Text und Fotos Friedrich Klawiter
18. BONNER WEIHNACHTSCIRCUS
Bonn, 19. Dezember 2025
www.bonner-weihnachtscircus.de


Erneut wurde großartiger Circus in der prächtigen Zeltstadt auf den traditionsreichen „Pützchens Marktwiesen“ geboten. Das hochkarätig besetzte Programm wurde wiederum von Louis Knie jr. zu einer perfekten und höchst unterhaltsamen Show zusammengestellt.
Schon von Weitem strahlt der große Circus im weihnachtlichen Glanz zahlloser Lichter und zieht die Besucher magisch an. Die weißen Zeltanlagen mit dem exquisiten schwarzen Dekor werden von der roten Leuchtschrift des Namenszuges gekrönt. Die Frontwagen tragen neben dem großflächigen Logo des Unternehmens großformatige Motive aus vergangenen Spielzeiten. Lichterbögen am Zaun, funkelnde beleuchtete Dekorelemente und zahlreiche Lichterketten verbreiten ein romantisches Flair.
Ein Glühweinstand und ein kleines Karussell sollen den vor der Kasse Wartenden die Zeit angenehmer machen.
Durch ein Portal mit der Leuchtschrift „Willkommen“ geht es ins Foyerzelt, indem sich der elegante Look des Außenbereichs nahtlos fortsetzt.
Große funkelnde Dekorelemente, ein hoher üppig geschmückter Weihnachtsbaum, roter Teppich sowie zahlreiche Sitzgruppen gleicher Farbe schaffen ein festliches Ambiente. Auch die Verkaufswagen und Stände der Circusrestauration leuchten im weihnachtlichen Glanz.
Im Chapiteau stehen ein Schalensitzgradin mit elf Reihen und drei Reihen ansteigender fest installierter Logensitze für die Besucher bereit.
Der hohe Artisteneingang aus dunkelrotem Samt wird von zahlreichen Beleuchtungselemente eingerahmt und bietet auf seiner Empore dem ausgezeichnet aufspielenden und die Artisten wirkungsvoll unterstützenden sechsköpfigen Orchester Platz. Mit einem großartigen Lichtdesign wird die Show hervorragend dargestellt.
Das Opening gestalten die „Duo Dolly Power Dancers“ mit einer temperamentvollen Choreographie. Tanz und vielseitige akrobatische Elemente aus unterschiedlichen Genres bestimmen den Ablauf und Manegensprecherin Sarah Biasini Berousek heißt das Publikum willkommen.
Mit der Antipoden-Darbietung einer Artistin der „Dalian Acrobatic Troupe“ nimmt die Spielfolge ihren Beginn. Chinesische Schirme werden in einem traditionell gestylten Ablauf zu sanften Klängen gekonnt jongliert. Geschickt lässt die Artistin die Requisiten über Hände und Füße wandern und nach hohen Kicks beschreiben die Schirme abenteuerliche Flugkurven und finden stets punktgenau zu einer sicheren Landung zurück. Schließlich werden auf einem Fuß neun und auf dem anderen vier Schirme lose zu einer Raute gestapelt und sicher ausbalanciert.
Wenig später begeistert das „Dalian Duo“ die Besucher mit einem „Ballett auf den Schultern“. Nach einigen Partneraktionen zu ebener Erde tanzt die Partnerin mit anmutiger Leichtigkeit – in Ballettschuhen – auf Schultern und Kopf ihres Partners.
Einen komischen Act am Pole bietet Noah. Gemäss seiner Story sucht er nach einer Toilette und wird an der Spitze des Pole fündig. Nach allerlei Gags und Tricks gelingt es ihm schließlich diskret die Hose herunterzulassen.....
In einer temperamentvollen Melange sind die beiden Damen des Duo „Skating Passion“ im stetigen Wechsel mit einer Artistin an den Strapatentüchern zu erleben, während die „Dolly Power Dancer“ für einen dynamischen Rahmen und Background sorgen.
Die beiden Herren des Duo Malinovsky präsentieren ihr Können am Chinesischen Mast.
Ein helles Sirren klingt durch das abgedunkelte weite Rund, wenn die Drohnen des Duo Lugo umherschweben. Mit dem wechseln der Lichtfarbe und verändern der Formation werden permanent neue Bilder erzeugt.
Clown Totti Alexis war erneut in der Bonner Weihnachtsmanege zu erleben. Mit seinem ambitionierten und pointierten Spiel kommt er bei seinen vier Reprisen hervorragend beim Publikum an, das die skurile Gags und agilen Kaskaden mit Beifall honoriert. Zunächst hindern den Clown einige Verwicklungen am musizieren. Bald darauf erscheint er als „starker Mann“. Gemeinsam mit dem Publikum wird Musik gemacht und zum Abschluss verkündet Totti siegesgewiss „Granada“. Doch dem stolzen Matador spielt die Gitarre einen Streich.
