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Text und Fotos Friedrich Klawiter
Trierer Weihnachtscircus
Trier, 20. Dezember 2008

www.weihnachtscircus-trier.de
Zum vierten Mal haben Rosita und Joachim Sperlich mit ihrem Circus Romanza den Weihnachtscircus in Trier veranstaltet. Großzügig wurde im Messepark direkt an der Mosel aufgebaut. Lichterketten über dem Chapiteau, am Frontzaun und vor der Kasse strahlen in der Dunkelheit, doch die große, mit Weihnachtsmotiven bemalte Fassade wird nur von einem Baustrahler erhellt. Das geräumige Vorzelt ist weihnachtlich dekoriert und mit einigen Verkaufsbuden bestückt. Diese weihnachtliche Stimmung findet im Chapiteau leider keine Fortsetzung, da auf jedwede Dekoration verzichtet wurde.

Die Rücklehnen der Gradinreihen, Logen, Piste und auch der hohe Aufbau des Artisteneingangs sind mit orangefarbenen marmorierten Plastiktafeln belegt und sorgen unter der blauen Kuppel für eine eigentümlich kühle, nüchterne Atmosphäre. Schwierig gestaltet sich der Einsatz der bescheiden dimensionierten Lichtanlage. All zu sehr dominiert rotes Licht und fast durchgängig in der Show ist die Beleuchtung zu dunkel, zu diffus und indifferent. Das Programm, zusammengestellt aus Nummern der Familie Quaiser und solcher internationaler Artisten, folgt, wie auch schon andernorts angemerkt, einer eigentümlichen Regie, die die stärkeren Auftritte in den ersten Teil platziert.

Insgesamt dreimal sind die acht jungen Chinesinnen der Chongqing Troupe zu sehen. Nachdem sie als Engelsballett den Weihnachtsmann zum Opening begleitet haben, starten sie die Nummernfolge mit ihrem stärksten Auftritt -  dem Spiel mit den Meteoren. Ihre Trickfolge entspricht der anderer Truppen, wird sicher und ansprechend vorgetragen. Als Pausennummer platziert ist ihre Arbeit am Schleuderbrett und bringt eine sehr große Anzahl verschiedener Sprünge. Die Fängerinnen stehen dazu einige Male auf Stelzen. Auf der anderen Seite offenbart sich auch sehr schnell die Schwäche dieser Nummer. Die zierlichen jungen Frauen bringen deutlich zu wenig Druck auf das Schleuderbrett, was zur Folge hat, dass die Fliegerinnen vom Herrn an der, bei jedem Sprung eingesetzten, Longe kräftig hochgezogen werden müssen. Das es sich bei dieser Truppe keinesfalls um die erste Garde chinesischer Artisten handelt, wird in der Finalnummer sehr deutlich. Die Trickstärke ihrer Diabolojonglage ist durchschnittlich, hat aber die schwächste Präsentation von allen drei Nummern. Anders als sonst bei chinesischer Truppen wirken alle drei Auftritte nicht zu Ende choreographiert. Diejenigen Artistinnen, die gerade nicht in einen Trick involviert sind, stehen mehr oder weniger gelangweilt wirkend am hinteren Manegenrand.

Aus dem Saisonprogramm von Charles Knie ist die Hula-Hoop-Nummer von Monika Sperlich bekannt. In diesem Rahmen fehlt ihr nun das Ballett, und es gelingt nicht, die große Manege zu füllen. Gleich im Anschluss dann Miss Dorothea am Trapez. Die Artistin mit der opulenten Rubensfigur, sie war in der Saison mit dem Circus Herkules unterwegs, tritt äußerst schrill gestylt in Erscheinung. Extrem geschminkt, mit riesigem Federpuschel auf dem Kopf, kokettiert sie in der Manege mit ihrem Gewicht und spielt die Ungeschickte. Auf dem Trapez zeigt sie  longengesichert ganze zwei Tricks - Waage auf dem ruhenden Requisit und Schwan in leichtem Schwung. Für eine „auf komisch verkaufte Luftnummer“ ist dieser Auftritt deutlich zu schwach, auch von einer Persiflage darf mehr an artistischer Leistung verlangt werden und auch als Reprise - als komisches Zwischenspiel -  wirkt es nicht überzeugend. Die Topnummer im diesjährigen Trierer Weihnachtscircus sind die Elefanten der Errani-Familie. Schon sehr früh, Mitte der ersten Hälfte, zeigen sie ihr Repertoire. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie die drei Dickhäuter von Elvis Errani ausschließlich mit der Stimme schnell und sicher dirigiert werden. Auch hier verfehlt der Schlusstrick, zu dem Elvis im Publikum sitzend die Elefantin Baby nur mit knappen Kommandos dirigierend über die Damen Errani schreiten lässt, seine Wirkung auf das Publikum nicht. Im zweiten Programmteil arbeitet seine Schwester Zeudi ihre publikumswirksame Antipodennummer, zu der die Trinka auf einem schweren Motorrad installiert ist.

Für die Clownerie zeichnet die Familie Quaiser verantwortlich. Ihre originelle Variante eines alkoholfreien Bienchen-Entrees enthält viele eigenständige Elemente und wird mit viel Spielfreude vorgetragen. Dagegen finden die Reprisen, die einer der beiden Auguste bringt, weniger Anklang im Publikum. Den zweiten Teil eröffnet Daliah Laurant mit ihren Hunden. Eine deutsche Dogge am langen Zügel und fünf Dalmatiner im Stil von Freiheitspferden sind die tierischen Akteure in dieser originellen Dressur. In der großen Romanzamanege kommen sie allerdings weniger zur Geltung als andernorts, auch ist die Platzierung im Programm nicht besonders glücklich gewählt. Für die beiden weiteren Dressurnummern wurden die Barum-Tiere mit Ignat Ignatov verpflichtet. Zunächst sehen wir ihn mit den sechs prächtigen Steppenkamelen. Später präsentiert er fünf braune Araber, die er vom sechsten Pferd aus vorführt. Einige Steiger und eine gut ausgeführte Kapriole am langen Zügel runden den Auftritt ab. Die einzige „echte“ Nummer in der Kuppel des Chapiteaus zeigt Alex Quaiser an den Strapaten. Einige kraftvoll ausgeführte Tricks und Flüge werden geboten, allerdings gelingt es mit diesem Auftritt nicht, den weiten Raum zu füllen. Hier wünschte man sich eine weitere, größere Darbietung in der Luft.
Im kurzen Finale versammeln sich die Mitwirkenden in der Manege, das Direktionspaar ist ebenso anwesend, und Herr Quaiser, in der Rolle des Sprechstallmeisters, stellt alle vor und verspricht ein Wiedersehen im 5. Trierer Weihnachtscircus Ende 2009.