Text und Fotos Friedrich Klawiter
WEIHNACHTSCIRCUS AACHEN
Aachen, 29. Dezember 2025

www.weihnachtscircus-aachen.eu
Zum neunten Mal veranstaltete die „Frohes Fest Event GmbH“ von Thomas Schütte Weihnachtscircus und Aachen und bot erneut eine exzellente Show in einem feinen Rahmen.
Ein großes Rundkuppelzelt des Circus Maximum von Roman Zinnecker und ein zweimastiges Vorzelt sind auf dem Bendplatz, dem traditionellen Aachener Festplatz aufgebaut. Eine attraktive Fassade, bestehend aus vier großen mit Circusmotiven bedruckten Spannbändern und einem Eingangsportal mit dem Logo des Circus darüber, bildet einen gelungenen Blickfang. Der Tonnendach-Kassenwagen des Circus Maximum, ein weißer Zierzaun und Weihnachtsbäume komplettieren die Front.
Das Vorzelt zeigt sich edel ausgestattet. Der rote Teppich harmoniert perfekt mit der roten Plane und schwarzer Stoff am Rondell bildet einen hervorragend Kontrast. Ein „Weihnachtsbaum“ aus Lichtbändern spannt sich bis in die Kuppel über Sitzgelegenheiten und ein langer Bartresen nimmt eine Zeltseite ein. Eine Fotowand wurde als stilisiertes Lebkuchenhaus aus hunderten Ballons gestaltet und nach der Vorstellung stehen zwei „Lebkuchenmänner“ bereit mit auf den Selfies zu posen. Geschmackvolle Weihnachtsdekorationen runden die festliche Atmosphäre ab.
Schalensitzgradin und nostalgisch verzierte Logen sowie ein Artisteneingang aus rotem Samt füllen den weiten Raum des Chapiteau. Anstelle der Manege ist eine erhöhte Bühne vorhanden.
Mit einem großartiger Lichtdesign werden die auftretenden Artisten in idealer Weise unterstützt. Wie in den Vorjahren inszenierten Thomas Bruchhäuser und Sandor Donnert, der auch der technische Leiter des Circus ist, die Show, die unter dem Titel „Spektakulatius“ steht.


Das Opening gestalten die Donnert Dancers und Sängerin Tatiana Perez Kunina, während ein jeder der Artisten ein Geschenkpäckchen vom Stapel in der Manegenmitte nimmt.
Mit einem besonderen Highlight startet die Nummernfolge. Die „Skating Balkanski“ bieten in höchstem Tempo ihre, in Monte Carlo ausgezeichneten, erstklassigen Ticks auf Rollschuhen dar. Drei große Ballons, die an ihrer Plattform angebracht sind, zerplatzen unter dem Feuerschweif einer Fackel am Knöchel der Voltigeurin und lassen gewaltige Feuersäulen emporschießen. Die Geschwister beherrschen ein vielseitiges Repertoire aller Spitzentricks des Genres begeistern ihr Publikum restlos.
Genauso rasant geht es zu bei Amber Karstens und ihren „Dancing Collies“. Diese, in den Niederlanden bestens bekannte Hunderevue, besticht immer wieder durch ihr Tempo, den unbändigen Spieltrieb der Hunde, die Präzision mit der auch kleinste Zeichen der Vorführerin unmittelbar umgesetzt werden und nicht zuletzt durch den Einfallsreichtum bei den Tricks.
Ventriloge Serge Massot versucht sich mit mäßigem Erfolg gegen seine vorlaute Puppe im Disput zu behaupten und verlegt daher auf gemeinsamen Gesang. Natürlich demonstriert auch er, zusammen mit drei Besuchern, wie einfach und schnell man bauchreden erlernen kann.
Exzellente Handstandequilibristik bietet Valentino Togni Bouglione. Die vielseitigen und anspruchsvollen Handstandfiguren werden hervorragend ausgeführt und mit geschmeidigen Übergängen verbunden. Ein spektakulärer Klötzchen-Sturz markiert den Höhepunkt seines Auftritts.

