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Text und Fotos Friedrich Klawiter
SAARBRÜCKER WEIHNACHTSCIRCUS
Saarbrücken, 28. Dezember 2013

www.saarbruecker-weihnachtscircus.de
Zum dritten Mal veranstaltete Stefan Frank mit seinem Circus Alberti den Saarbrücker Weihnachtscircus. Mit großem Engagement, vielen Ideen und hohem Können macht die Familie mit und um Stefan Frank ihren Weihnachtscircus zu einem sehenswerten, beste klassische Circuskunst bietenden Ereignis in der saarländischen Landeshauptstadt.
Auf dem Festplatz an den Saarterrassen war der Circus prachtvoll aufgebaut. Drei große, im mittleren ist die Kasse untergebracht, Frontwagen sind liebevoll und gekonnt mit Circusmotiven bemalt. Auf großen Spannbänder auf den Dächern erstrahlt der Name "Saarbrücker Weihnachtscircus". Die gesamte Fassade glänzt im funkelnden Schein zahlloser Lichter an Zaun und Wagen. Drei Chapiteaux stehen hintereinander aufgebaut. Sie tragen auf den Mastspitzen und der Kuppel mit zahlreichen Glühbirnen besetzte „Kronen“, die zusammen mit den Lichterketten die Magie des Circus transportieren. Tierstallungen und Freigehege, Garderobenzelt sowie die zahlreichen Wohn- und Transportwagen füllen den Platz. Der Außenbereich um die Zelte ist dick mit Rindenmulch eingestreut, so dass die Besucher den Circus auch wieder mit sauberen Schuhen verlassen können. Das vorderste und kleinste Chapiteau, im Innern stilvoll weihnachtlich geschmückt, dient als Foyer. Im zweiten Zelt ist die gemütliche und bestens sortierte Circusrestauration zu finden. In heimeligen Weihnachtsmarktbuden entlang des Rondells werden allerlei Leckereien und Erfrischungen angeboten. Ein kleines Karussell inmitten des Zeltes hilft dabei, den Kindern die Wartezeit auf den Showbeginn zu verkürzen. Durch einen roten Samtvorhang treten die Besucher vom stimmungsvoll erleuchteten Tunnel ins Chapiteau. Die weißen Logen sind mit apartem rotem und goldfarbenem Dekor versehen und mit roten, gepolsterten Klappstühlen bestückt. Das fünfreihige Gradin ist zu allergrößter Teilen mit Schalensitzen versehen. Artisteneingang und Orchesterpodium wurden,passend zum diesjährigen Programmmotto mit glitzerndem Stoff in ein Märchenschloss verwandelt. Juniorchef Martino Frank ist für die stimmige Live-Musik, die der Vorstellung ihren ganz besonderen Charme verleiht, verantwortlich.

Den Rahmen der Produktionen des Saarbrücker Weihnachtscircus bildet stets eine Geschichte, die von Sina Frank hervorragend  umgesetzt wird. In diesem Jahr war es Hans Andersons Märchen „Die Schneekönigin“. Die ganze Circusfamilie ist in den flüssig und unaufdringlich erzählten Ablauf eingebunden. Kurz zusammengefasst handelt die Story von Kai und Gerda, einem Teenagerpaar. Die Schneekönigin, eine eiskalte Schönheit, becirct Kai und entführt ihn in ihr Schloss. Gerda gibt den Geliebten nicht auf, macht sich auf die Suche und nach einigen bestandenen Abenteuern finden die beiden wieder zusammen. „Zwerg“ Ole Lokole, er verteilt die guten und schönen Träume, tritt als Erzähler in Erscheinung und im Opening sehen wir denn auch die Schneekönigin in einem großen weißen Pferdeschlitten, gelenkt von Direktor Stefan Frank, in der Manege Kai mit sich ziehend, verfolgt von Gerda. Im Verlauf der Vorstellung stellt Ole Lokole den weiteren Handlungsstrang einige Male erzählend dar und zwei-drei Mal ist auch Gerda präsent, ehe das Paar vor dem Finale wieder vereint wird.
Jongleur Gabor Csaszar sorgt mit seinem temperamentvollen Auftritt für einen schwungvollen Programmbeginn. Er startet seine Routinen mit fünf Bällen und bis zu sieben Ringen. Den größten Anteil an der Darbietung hat die Arbeit mit Keulen. Schier unzählige verschiedene Varianten die Requisiten zu handeln führt der Jongleur perfekt vor. Auch das extrem schnelle drehen der Keulen wird sicher beherrscht und mit einer effektvollen Fackeljonglage klingt die Nummer aus.

