Text und Fotos Friedrich Klawiter
5. HÜRTHER WINTERCIRCUS
Hürth, 21. Dezember 2025
www.casselly-wintercircus.de


Zum fünfjährigen Jubiläum war die Familie Jonny Casselly mit ihrem Wintercircus in Hürth zu Gast. Einst als Geheimtipp gehandelt, hat sich die Veranstaltung längst als ein Spitzenevent der Weihnachtssaison etabliert. Eine Spitzen-Show weihnachtlich verpackt und dargeboten in einem erstklassigen Ambiente von einer Circusfamilie, die mit großem Können und ganzen Herzen bei der Sache ist.
Der Circus präsentierte sich auf dem zentral gelegenen Platz der Stadt vor den Toren Kölns in gewohnter Weise. Die beiden hohen blau-gelb gestreiften Vier-Masten-Zelte nehmen, mitsamt der gelb lackierten Materialwagen und zahlreichen Wohnwagen den Raum komplett ein. Ein dekorativer Stakettenzaun und der Kassenwagen bilden die Front, die mit einem Unterstand für die Raucher sowie einem Glühweinstand ergänzt wurde. Zahlreiche Lichterketten und Weihnachtsbäume vermitteln ein romantisches Flair.
Ein großer, bis in die Kuppel reichender und liebevoll geschmückter Weihnachtsbaum empfängt im ersten Zelt die Besucher. Die Circusrestauration in liebevoll dekorierten Buden, roter Teppich, ein Circus-Café in einem hervorragend restaurierten Oberlichtwagen,stimmungsvolles Licht und angenehme Musik – sind die Elemente, die eine festliche Atmosphäre schaffen und Aufenthaltsqualität vermitteln.
Im Spielzelt stehen ein großes, steil aufragendes Schalensitzgradin sowie Logen mit bequemen Polsterstühlen für die zahlreichen Besucher bereit und ein großer Artisteneingang aus rotem Samt schließt den hinteren Zeltteil ab.
Mit einer kleinen Weihnachtsgeschichte startet die Show. In ihrem Wohnzimmer wartet Oma Maria Casselly mit einigen ihrer zahlreichen Enkel auf Weihnachten und erzählt Geschichten, als Luis einwendet das es keinen Weihnachtsmann gäbe. Auch das Klingeln des Weihnachtsglöckchens vermag er nicht zu hören. Er bekommt von der Oma sein Geschenk, eine Eisenbahn, und als die Kinder damit in der Manege zu spielen beginnen, öffnet sich der Vorhang. Das Hausballett und Sängerin Jessica Casselly erobern den roten Ring. Eine große rote Lokomotive mit Anhänger, Simon Maatz ist der Erbauer, rollt in die Manege und das große, bunte und turbulente Charivari nimmt seinen Lauf.
Alfons Cassely ist der elegante und eloquente Sprechstallmeister des Hauses. Wortgewandt und in sehr angenehmer Weise stellt er seine Familie und die Artisten vor. Er versteht es ausgezeichnet das Publikum zu informieren und zu unterhalten.
Aus Chile kommt Klischnigger Gino Valentino. Er versteht es ausgezeichnet, seinen Körper schnell, im Rhythmus der Musik, in extreme Positionen zu bringen. Mit einem fröhlichen Lächeln verschränkt er Arme und Beine in unglaublicher Weise und mehr als einmal stöhnt das Publikum ob seiner Beweglichkeit ungläubig auf.
Das Duo „Bouncing Balls“ präsentiert – welch Überraschung bei dem Namen – Bouncing Jonglagen. In spielerischer Weise manipulieren die bei jungen Artisten vielfältige Varianten ihrer Balljonglage. Besonderen Drive erhält dieser Auftritt durch die zahlreichen, in den Ablauf der Routinen integrierten akrobatischen Tricks.
Im zweiten Teil der Show agiert der weibliche Part des Duo in ähnlichem Stil mit Hula Hoop Ringen. Auch dieser Act zeichnet sich neben vielseitigen Tricks durch seinen verspielten, fröhlichen Stil aus.
