablaufende Auftritt sieht beide Partner als Schützen. Spektakulär ist der gleichzeitige Schuss mit zwei Armbrüsten, die über Kreuz mit einander verbunden sind, auf zwei Ballons. In weiteren Aktionen zerteilt ein Pfeil einen Papierbogen und wird mittels eines Spiegels visiert. Schnelle und präzis ausgeführte Messerwürfe rahmen die Partnerin ein und auch an der Drehscheibe werden die Messer exakt platziert. Abschließend sehen wir den „Tell Schuss“, bei dem mittels eines Schusses mit der Armbrust eine Kaskade von fünf weiteren Pfeilen ausgelöst wird, bis schließlich der Apfel auf dem Kopf des Schützen vom Pfeil durchbohrt wird.
Beide Teile der Show münden in Darbietungen der Truppe Warka. Die sechs afrikanischen Artisten sind, zu Michael Jackson Songs und mit entsprechender Choreographie, zunächst mit Akrobatik am Chinesischen Mast zu erleben. Die umfassende Trickfolge bietet eine Reihe spektakulären Abläufe, so z.B. bei parallel ausgeführten Saltos an den beiden Mast und wechseln von einem zum anderen Mast.
Im zweiten Auftritt zeigt sich die Truppe als Reifenspringer. Die vielseitigen Aktionen führen temperamentvoll durch die Reifenformationen. Diese werden mit unterschiedlichen Durchmessern, in verschiedenen Höhen oder auch zweifach hintereinander, immer wieder neu arrangiert.
Das stimmig inszenierte Finale vereint noch einmal das Ensemble in der Manege und Direktor Emmanuel Horwood verabschiedet sein begeistertes Publikum, das die Mitwirkenden mit frenetischem Applaus und Standing Ovations feiert. Die Preisträger dieses Festivals werden traditionell vom Publikum mittels ausgelegter Stimmzettel ermittelt.