Text und Fotos Friedrich Klawiter
KERSTCIRCUS MAASTRICHT
Maastricht, 29. Dezember 2025
www.circusrenzinternational.com


Auch in dieser Spielzeit veranstaltete die Familie Renz ihren erstklassigen Kerstcircus in Maastricht. Dem traditionellen Dreiklang aus Tieren, Clowns und Akrobaten bleibt man unverändert treu und bot ein Programm mit bester Unterhaltung auf hohem Niveau, mit dem man sein Publikum begeisterte.
Die Hausfarben des Circus Renz International beherrschen den Circusplatz der Stadt, in direkter Nachbarschaft des Stadions „de Geusselt“ gelegen. Die eindrucksvolle Fassade wird von mit Lichterbögen flankiert und an den Zeltanlagen leuchten unzählige Lichterketten. Die zahlreichen Fahrzeuge, Stallungen und Freigehege sind in exakter Formation auf dem Gelände angeordnet.
Eine heimelige Atmosphäre herrscht im großen, eigens für das Weihnachtsgastspiel vorgesehenen Vorzelt. Ein großer Weihnachtsbaum nimmt den zentralen Platz ein und opulente Weihnachtsdekoration schmückt das ganze Zelt. Die Circusrestauration ist in zwei Wagen und mehreren Ständen untergebracht. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden zum verweilen ein.
Das Chapiteau bietet den gewohnten Anblick – großes Schalensitzgradin, feine Logen und ein raumhoher edler rot-goldener Artisteneingang.
Die aktuelle Weihnachtsproduktion des Circus Renz International war als traditionelles Nummernprogramm konzipiert und trug den Titel „Magic of Time“.
Als sehr eleganter und eloquenter Sprechstallmeister trat wiederum Jarno Kikkert in Erscheinung. Er begrüßte das sehr zahlreich erschienene Publikum und versteht es ausgezeichnet allerlei Informationen zu vermitteln.
Die Spielfolge beginnt mit der Kür von Milena Oksanen an den Strapatentüchern. In erstklassiger Weise werden die vielseitigen Figuren ausgeführt. Begleitmusik und Licht verleihen dem Auftritt einen poetischen Touch.
Scarlett Renz beherrscht das Spiel mit dem Feuer. Feurige Hula Hoop Ringe rotieren um den Körper – sowohl in der Manege, als auch hoch in der Kuppel in der sie an einer Handstrapate schwebt. Röhrenkubus und Twirlings wirbeln umher. Schließlich zündet die sympathische junge Frau Feuerwerkskörper während eines Pirouettenwirbels in der Kuppel und erzeugt einen Funkenregen, einem Kometenschweif gleich.
Einen umfangreichen und interessanten Auftritt absolviert David Arriola. Zunächst jongliert er höchst variantenreich mit Keulen. Es geht eine Treppe hinauf und hinab und viele Fußkicks fließen in den gekonnten Vortrag ein. Im zweiten Teil der Darbietung kombiniert der versierte Artist Aktionen auf der Rola Rola mit seinen Jonglagen. Nach dem Seil springen und einer Keulenjonglage auf der Rola wird zu Bounce-Routinen gewechselt.
Die italienische Bisbini Familie ist mit sehr origineller Clownerie zu erleben. Das Trio – Vater Enzo mit Sohn Riccardo und Tochter Perla – hat drei spezielle Figuren geschaffen, deren Kostüme und Maske an die Comedia dell Arte erinnern. Mit großer Spielfreude, Können und sicheren Pointen kommen sie beim Publikum bestens an. Zunächst präsentieren sie ihren Kostüm-Elefanten „Dumbo“. Perla Bisbini steckt in der aufwändig und liebevoll gemachten Hülle, während ihr Bruder Riccardo der Dompteur ist. Als traditionelles Trio stellen sie ihre Musikalität unter Beweis, bieten neue zündende Gags sorgen für befreiendes Lachen. Riccardo ist in einem Solopart eher pantomimisch zu sehen. Im zweiten Teil der Show dreht Enzo Bisbini, mit einigen freiwilligen Mitspielern, einen Film. Ohne Längen, mit großen komödiantischem Können und individueller Gestaltung strebt die Handlung stringent voran und gewinnt dem Klassiker erfrischende und neue Seiten ab.
Perla Bisbini ist zudem mit ihrer Luftakrobatik zu sehen. Als Schmetterling mit beleuchteten Flügeln schwebt die junge Frau in die Kuppel. Sie beherrscht eine Vielzahl anspruchsvoller und kräfteraubender Abläufe. In erstklassiger Manier werden freihändiger Spagat, Pirouetten und weite Flüge gearbeitet. Viele beidarmige Überschläge und ein eindrucksvoller Nackenhang sind die Höhepunkte des Auftritts.
Selbstverständlich sind auch die erstklassigen Tierdressuren der Familie Renz in der Show zu erleben. Kimberley Scholl präsentiert eine neu zusammengestellte Freiheitsdressur mit vier weißen Araberhengsten. Souverän lässt die charmante Vorführerin die vielseitigen Figuren ablaufen, nachdem sie als Stehendreiterin auf einem prächtigen Kaltblut-Gespann die Manege einige Male umrundete. Einige gelungene Da Capo Steiger bilden den Abschluss des Auftritts.
Ihr Partner Anthony Renz präsentiert eine abwechslungsreiche Arbeit mit vier Dromedaren. Gekonnt werden die vielfältigen Lauffiguren absolviert. Schließlich ergänzen Watussi-Rinder und Lamas den Exotenzug. Als kleine Zugabe können die Logenbesucher in direkten Kontakt mit den Lamas und Dromedaren kommen, indem sie das zuvor ausgeteilte Brot verfüttern.
Publikumsliebling und auch so etwas wie der heimliche Star der Show ist jedoch der fünfjährige Adrian, Sohn von Kimberley Scholl und Anthony Renz. Er leitet, weitesgehend selbständig agierend, vier Shetland Ponys zu ihren Figuren an.
Am Schwungtrapez präsentiert Milena Oksanen ihre beim Circusfestival of Italy in Latina ausgezeichnete Kür. In hohem Tempo arbeitet die junge Frau ihre umfangreiche Trickfolge. Sie bietet in vollem Schwung eine große Anzahl riskanter Abfaller und Pirouetten. Mit einem Salto um die Trapezstange krönt sie ihre Arbeit.
Nordafrikanische Springertruppen sind leider nur noch sehr selten in den Manegen zu sehen. Hier entfachte eine attraktive Darbietung einen großartigen Wirbel vor dem Finale.
Die sechs Mitglieder begannen ihren Auftritt in traditioneller Weise mit vielseitigen menschlichen Pyramiden. Im Folgenden wurde die Manege Rad schlagend umrundet, wurden Salto und Flickflack in verschiedenen Ausführungen gesprungen und mit jeder Tour wechselten die Kombinationen der Sprünge und steigerte sich der Schwierigkeitsgrad. Abschließend demonstrierte der Truppenchef seine große körperliche Stärke, indem er das Gewicht der ganzen Truppe schulterte.
Dem bunten Finale lag eine fröhliche Choreographie zu Grunde, die in Feuerwerk und Konfettiregen kumulierte. Wie stets in diesem Weihnachtscircus verabschieden sich die Artisten persönlich im Vorzelt vom langsam hinausströmenden Publikum.
Auch dieses Mal ist es der Familie Renz wieder hervorragend gelungen, ein interessantes, starkes und höchst unterhaltsames Programm zusammen zu stellen und ihr Publikum zu begeistern.