Marcel Krämer präsentiert zwei exzellente Dressurdarbietungen. Vier Esel ziehen im Bühnennebel ihre Bahnen derweil der „Ghostrider“ auf seinem Mustang in die Manege prescht. Nach einer gelungenen Levade präsentiert er zahlreiche Tricks mit dem Lasso. Unterdessen laufen die Esel weiter, scheinbar vollkommen selbständig, ihre Freiheitsfiguren. Mit Da Capo Steigern eines Ponys findet der Auftritt seinen gelungen Abschluß.
Im zweiten Programmteil präsentiert der versierte Dresseur zwei Bisons im roten Ring. Die imposanten Tiere laufen in aller Gelassenheit ihre vielfältigen Figuren. Sie verharren auf Tonneaus während ein Mustang achten um die Podeste läuft und einen Steiger ausführt. Auf dem Toneau ist auch direkter Körperkontakt des Vorführers mit einem Tier möglich. Mit der Abnahme eines Leckerli aus der Hand eines Logengastes verabschieden sich die Bisons aus der Manege.
Guiseppe Zalotti, im eleganten schwarzen Frack und sparsam geschminkt sieht er nicht wie ein typischer Clown aus, ist mit seinen Reprisen für den Frohsinn im Programm zuständig. Er versucht einen von den Zuschauern geworfenen Ball in einem Köcher zu fangen. Mit vier Kindern aus dem Publikum und Stefan Frank veranstaltet er die Reise nach Jerusalem. Ein dickes Tau reicht von der Manege bis hinter den Vorhang. Mit Hilfe des Direktors und eines Zuschauerkindes gelingt es dem Clown schließlich, die brüllende „Bestie“ - einen kleinen Hund in einem Löwenkostüm - ans Licht zu befördern.

Bei einer erstklassigen und leistungsstarken Darbietung auf der Rola-Rola erleben wir u. a. Seil springen, Balance auf einem Ball, das stapeln dreier Bänkchen auf dem Rola-Brett mit durchsteigen von zwei Ringen. Sieben Rollen und Walzen bilden auf dem hohem Piedestal einen Turm von beachtlichem Ausmaß unter dem Rola-Brett und aus dieser Höhe riskiert der Artist einen erstklassig dargebotenen Scheinsturz in den Manegensand.
Direktor Stefan Frank präsentiert vier prächtige Pinto-Schecken. Die Geschirre der Pferde sind mit LED-Schnüren beleuchtet und so wird im abgedunkelten Rund ein weiterer optischer Effekt erzielt. Unter seiner  schwungvollen Peitschenführung erfolgen die vielfältigen Lauffiguren in erstklassiger Ausführung.
Das hauseigene Ballett gestaltet in Rokokokostümen eine Szene im Palast der Schneekönigin.
Lesley Frankordi arbeitet eine Luftnummer in der Kuppel des Chapiteau. Passend zur Weihnachtszeit wurde das Requisit als Glocke gestaltet und die attraktive Trickfolge entspricht der an einem Ringtrapez. Mit einem fulminanten Nackenwirbel kehrt die Artistin zur Erde zurück.


Der tschechische Raubtierdompteur Jan Ales präsentiert zwei Löwinnen und drei Tiger in einer temperamentvoll ablaufenden Dressur. Mit einer großen Pyramide aller Tiere wird die Trickfolge eröffnet. Verschiedene Sprünge, Balkenlauf, Rollover, Teppich, Hochsitzer und einiges mehr wird souverän gezeigt. Mit rasanten Hürdensprüngen verlassen die Tiere nach einander die Gittermanege.
Ein „Piratinnen-Ballett“ leitet die Ponydressur ein. Sina Frank lässt charmant sechs Minipferdchen ihre unterschiedlich Lauffiguren vortragen und natürlich versucht Eines eine zweites Leckerli beim Appell zu bekommen.
„Die alten Kameraden“ bieten erstklassige Handstandequilibristik. Stimmig gestylt bieten die drei Herren mit der passenden Attitüde und ein wenig notwendigem Klamauk eine Reihe hochkarätiger Tricks in hervorragender Ausführung.
Finalnummer und unbestrittener Höhepunkt des Programms ist die Schleuderbrett Darbietung des Trio Csaszar. Eine ungeheuere Anzahl perfekt ausgeführter Sprünge demonstriert alle Möglichkeiten des Genres. Sämtliche Saltos - einfach oder doppelt, rückwärts und vorwärts, mit oder ohne Schraube - der Voltigeuse werden von den beiden Porteuren sicher auf Händen und Schultern zum Stand, bzw. Handstand gefangen. Auch die beiden kräftigen Herren zeigen ihre Sprungkraft und springen einen Salto vom Brett. Ein dreifacher Salto in die Arme der Porteure bildet den Schlusspunkt der beeindruckenden Darbietung.
Das Finale bringt alle Mitwirkenden noch einmal in die Manege und von Ole Lokole werden sie vorgestellt. Nicht enden wollender Applaus des begeisterten Publikums mündet in Standing Ovations und bereitwillig werden verschiedene Zugaben gegeben. Nur langsam akzeptieren die Besucher, dass die Show nun wirklich vorbei ist und treten, mehr als zufriedengestellt, den Heimweg an.