Es ist stets eine besondere Freude Clown Antonio – Antonio Casselly – bei seinem facettenreichen und pointierten Spiel zusehen zu dürfen. Er verkörpert eine sympathische Figur die sofort Zugang zum Publikum findet und seine Reprisen wirken spontan und nicht „gespielt“. Zunächst „unterstützt“ er seinen Bruder bei einer Ansage, indem er jongliert und dabei „sieben Bälle in der Luft“ präsentiert sowie seinen Hai „Heidi“ vorstellt. Ein Klassiker im Repertoire der Brüder ist der „Boxautomat“. Alfons spielt die Automaten-Puppe, die natürlich ein unerwartetes Eigenleben entwickelt und Antonio gibt den heillos überforderten Probanden, der mit Hilfe des Automaten boxen lernen möchte.
In einem weiteren großartigen Auftritt erleben wir Antonio als Amor und schließlich ist er mit einer „Anhalterin“ in seinem rasanten Flitzer unterwegs.
Ein furioses spanisches Bild des ausgezeichneten Balletts mündet in die Zopfhang-Darbietung von Michaela Wohlfahrt. Recht lange schwebt die zierliche Artistin an ihren Haaren durch den Raum und bringt dabei ihre Gliedmaßen in immer wieder neue Positionen.
Die Rollschuh-Darbietung der „Skating Senna“ bietet in hohem Tempo viele relevante Tricks des Genres. Dynamisch erfolgen die Aktionen und mit einem rasanten Wirbel der Partnerin um die eigene Längsachse während der Rotation findet der Auftritt seinen Höhepunkt.
Wenig später sehen wir den Porteur des Duo mit einem anderen Partner auf dem US-Todesrad. Vielseitige und weite Sprünge in den Kesseln, Seil laufen außen auf dem Rad, Blindlauf und riskante hohe Absprünge auf der Außenbahn kennzeichnen den Auftritt.
Drei sehr junge Mädchen aus der Ukraine arbeiten eine trickstarke Partnerakrobatik.
Eine hervorragende Darbietung an Strapaten haben Alfons und Jessica Casselly einstudiert. Die hochkarätigen und teils risikoreichen Tricks erfolgen in exzellenter Ausführung. Mit ganz besonderen Momenten klingt der erstklassige Auftritt aus, da die etwa fünfjährige Tochter des Paares in die letzten Abläufe eingebunden ist.
Als Finalnummer ist die einzigartige Raketensensation des Duo Garcia – Pablo Garcia und Vicky Fossett – zu erleben. Seit vielen Jahren begeistert dieser Act mit spektakulären Abläufen das Publikum und lässt viele Zuschauer mit feuchten Händen zurück.
Nun finden wir uns wieder im Wohnzimmer von Maria Casselly ein und Luis berichtet der Oma ganz aufgeregt, das er auf seiner Reise mit dem Weihnachtszug den Weihnachtsmann getroffen habe und auch das Glöckchen kann er wieder hören.
Nun nimmt das festliche Finale seinen Lauf mit Einzelvorhängen für die Artisten und die Direktionsfamilie. Jubel, Applaus und Standing Ovations wollen nicht enden und mit einem Transparent dankt die Direktion den Besuchern für fünf Jahre Treue zu ihrem Weihnachtscircus. Traditionell bilden die Mitwirkenden ein Spalier im Vorzelt und nur sehr langsam gelangen die Besucher aus dem Chapiteau, da ein jeder sich persönlich verabschieden möchte.
Das Fazit des Besuches kann nur, wie in den Vorjahren lauten: Mit Hingabe, Können und Leidenschaft für den eigenen Beruf ist es der Familie Casselly erneut gelungen im Zusammenspiel mit den engagierten Artisten ein großes und höchst unterhaltsames Event zu gestalten, das seine Besucher begeistert und die Vorfreude auf die kommende Produktion weckt.
Chapeau Familie Casselly.