Text und Fotos Friedrich Klawiter
4. KOBLENZER WEIHNACHTSCIRCUS
Koblenz, 12. Dezember 2025
www.koblenzer-weihnachtscircus.de


Die vierte Ausgabe des Koblenzer Weihnachtscircus findet nun, zehn Jahre nach der dritten Edition statt. Die „SUN Vista Cirkusproduktions GmbH“ aus Köln unternimmt den neuen Anlauf, neben ihrem Event in Bonn, auch in Koblenz einen Circus zur Weihnachtszeit zu etablieren. Mit dem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Programm, das hervorragend in einem edlen festlichen Rahmen präsentiert wird, sollte diesem Vorhaben Erfolg beschieden sein.
Das technische Equipment kommt vom Circus Louis Knie jr. aus Österreich. Das weiß-rote Chapiteau mit der hohen spitzen Kuppel bildet das Zentrum des Circus. Ein blau-gelber Zwei-Master ist als Vorzelt aufgebaut.
Die Frontseite des Geländes wird von einer hohen und breiten Fassade, deren Planen mit großformatigen Circusmotiven bemalt sind, abgeschlossen. Der Container, der die Circuskassen beheimatet ergänzt das Arrangement und zahlreiche Lichterketten und Weihnachtsbäume schaffen ein stimmungsvolles Ambiente.
Im Vorzelt setzt sich das festliche Ambiente fort. Üppiger eleganter moderner Weihnachtsschmuck und zahlreiche Lichterketten vom Rondell bis in die Kuppel gestalten den Raum. Die Circusrestauration ist in Verkaufswagen und Marktständen entlang der Zeltseiten untergebracht.
Im Spielzelt füllen das achtreihige Schalensitzgradin und elegante Logen den Raum um die Piste restlos aus. Der hohe Artisteneingang ist weihnachtlich geschmückt.
Die Lichtanlage zeigt sich auf Höhe der Zeit und mit dem ausgezeichneten Lichtdesign von Danny Luftman wird die Show hervorragend in Szene gesetzt. Die stimmige musikalische Begleitung, sie unterstützt die auftretenden Artisten erstklassig, gewinnt deutlich durch den Einsatz eines Live-Schlagzeugers.
Raoul Schoregge hat die Show inszeniert und als Clown „Correggio“ erleben wir ihn in der Manege. Im Opening versucht der Clown im roten Ring zu picknicken, doch der Lichtkreis in den er sich setzt verharrt nicht. Schließlich „fängt“ er das Licht in seinem Korb und lässt die Scheinwerfer aufflammen. Nun ist es an der „Group de Mirage“, sechs junge ukrainische Tänzerinnen und Artistinnen, mit einem furiosen Charivari das Publikum mitzureißen. Abläufe aus vielen verschiedenen Genres fließen in die temperamentvolle Choreografie mit ein.
Mit der ersten von drei Tier-Darbietungen sehen wir Kevin Probst zu Beginn der Show. Acht Esel trippeln ihre Figuren unter der gekonnten Peitschenführung des versierten Tierlehrers in den Manegensand. Pirouetten, Volten, Gegenläufe und Abliegen werden souverän und flott gearbeitet. Ein Mini-Pony beschließt mit einem Steiger den Auftritt. Vor der Pause präsentiert Kevin Probst seine Papageien Revue. Sechs Aras, ein Kakadu und ein halbes Dutzend Sonnensittiche sind in den Ablauf involviert. Sie fliegen zum Vorführer, betätigen sich akrobatisch auf ihren Sitzstangen, durchfliegen von Kindern hochgehaltene Reifen und überbringen eine Rose. Besonderen Anklang im vollbesetzten Rund finden die langen und lautlosen Flüge der großen Vögel über den Rängen. Im zweiten Teil sind fünf Hunde eifrig dabei ihr Sprungvermögen zu präsentieren.
Aus Äthiopien kommen die „Jabula Africa Sisters“. Die vier jungen Kontorsionistinnen verfügen über große Körperbeherrschung und ein gutes Balancegefühl. Ein ums andere Mal verbiegen sie Körper und Gliedmaßen in extremer Weise und bauen so beeindruckende menschliche Pyramiden.
