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Text und Fotos Friedrich Klawiter
WINTER WONDER CIRCUS
Tilburg, 26. Januar 2019 

http://winterwonder-circus.nl
Zum zweiten Mal veranstaltet Impresario Kevin van Geet einen "Winter Wonder Circus" im niederländischen Tilburg. In diesem Jahr wird das Event mit dem Material des neuen niederländischen "Circus Maximum" durchgeführt.
Auf dem befestigten Gelände war ein großer und prächtiger Circus in Perfektion aufgebaut.
Die lang gestreckte Fassade funkelt im Schein unzähliger Lichter am eleganten Zierzaun, in den sich der Oberlichtwagen, mit der großen Leuchtschrift "Tickets" auf dem Dach, hervorragend einfügt. Blau und gelb sind die Hausfarben des neuen Unternehmens, die sich auf Wagen und Zeltanlagen widerspiegeln. Die lange Reihe der prachtvoll herausgeputzten, weinrot lackierten Zugmaschinen bildet einen besonderen Blickfang. Die zahlreichen Tonnendachwagen und Sattelauflieger sind entlang der Platzseiten aufgefahren. Die Stallanlagen der Pferde und Kamele nehmen den rückwärtigen Raum ein.
Im Vorzelt hat der Verkaufswagen der Circusrestauration seinen Platz und eine Fotowand bietet den idealen Hintergrund für Selfies. Roter Samt strukturiert die seitlichen Planen und großformatige Poster mit Abbildungen aus vergangenen Programmen transportieren Circusatmosphäre.
Ein Schalensitzgradin und nostalgisch verzierte Logen mit Posterstühlen stehen für die zahlreichen Besucher bereit. Ein Artisteneingang aus rotem Samt nimmt den hinteren Bereich des Zeltes ein.

Vom Haupteingang kommend erobert Marco Mariani nach ersten Späßchen mit den Besuchern die Manege. Mit einem Applaus-Wettbewerb bringt er die Besucher in Stimmung. Direktor Kevin van Geet begrüßt sein zahlreich erschienenes Publikum in charmanter Weise und ist im Verlauf der Show als eloquenter, höchst angenehmer Sprechstallmeister zu erleben.
Mit der vorzüglichen Freiheitsdressur von Marlon Zinnecker startet die Spielfolge gleich mit einem ihrer Highlights. Acht seidig glänzende, nachtschwarze Friesenhengste, mit weißen Puscheln geschmückt, traben in den roten Ring. Eine Vielzahl anspruchsvoller Lauffiguren wird exzellent ausgeführt. Der versierte Dresseur lenkt die Pferde mit sparsamen Gesten. Drei feurige Araber bieten zum Da Capo eine Anzahl hervorragend ausgeführter Steiger.
Mit zwei weiteren hervorragenden Auftritten beweist Marlon Zinnecker sein großes Können. Zunächst sind es sechs Steppenkamele, die unter seiner souveränen Peitschenführung ihr umfangreiches Können zeigen.
Im zweiten Teil der Show sehen wir ein doppeltes Groß-und-Klein. Friesenhengste und falbe Shetland-Ponys interagieren in harmonischer Weise. Immer wieder wird gekonnt mit dem Größenunterschied beider Rassen gespielt, wenn die Ponys in unterschiedlichster Form unter ihren großen Partnern passieren.
Ausgezeichnete Handstandequilibristik bringt Maria Kellner zu Gesicht. Auf zwei Handstäben erfolgen gekonnt vielfältige Handstandfiguren, die die sympathische Artistin mit fließenden Übergängen geschmeidig zu einem eleganten Ganzen verbindet.

Marco Mariani verkörpert eine sympathisch-fröhliche August-Figur, die beim Publikum bestens ankommt. Sein pointiertes variantenreiches Spiel findet großen Anklang. Zunächst schleppt er ein "Xylophon" in die Manege, doch bevor der erste Ton erklingt fällt das Teil in sich zusammen. Nach einigen vergeblichen Versuchen wird das musikalische Fach gewechselt - der August versucht sich, mit dem gleichen Misserfolg als Dirigent. Der dritte Versuch gelingt - mit Glöckchen erklingt "Sous le ciel de Paris“.
Mit einem kleinen Hund in einem Elefantenkostüm wird eine weitere, liebevoll gestaltete Szene gespielt. Im zweiten Programmteil werden rasch sechs Mitspieler gefunden und ein formidabler Boxkampf initiiert. Flott und mit viel Schwung geht es zur Sache und der Clown letztlich K.O.
Nadja Scholl arbeitet ihre bestens bekannte, spektakuläre Darbietung an den Strapaten im ersten Teil der Show. Extrem rasant schwingt sie in weiten Flügen durch die Kuppel und bietet zahlreiche verwegene Abfaller.
Später sehen wir die vielseitige Artistin mit ihrer neu einstudierten Hunde-Revue. Fünf quirlige Vierbeiner wetteifern darum ihr Können zu zeigen. Temporeich erfolgt ein umfangreiches Repertoire verschiedenster Sprünge.

Der Tilburger Jugendcircus „Pinilotta“ hat an zwei Tagen einen Gastauftritt in der Manege des „Winter Wonder Circus“. Acht Mädchen und drei Jungen im Alter von ca. zehn bis siebzehn Jahren bieten eine bunte Melange aus Gymnastik, Jonglage, Einrad fahren und Vertikalseil-Akrobatik. Die Nervosität der Akteure ist deutlich zu spüren und auch der große Trainingsaufwand, der hinter der Darbietung steckt lässt sich erahnen, so dass der Auftritt auf den Rängen - und nicht nur bei Eltern und Anverwandten der Akteure - sehr gut ankommt.

In zwei Auftritten präsentiert Stefania Gottani ihr Können. Zunächst sehen wir ihre variantenreiche Antipoden-Nummer. Mit einem großen chinesischen Schirm werden die ersten Touren absolviert. Es folgt eine große Rolle, dann sehen wir abwechslungsreiche Figuren mit bis zu fünf Basketbällen. Zum effektvollen Abschluss des Auftritts rotiert ein großes Kreuz mit Fackeln an den Enden auf den Füßen der Artistin.
Im zweiten Teil arbeitet Stefania Gottani eine elegant präsentierte Kür am Luftring, die vielerlei kraftvoll ausgeführter Tricks bietet. Unter Verzicht auf Handschlaufe und Longe schwebt die charmante Artistin hoch in der Kuppel und mit einem gekonnten Zehenhang erreicht der Auftritt seinen Höhepunkt.
Die trickstarke Jockey-Reiterei der Familie Donnert komplettiert die Spielfolge. Die hochkarätigen Tricks - mehrere Saltos neben dem Pferd, Vorwärts- und Rückwärtssalto auf dem Pferderücken und ein Salto vom ersten zum nachfolgenden Pferd - werden exzellenter Manier ausgeführt. Mit Sprüngen aller Truppenmitglieder auf das kanternde Pferd findet der Auftritt seinen temperamentvollen Abschluss.
Mit stimmungsvollem Life-Gesang - „New York“ von Frank Sinatra - leitet Clown Marco zum Finale über. Direktor Kevin van Geet stellt einen jeden noch einmal vor und verabschiedet ein überaus zufriedenes, sehr zahlreiches Publikum. Unter dem langanhaltenden frenetischen Beifall der Besucher klingt die unterhaltsame und gute Leistungen bietende, abwechslungsreiche Show aus.