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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS R. & P. ALTHOFF
Hanau, 21. Februar 2015

In einem Gewerbegebiet am Rande der Stadt war der Circus René und Patrizia Althoff der Familie Fischer in  Bestform aufgebaut.
Ein neues hohes Chapiteau dominiert den Platz. Der große Viermaster moderner Formgebung, die Plane reicht an den Masten bis zu deren Spitzen und damit höher als die langgestreckte Kuppel, ist in den Hausfarben rot und gelb gehalten.
Die roten, großflächig in gelb mit dem Circusnamen beschriftet,  Sattelzüge des Unternehmens sind ringsum aufgefahren, Campings und Zugmaschinen ergänzen das Arrangement.
Ein mit zahlreichen Fahnen und Lichterkette geschmückter Zaun bildet zusammen mit dem Kassencontainer die Front.
Der Verkaufswagen der Circusrestauration hat seinen Platz im Innern des Chapiteau und steht den Besuchern während der gesamten Show zur Verfügung. Dekorative Logen in rot-weißem Dekor, deren Klappstühle Fellbezüge aufweisen, und ein achtreihiges Holzbankgradin bieten dem Publikum Platz. Der große Bühnenwagen weist seitliche Eingängen für die Tiere auf und wird von einem Lichterbogen gekrönt.

Direktor Michael Fischer übernimmt die Aufgaben des Manegensprechers und begrüßt sein Publikum. Ruhig und sachlich führt er in angenehmer Weise durch das Programm.
Getreu der seit vielen Jahren geübten Praxis des Hauses beginnt auch die aktuelle Spielfolge mit Pferdedressuren. Miss Anastasia, in einen klassischen englischen Reitdress gewandet, präsentiert ein lebhaftes Groß-und-Klein. In flottem Ablauf lässt die junge Frau die verschiedenen Figuren ausführen. Als Da Capo zeigt ein Shetland-Pony sein erlerntes Können.
Nachwuchs-Clownesse Shirley überbrückt einen Umbau in der Manege mit dem Versuch, eine Flasche auf einem Rundstab zu balancieren. Als der Trick endlich klappt, lässt sie den Schwindel recht flott auffliegen.
Wenig später versucht sich Clownin Madelaine darin ein Tablett mit Bechern darauf auf einem hohen Stab zu balancieren.

Mit gekonnten Evolutionen auf der rollenden Kugel findet Manolito del Sanchez beim Publikum großen Anklang, wird dieses Genre doch heute fast nicht mehr geboten. Elegant absolviert er den Slalomparcour und jongliert, auf der großen Kugel laufend, sicher mit Keulen. Über mehrere Rampen führt sein Kugellauf in die Höhe, inklusive gut verkauftem Scheinsturz, und das Publikum fiebert erwartungsvoll mit.
Als Pausennummer erleben wir seine Rola-Rola Darbietung. Zum Mambo Nr. 5 erscheint Manolito als cooler Macho im weißen Anzug und großer Sonnenbrille in der Manege. Sicher agiert er auf dem labilen Untergrund auf einem gut zwei Meter hohen Piedestal. Manolito durchsteigt Ringe und balanciert auf übereinander gestapelten Rollen und Walzen. Abschließend baut er mit Distanzklötzchen und Rolabrettern eine Turm von fünf Etagen auf seiner Rolle auf und balanciert auf diesem Gebilde im sicheren Stand.

Drei Luftnummern füllen die hohe Kuppel über der Althoff-Manege.
Am Ring präsentiert Marina eine gefälligen Auftritt. Weit schwingt das Requisit aus und Marina arbeitet flott und in guter Haltung kraftvoll ihre zahlreichen Posen. Bis in die äußerste Spitze der Kuppel lässt sie sich hinaufziehen und mit einem rasanten Wirbel beendet Marina ihren Auftritt.
Madelaine bietet in ansprechender Aufmachung eine beachtliche Trickfolge am Mond. Charmant verkauft die Nachwuchsartistin ihre vielseitigen Posen unter der Kuppel.
Im zweiten Programmteil sehen wir Kevin mit einer starken Leistung am Stand-Trapez. Eine Vielzahl von kraftvollen Haltetricks sind mit fließenden Übergängen gekonnt verbunden und werden in schneller Folge ausgeführt.

Anastasia und Madelaine stellen die Ziegendressur des Hauses in charmanter Weise vor. Zu schwungvoller alpenländischer Blasmusik und stilsicher gestaltet, die Mädchen tragen geschmackvolle „Dirndl“, laufen die Tricks der fünf Ziegen routiniert ab.
Das furiose Clownentree sieht „Jan und Paul“ seit Jahren in rasanter Action - Kult pur. Michael und Manolito Fischer fechten wie eh und je ihren Kampf mit den Tücken einer Hängematte aus. Mit trockenem Humor folgen die Gags rasch aufeinander.

Eloquent bewirbt Direktor Michael Fischer die Pausentierschau und so gut wie Niemand im Gradin versäumt es, die zahlreichen Huf- und Raubtiere des Circus zu besuchen.
Der Zentralkäfig ist errichtet und der zweite Teil des Programms startet mit den beiden Raubtiernummern des Hauses.
Zunächst präsentiert Michael Fischer sieben Tiger.  Balkenlauf, Sprünge, Tigerbar, Hochsitzer - die Palette gängiger Tricks läuft routiniert ab. Selbstverständlich darf auch ein Scheinangriff nicht fehlen.
Anschließend erleben wir die vier großen, kastrierten mähnenlosen Löwenmännern in der Gittermanege. In unkonventionellem Vorführstil pflegt Direktor Fischer sehr oft den direkten Kontakt mit seinen Tieren. Beim hohen aufrichten am Platz gegen den Zentralkäfig, dieser neigt sich unter dem Gewicht der Tiere, reichen die Löwen mit ihren Köpfen fast bis an den oberen Rand. Mehrere Male füttert Fischer die Raubkatzen mit Fleischstücken, die unmittelbar vor seiner Hand von einem Holzstab abgenommen werden.

Die Voltige-Reiterei der „Romanoff Truppe“ wird schwungvoll vorgetragen. Der Nachwuchs des Hauses Fischer überzeugt mit Können und Geschick auf dem Rücken eines recht flott galoppierenden schweren Kaltblüters.
So, wie das Programm des Circus René und Patrizia traditionell mit Pferdevorführungen beginnt, wird es in gleicher Weise abgeschlossen. Direktor Michael Fischer bringt seine dekorativen vier „Südtiroler Berg-Haflinger“ in die Manege. Temperamentvoll zeigen die Pferde in fehlerfreiem Ablauf ihr vielseitiges Repertoire an Lauffiguren. Da der letzte Haflinger partout die Manege nicht verlassen „will“ und Runde auf Runde weiterläuft, muss der Abschleppdienst in Gestalt eines Ziegenbockes eingreifen.
Ein Finale im eigentlichen Sinne wird in diesem Circus nicht praktiziert. Michael Fischer verabschiedet sich mit wohlgesetzten Worten, die in ähnlicher Form früher im Circus von Louis Knie zu hören waren, von seinem Publikum.
Zufrieden und mit erfüllten Erwartungen verlassen die Besucher diese Stätte circensischen Vergnügens, die mit einem unterhaltsamen - wo werden den Zuschauern heutzutage noch zwei Raubtierdressuren in einer Show geboten? - klassischen Programm aufwartet.