Bert & Fred faszinieren mit ihren außergewöhnlichen Auftritten jedes Publikum. Die beiden sympathischen Belgier praktizieren ungewöhnliche Comedy voll skurriler Gags auf höchstem Niveau. Oder anders ausgedrückt – sie zeigen Szenen einer Ehe.
Fred(erique) kommt mit strammen Schritt auf die Bühne und hat jedes Mal ungewöhnliche Requisiten dabei. Ein großes Messer, einen 5-Kilo-Hammer und eine Treppenleiter, eine Peitsche und schließlich ein Luftgewehr. Mit unmissverständlicher Geste lässt sie die Musik augenblicklich verstummen und ein herrisches knappes „Bert“ aus ihrem Mund beordert den Partner auf die Szene. Das Messer fällt aus der Kuppel auf eine kleine Zielscheibe zwischen die Oberschenkel des liegenden Bert und der Hammer fegt, als Pendel aufgehangen, einen kleinen Apfel von seinem Kopf. Mit der Peitsche wird die Salatgurke die Bert vor seinen Körper hält mit einem Hieb durchtrennt. Zu guter Letzt muss Bert, nachdem er der Liebsten einen Herz-Ballon vermacht hat, auf ein Schlappseil steigen und schießt ihm mit dem Luftgewehr, im wahrsten Sinne des Wortes, nach und nach sechs Luftballons unter dem Ar.... weg. Nach dieser letzten Prüfung verlassen die beiden, ganz ein Herz und eine Seele, den Ort des Geschehens.
Die Akrobatik am Chinesischen Mast von Leosvel & Diosmani gehört seit vielen Jahren zu den besonders umjubelten Acts einer jeden Show. Die beiden präsentieren Körperbeherrschung und Kraft in Vollendung und nehmen mit ihrer eleganten Ausführung ein jedes Publikum augenblicklich für sich ein. Ihr einzigartiger Schlusstrick erstaunt immer wieder aufs Neue.
Nun ist es an Bert und Fred die Pause anzukündigen. Sie reicht ihm ein kleines Kästchen, das ein handgemaltes Banner mit der Aufschrift „Pause“ enthält. Es wird entfaltet und er darf es ganz alleine, die ganzen zwanzig Minuten der Pause hochhalten. In der besuchten Vorstellung hatte gegen Ende der Zeit eine junge Besucherin wohl ein wenig Mitleid und lies Bert von ihrem Popcorn kosten. Später erzählte er uns, das ihm an anderen Tagen auch schon mal Getränke und auch ein Stuhl angeboten worden waren. Einmal habe ein kleiner Junge aus Solidarität die eine Ecke des Banners genommen und gut zehn Minuten hat man dann zu zweit das Banner gehalten.

Der zweite Teil des Programms beginnt mit dem vorzüglichen Hochseil-Act der Truppe Robles. Die Vielzahl der hochkarätigen Tricks – Sprung über einen und zwei Partner, Bocksprung, doppeltes Zwei-Mann-Hoch, Dreierpyramide auf Fahrrädern, Seilspringen – mündet in eine erstklassig gearbeitete Sieben-Mann-Pyramide.
Zahlreiche Pirouetten und Abfaller bestimmen den Auftritt von Maria Terentyeva an den Strapaten, wobei ihre weiten Gewänder und sehr langen offenen Haare um sie schweben und dem Auftritt einen feenhaften Touch verleihen.
Jongleur Danil Lysenko absolviert einen formidablen Auftritt mit weißen Ringen. In einer Schiene auf einem Stativ klemmen diese in einer Reihe griffbereit fest und immer wieder fügt er Weitere in seine Muster ein. Schließlich sind es zehn Ringe die hervorragend manipuliert werden.
Kunstflug-Modellpilot Daniel Golla beherrscht seine Flieger perfekt. Seine Maschinen, von denen er viele selbst gebaut hat, vollführen milimetergenaue waghalsige Flugmanöver mit urplötzlichen Richtungswechsel. Besonders spektakulär wirken die Flüge im abgedunkelten Zelt bei denen nur der Flieger und einige zu durchkreuzende Ringe neonfarbig leuchten.
Noch einmal wird es rasant und auch laut im weiten Rund, wenn die Truppe Robles in ihrem Globe of Death agiert. Bis zu fünf Maschinen, darunter auch eine Fahrerin, jagen durch die Gitterkugel. Riskante Manöver auf kreuzenden Bahnen und über den Zenit der Kugel sorgen für Nervenkitzel auf den Rängen und schließlich sind die fünf Maschinen, nur per LED Schnüre beleuchtet, im abgedunkelten Zelt im Globe unterwegs.
Sängerin Tatiana Perez Kunina erscheint als „Weihnachtsengel“, ganz in weiß und mit einem riesigen Paar Flügeln auf der Bühne und leitet das Finale ein. Alle werden noch einmal vorgestellt und frenetischer Applaus sowie lange währende Standing Ovations halten die Mitwirkenden lange in ihrer Schlussposition. Endlich wabert Nebel über den Bühnenboden und die Artisten nehmen entlang des Bühnenrandes Platz. Tatiana Perez Kunina stimmt „Stille Nacht“ an, der Jubel weicht einer ruhigen festlichen Stimmung – doch ehe diese rührselig-sentimental zu werden droht erscheint Bert, mit einem kleinen Flügelpaar ausgestattet und schwebt engelsgleich durch den Raum.
Der Aachener Weihnachtscircus begeisterte erneut mit einer extrem starken und hervorragend in Szene gesetzten Show. Das moderne Konzept, die elegante Ausstattung und hochkarätige Besetzung wecken bereits heute die Vorfreude auf die nächste Ausgabe.