Text und Fotos Friedrich Klawiter
MARBURGER WEIHNACHTSCIRCUS
Marburg, 20. Dezember 2025

www.weihnachtscircus-marburg.de
Adriana Folco und ihr Sohn Amedeo jr. veranstalteten in dieser Spielzeit bereits zum dritten Mal Weihnachtscircus in Marburg. Selbstverständlich wurde erneut eine völlig neue mitreißende, moderne Show geboten und darüber hinaus gelang es der sehr engagiert zu Werke gehenden Direktion weitere Verbesserungen an ihrer Infrastruktur vorzunehmen.
Auf dem städtischen Festplatz waren großen weißen Zeltanlagen in exakter Formation aufgebaut. Acht hoch aufragende Quaderpools geben der langgestreckten Kuppel des Chapiteau Volumen und ein optisch passendes zweimastiges Vorzelt ergänzt das Arrangement. In großen beleuchteten Lettern strahlt der Schriftzug „Folco Palace“ von der Zeltkuppel herab.
Der historische Kassenwagen von Franz Althoffs Rennbahncircus und ein weiterer nostalgischer Circuswagen bilden zusammen mit einem rot-weißen Holzaun die Front. Zahlreiche Lichterketten verleihen dem Circus in der Dunkelheit ein romantisches Flair. Ein mehrere Meter hohe und breite Leuchtschrift neben der Kasse zeigt den Namenszug „Marburger Weihnachtscircus“.
Das Vorzelt empfängt die Besucher mit einer heimeligen Athmosphäre. Holzboden, weinrote Stoffbespannung am Rondell und ebensolche Hussen über den Biertisch-Garnituren, Lichterketten und geschmackvolle Weihnachtsdekoration vermitteln ein festliches Ambiente. Die Verkaufsstände der Circusrestauration sind liebevoll gestaltet und ein kleiner nostalgischer Circuswagen komplettiert die Einrichtung. Durch prächtiges Portal führt der Weg ins Chapiteau.
Ein großes Schalensitzgradin und dekorative zweireihige Logen nehmen den Raum um die Manege komplett ein.
Der große dreigliedrige Artisteneingang schließt den hinteren Zeltbereich ab. Beidseitig führen Showtreppen zu den seitlichen Durchlässen und zahlreiche Lichtelemente werten die Konstruktion mit ihren Effekten auf.

Der junge Direktor hat erneut eine frische, schnelle und ohne Lücken flott ablaufende Show kreiert, die den Sehgewohnheiten breiter Schichten seines Publikums entgegenkommt und stets hervorragend unterhält. Wie im Vorjahr kommt dabei dem US-amerikanische Musical-Sänger Chipper Stanley Cooke und den „Folco Dancers“ ein großer Anteil zu. Mit ihren vielseitigen stimmigen Auftritten, den temperamentvollen Choreographien und Chippers eindrucksvoller Stimmgewalt sorgen sie für besondere Momente in der Show und verbinden die einzelnen Auftritte zu einer stimmigen Einheit.
Temperamentvoll gelingt der Einstieg in die Nummernfolge mit der „Truppe Havanna“. Die acht kubanischen Artisten präsentieren zunächst ihr Können beim Seil springen in einem fröhlich verspielten Auftritt. Die zahlreichen attraktiven Tricks werden stringent im Rhythmus der lateinamerikanischen Musik ausgeführt und lassen den oftmals bemühten berühmten Funken gleich auf die bestens besetzten Ränge überspringen.
Wenig später sind vier Truppenmitglieder am Russischen Barren, einer interessanten aber inzwischen leider fast nicht mehr zu sehenden Disziplin, zu erleben. Die vielseitigen hohen und raumgreifend gesprungenen Saltos und Pirouetten werden allesamt sehr sicher und punktgenau gelandet. Ein doppelter Schraubensalto und ein Dreifacher sind die Höhepunkte des Auftritts. 
Mit zwei interessanten Luft-Darbietungen ist Katalina Donnert zu erleben. Zunächst arbeitet sie eine kräftezehrende und umfangreiche Kür an den Strapaten. In erstklassiger Ausführung erfolgen die zahlreichen Aktionen und Abfaller sorgen für den notwendigen Nervenkitzel. Im zweiten Teil der Show präsentiert sich die junge Frau am Luftring. Auch in dieser Disziplin der Luftakrobatik überzeugt die Artistin mit Können und Ausstrahlung. Ihr Requisit verfügt über eine spezielle Aufhängung, so dass der Ring vertikal gekippt werden und auch rotieren kann. Dies erlaubt andere Bewegungsabläufe als wir sie ansonsten sehen und auch spektakulärere Abfaller sind möglich.