Die erste Luft-Darbietung der Show bietet Emi Velkova an den Strapatentüchern. Die sympathische Artistin vereint Eleganz und kraftvolle Akrobatik zu einer perfekten Kür. Mit großer Ausstrahlung erfolgen die zahlreichen Figuren sehr hoch in der Kuppel und eine Reihe riskanter Abfaller bieten Nervenkitzel pur.
Im zweiten Programmteil sehen wir die vielseitige Artistin gemeinsam mit ihrem Partner Steven Carroli bei dessen Einrad Act. Gekonnt springt er auf dem Einrad eine Treppe hinauf und hinab, springt auf dem Rad Seil und jongliert mit Keulen. Nach dem Wechsel auf ein Stangenrad spelt der Artist per Fußkick Unterteller und Tassen auf seinem Kopf zu einem Turm und schließlich landet ein kleiner Löffel in der obersten Tasse.
Mit Tennisbällen und Keulen jongiert ein junger Artist temporeich und gekonnt, doch leider findet sein Auftritt ebenerdig im Haupteingang statt, so dass seine gekonnten Aktionen von sehr vielen Besuchern kaum wahrgenommen werden können.
Nahtlos schließt sich an diesen Auftritt die außergewöhnliche Bumerang-Jonglage von Danny Luftman an. In einem sehr stylischen, konsequent und komplett in blau und weiß designt, Auftritt hantiert er mit den Wurfgeräten. Zuverlässig landen diese, auch nach den abenteuerlichsten Flugbahnen wieder in seinen Händen. Die abschließenden Touren mit fünf Bumerangs brachten einen Eintrag in Guiness Buch der Rekorde.
Clown „Correggio“ dirigiert in seinen Reprisen ausführlich den Applaus des Publikums und fängt einen imaginären Ball in einer Papiertüte. Mit Partnerin Sun Qing Qing tritt er in einen Wettstreit im Wasser spucken.
Zwei Artistinnen der „Group de Mirage“ sind mit einem Luftballett an Strapaten zu erleben.
Im Stil moderner Gladiatoren präsentieren die „Mouden Brothers“ ihre Hand-auf-Hand Akrobatik. Ein breites Repertoire gängiger Tricks des Genres wird in harmonischem Ablauf präsentiert.
„The Shanghai Stars“ sind mit vier Darbietungen in der Show vertreten. Zunächst agiert ein Mitglied auf der Rola Rola indem er mit einem Kick des Rollbretts kleine Reisschalen auf seinen Kopf befördert und dort in einander stapelt.
Eine veritable Diabolojonglage sieht einen weiteren Artisten in Aktion. Rasant und fehlerfrei erfolgen die Routinen und schließlich sind drei Diabolos zur gleichen Zeit in der Luft.
Noch einmal wird jongliert in dieser Show – gemeinsam präsentieren die drei Herren eine Hutjonglage. Solo- und Gruppentricks wechseln in schneller Folge. In immer wieder neuen Formationen wechseln die Strohhüte von einem zum anderen Akteur und schließlich segeln Sombreros Kometen gleich durch den Raum.
Zu guter Letzt wird eine Bankbalance geboten. Kleine Holzbänke werden ineinander gehangen. Dann hebt der Artist das Holzgebilde auf seine Stirn und balanciert es dort auf einem Standbein aus. Nach jedem Durchgang werden weitere Bänckchen in das labile Konstrukt eingefügt. Schließlich sind es zwanzig Bänke die sich zu einem großen und schweren, ständig wippenden und sich bewegenden Gebilde fügen, die auf der Stirn des Ausführenden ruhen.
Wer nun glaubte mit diesem selten zu sehenden und spektakulären Act die Final-Darbietung erlebt zu haben, irrte.
Diese ist Antonin Navratil auf dem Washington-Trapez vorbehalten. Auf dem ruhenden Trapez wird ein über die Stange gelegtes Tuch mit dem Mund aufgenommen und auf einem Stuhl, der auf dem Trapez steht sehr sicher die Balance gehalten. Die Balancen am weit ausschwingenden Requisit finden ihren Höhepunkt in einem Kopfstand mit verbundenen Augen.
Das Finale, vom Ballett schwungvoll eingeleitet, vereint noch einmal alle Mitwirkenden in der Manege und Raoul Schoregge übernimmt die Rolle des Manegensprechers. Er stellt die Akteure namentlich vor und verabschiedet ein überaus zufriedengestelltes Premierenpublikum, das seiner Begeisterung mit frenetischem Beifall und Standing Ovations Ausdruck verleiht.