Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS MUNDIAL
Wettingen, 05. Juni 2026
https://circus-mundial.ch


Ein neues Unternehmen bereichert seit Beginn dieser Saison die Schweizer Circusszene. Gino Frank hat, gemeinsam mit seiner Familie, sein Unternehmen mit dem klangvollen Namen im Land der Eidgenossen etabliert. Der große und optisch sehr ansprechende Circus bietet eine erstklassige Show und schickt sich an, die große Lücke, die durch das Aus einiger Schweizer Traditions-Circusse entstand, nahtlos zu schließen.
Im vergangenen Jahr gingen die Brüder Frank, nach dem Tod ihres Vaters Nando im November 2024, nicht mit ihrem Circus auf Tournee. Stattdessen reiste Gino, der älteste der Brüder, mit seiner Familie im Engagement in der Schweiz. Schon bald reifte der Plan hier eine eigene Tournee zu etablieren.
Auf dem Circusplatz in Wettingen präsentierte sich das Unternehmen in erstklassiger Weise.
Das große und hohe, rot-weiß gestreifte Chapiteau dominiert den Platz. Seine hohe runde Kuppel trägt eine riesige goldfarbene Krone. Am optisch passend gestalteten Vorzelt ist zwischen den beiden Masten der neue Namenszug in Leuchtschrift angebracht.
Ein lebhaft gestalteter Zierzaun schließt die Vorderseite des Platzes ab und der große rote Kassenwagen komplettiert die Front. Die Transportfahrzeuge nehmen in einer langen Reihe die rechte Platzseite ein und leuchten in neuem cremefarbenen Lack mit roten Absetzungen. Sie zeigen alle das Logo des Unternehmens. Die zahlreichen Wohnwagen nehmen den übrigen Platz ein.
Zahlreiche Lichterketten an den Zelten und Zäunen sowie dekorative Fahnen verbreiten sorgen für Flair und Circus-Atmosphäre.
Ein großer, reich bestückter Verkaufswagen, weitere Marktstände sowie eine Hüpfburg und Sitzgruppen sind im Vorzelt zu finden und geben ihm Struktur.
Im Spielzelt stehen ein großes Schalensitzgradin und zwei Reihen gepolsterter Logenstühle für die zahlreichen Besucher bereit.
Vor dem hohen Artisteneingang aus rotem, mit unzähligen Strasssteinchen besetzten Artisteneingang, ist ein Podium für das fünfköpfige polnische Circusorchester aufgebaut.
Die Show steht unter dem Motto „Salto Mortale“ - in Erinnerung an den Vater, dessen erster Circus diesen Namen trug. Stringent in Szene gesetzt läuft das Programm flott und schnörkellos ab und wird von der ersten bis zur letzten Minute von der hervorragend
aufspielenden Band begleitet. Perfekte Musikauswahl und ein druckvoller, volltönender Sound unterstützen die auftretenden Artisten in idealer Weise. Gleiches gilt für das stimmige Lichtdesign, für das Sandro und Menowin Frank verantwortlich zeichnen.
Das hauseigene Ballett startet mit seinem ersten Auftritt temperamentvoll die Show und im nahtlos anschließenden Charivari bietet das Ensemble erste Kostproben seines Könnens.
Die erste Darbietung sieht Alexander Frank-Mak an den Strapaten. Extrem kraftvoll und doch beinahe spielerisch wirkend, reiht der sympathische junge Mann die anspruchsvollen Tricks aneinander.Kreuzhang,Waagen uvm. wird in hervorragender Weise mit raumgreifenden Flügen kombiniert.
Im zweiten Teil der Show sehen wir die ausgezeichnete Handstand-Equilibristik von Alexander Frank-Mak. Auf einem hohen Piedestal erfolgt eine Vielzahl unterschiedlicher, kraftvoll ausgeführter Handstand-Figuren. Die abschließenden Highlights des Auftritts werden an der Spitze einer langen Stange in beachtlicher Höhe souverän gearbeitet.
Aus Mexico kommt Clown „Mosquito“, der mit südamerikanischem Temperament, großer Gestik und lebhaftem Spiel das Publikum erfreut. Zunächst verteilt er Glöckchen ans Publikum. Wenig später heißt, im Zusammenspiel mit dem Direktor, „musizieren verboten“. Immer wieder ignoriert der Clown die Anordnung und beweist mit seinem virtuosen Spiel auf Trompete und Saxophon hohe Musikalität. Zu guter Letzt wird geboxt. Mit wenigen Mitspielern, zwei „Kämpfer“ und ein Nummerngirl, geht es flott und ohne langwierige Präliminarien, wie z.B. „Ring aufbauen“ sofort zur Sache. Auf den Rängen kommt der große Kampf bestens an, wie die lebhaften Reaktionen belegen.