Clown Alain Rossi bringt sich in mehreren Reprisen ins Programm ein und setzt auf die Beteiligung von freiwilligen Mitspielern. Mit einem imaginären Ball wird Golf gespielt. Dann sollen die Mitspieler mittels eines geschickten Wurfs einen Hut auf des Clowns Kopf platzieren. Schließlich liefert er sich mit einem Jungen ein Duell im Wasser spucken.
Rasant geht es bei Bounce-Jongleur Francesco Pellegrini zu. Auf seiner kleinen Plattform zaubert er mit weißen Bällen die unterschiedlichen Muster in die Luft. Mit drei und fünf Bällen erfolgen die ersten Routinen und schließlich sind es gar deren sieben, die gekonnt und völlig fehlerfrei manipuliert werden.
Hoch hinaus geht es mit Laurentiu Coman und seinen Handständen. Nach ersten Waagen, Einarmer und Handständen auf einem Stuhl, bzw. einem hohen Handstab, arbeitet sich der versierte Artist immer höher in Richtung Kuppel. Nach jedem Handstand fügt er einen weiteren Stuhl, teils in recht prekärer Lagerung, zu dem Konstrukt hinzu und bildet so einen hohen und labilen Turm, auf dessen Spitze der finale Handstand erfolgt.

Der zweite Teil der Show beginnt mit der furiosen BMX Fahrrad-Akrobatik des Duo „No Limits“. Während der eine Fahrer mit seinem Rad auf die verschiedenen Podeste springt und diese in Art eines Parcours nutzt, nimmt sein Partner vvon außerhalb des Zeltes Anlauf und zeigt von einer Rampe hohe und weite Sprünge auf dem Rad durch die gesamte Manege. Ein Rückwärtssalto mit dem Rad bildet den umjubelten Abschluss des Auftritts.
Noch einmal wird jongliert in dieser Show und dieses Mal ist es der junge Chilene Wiliam Montecinos, der mit seinen Tricks mit den Diabolos begeistert. In sehr hohem Tempo erfolgen die allermeisten Spitzentricks des Genres und schließlich hält der junge Mann gar drei Diabolos einhändig am laufen.
Das Duo „Sharp Blades“ bringt Spannung und Nervenkitzel ins weite Rund. Mit raschen Würfen werden Messer zielgenau und dicht neben dem Körper der Partnerin plaziert. Mit dem Mund gehaltene kleine Luftballons zerplatzen unter dem Einschlag der Messer und auch Morgensterne finden sicher ihr Ziel. Schließlich steht die junge Frau in einem rotierenden Rahmen, in dessen Schmalseiten die Messer sicher und genau platziert werden.
Vor dem Finale erleben wir noch einmal die komplette Truppe Havanna, nun am Schleuderbrett. Viele verschiedene Sprünge werden erstklassig ausgeführt und sicher auf einem dicken Kissen oder den Schultern der Partner gelandet. Ein Sprung zum Drei-Mann-Hoch im Spagat, Vier-Mann-Hoch und ein Salto in einen Sessel an der Spitze einer Gürtelperche sind die Höhepunkte des Acts.
Im flott und fröhlich gestalteten Finale zeigt sich das komplette Ensemble noch einmal in der Manege und wird vom begeisterten Publikum mit frenetischem Applaus gefeiert.