Tempojongleur Dede Larible beginnt seinen fulminanten Auftritt mit vier Keulen und führt die vielseitigen Muster rasant und gekonnt aus. Die nächsten Routinen werden mit bis zu neun Ringen gearbeitet. Im Folgenden fliegen Sombreros durch die Kuppel und zum Höhepunkt seiner Darbietung wechselt der Jongleur noch einmal zu den Keulen, von denen nun bis zu sieben sicher manipuliert werden.
Ein Programm Highlight bietet das Duo Garcia mit ihrem furiosen Act an der Rakete vor der Pause. Mit einem Mundstand von Connor auf dem in der Kuppel rotierenden Requisit nimmt die einzigartige Trickfolge ihren Beginn.Viele riskante und spektakuläre Tricks werden souverän ausgeführt und begeistern die Zuschauer. Als Höhepunkt und Reminiszenz an die „Antares“ - ihr Onkel Gilles verunglückte am 07. Februar 2006 tödlich – kreiselt Antonio Garcia, von seinem Bruder Connor an einem Gürtel mit den Zähnen gehalten, unter der rotierenden Rakete. Chapeau.
Im zweiten Programmteil sehen wir die Brüder Garcia erneut. Sie präsentieren Handstandequilibristik in Art eines Wettstreits und mit einem Pfeilschuss per Fuß auf einen Ballon findet der Auftritt seinen Höhepunkt.
Paval Valla Bertini agiert gekonnt auf dem Einrad. Er springt eine Treppe hinauf und hinab und mitsamt dem Rad auf ein an die Plattform angebautes Trampolin. Auch gehört ein Salto mit dem Einrad zu seinem Repertoire. Nach dem Wechsel auf ein Stangenrad geht es erneut über die Treppe aufs Trampolin und schließlich wird im Gradin eine Runde im Gang hinter den Logen geradelt. Nun kommt, unter deutlichen Ausrufen des Erstaunens, ein etwa neun Meter hohes Rad zum Einsatz. Sein Antrieb wird nicht mittels einer Kette, sondern mittels Reibung der fünfzehn übereinander angeordneten Räder, gewährleistet und auf dieser Konstruktion fährt Pavel Valla Bertini eine Runde um die Manege. Als Da Capo sind die drei Kinder des Artisten auf Einrädern zu erleben.
Enorm kraftvoll präsentiert sich Shirley Larible an den Strapaten. Unzählige Schwünge und Überschläge, allesamt einarmig in exzellenter Haltung ausgeführt, werden von der zierlichen Artistin spielerisch leicht wirkend und ohne erkennbare Anstrengung gearbeitet.
Mit einem höchst selten im Circus zu sehenden Genre ist der japanische Artist Shu Takada zu erleben – er manipuliert Jo-Jos. Leider sind die Requisiten sehr filigran und die meisten Abläufe erschließen sich dem Publikum, aufgrund der Distanzen im Chapiteau, nicht wirklich.
Die Papageien von Alessio Fochesato sind die einzigen Tiere in diesem Weihnachtsprogramm. Anstelle der in den Ablauf integrierten Zuschauer sind vier Ballettdamen mit von der Partie und der Auftritt wirkt nun deutlich glamouröser. Eine weitere Neuerung im Ablauf ist ein prächtiger Tukan, der von einem zum nächsten Arm der Assistentinnen fliegt. Wie immer faszinieren auch hier die weiten Flüge der Aras über den Rängen, wie sich leicht am raunen der Besucher feststellen lässt.
Die finale Darbietung gehört den neun Artistinnen der „Dalian Acrobatic Troupe“. Der furiose Act stellt Szenen an den Boxen eines Formel 1 Autorennens nach. Die feuerroten Kostüme der Artistinnen machen deutliche Anleihen bei Rennanzügen und die Requisiten bilden unverkennbar Rennautoreifen nach. Dazu tönt immer wieder der Sound vorbeirasender Rennwagen aus den Boxen. Begeistert folgen die Zuschauer dem Spektakel in der Manege und bejubeln die perfekt und synchron ausgeführten Tricks der Truppe.
Das flott inszenierte Finale wird vom Ballett eingeleitet und ein Magier lässt „Schnee“ in die Manege rieseln, während die Artisten nach einem Bad in der Menge – sie umrunden die Manege im Gang hinter den Logen – Aufstellung nehmen. Einzelvorstellung der Nummern und eine temperamentvolle Choreographie sind unverzichtbare weitere Elemente und nach einem letzten dynamischen Bild verlöschen die Scheinwerfer.
Das restlos begeisterte Publikum auf den voll besetzten Rängen bricht in einen wahren Jubelsturm aus. Minutenlange Standing Ovations und langer frenetischer Beifall brandet durch das weite Rund und legt ein beredtes Zeugnis ab von der Zufriedenheit mit dem Gebotenen.