Zudem ist „Mosquito“ als Tempo-Jongleur zu erleben. Mit Keulen und „Sombreros“ werden vielseitige Routinen temperamentvoll vorgetragen.
Seiltänzer Joaquim bietet eine elegante und mitreißende Kür. Im eleganten Torerokostüm zeigt er in einem temperamentvollen Ablauf eine Vielzahl Schrittfolgen und verschiedenste gelungene Sprünge. Der Auftritt in einem gelungenen Rückwärtssalto und dem Sprung durch einen mit Dolchen gespickten Reifen.
Die elegante Antipoden Darbietung des Duo Madison wird mit Manipulationen einer großen Rolle eingeleitet. Es folgen Aktionen mit bis zu fünf Basketbällen sowie mit kleinen Teppichen. Über mehrere Stufen eines leiterartigen Gestells wandert ein Ball in einen Korb an der Spitze empor. Zum Höhepunkt des Auftritts steht eine Partnerin im Schulterstand auf den Füßen der auf der Trinka liegenden und gemeinsam halten sie fünf Teppiche in Bewegung.
Das Vertikalseil ist das Metier von Latoya Frank. Die zierliche Artistin bietet eine variantenreiche Trickfolge dieses heute leider kaum noch zu erlebenden Genres. Gekonnt und mit jugendlicher Frische absolviert sie ihre anspruchsvolle Kür, die in einem furiosen Wirbel gipfelt.
Valery & Anastasiia aus der Ukraine begeistern mit ihrem BMX Act. Der Fahrradartist versucht die auf einer Bank sitzende Angebetete mit seinem Können zu beeindrucken und zu letztlich zu erobern – soweit die zugrundeliegende Story des Auftritts. Zahlreiche verwegene Sprünge auf dem BMX-Rad führen auf die Bank und auch über die Partnerin hinweg, zeugen von hohem Gleichgewichtsgefühl und perfektem beherrschen des Sportgeräts.
Der zweite Programmteil startet mit den Flying Zuniga am Flugtrapez. Zu viert zeigt die Truppe einen formidablen Act der Luftartistik. Die vielseitigen Flüge werden allesamt sicher im ersten Versuch vom Porteur gefangen. Höhepunkt der Darbietung sind ein elegant ausgeführter dreifacher Salto und eine gelungene Passage.
Einen glanzvollen Auftritt absolvieren die „Las Vegas Magic Girls“ mit ihrer großen Illusion-Show. Marisa Tonito präsentiert mit ihren Assistentinnen eine Reihe gängiger Großillusionen. Abschließend wird die Illusionistin mitsamt einem Käfig hoch in die Kuppel gezogen und erscheint zur großen Verblüffung vieler Zuschauer fast augenblicklich auf einer Gradintreppe.
Den abschließenden Höhepunkt dieser mitreißenden Show bietet das Duo Guilherme Sepuveda mit seiner Armbrustschützen Darbietung. In rasanter Abfolge erfolgen die vielen verschiedenen Schussvarianten, die allesamt perfekt gezielt sind. Für Verblüffung sorgt ein treffsicherer Schuss mit verbundenen Augen rückwärts über die Schulter. Der perfekt ausgeführte „Tell Schuss“ - mit einem ersten Schuss aus seiner Armbrust löst der sympathische Artist eine Kaskade weiterer fünf Schüsse aus und der letzte Pfeil trifft sicher den Apfel über seinem Kopf – findet der spannungsgeladene Act seinen Höhepunkt.
Das fröhlich choreographierte Finale vereint alle Mitwirkenden noch einmal in der Manege und Direktor Gino Frank, der auch die Rolle des Manegensprechers – in sehr angenehmer Weise – inne hat verabschiedet ein äußerst zufriedengestelltes, lebhaft applaudierendes Publikum.
Bei ihrem gelungenen Restart in der Schweiz setzt die Familie Frank auf ein starkes Programm das in einem gepflegten Rahmen geboten wird und so bietet man großen Circus in Bestform, der jederzeit einen Besuch lohnt.