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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS RENZ-BERLIN
Lichtenvoorde, 28. September 2013

www.circus-renz-berlin.de
In Lichtenvoorde, einer niederländischen Kleinstadt, war der Circus Renz-Berlin von Bernhard Renz zu Gast. Eine große Wiese nahe einem Wohngebiet, die von hohen Platanen eingerahmt wird, stand dem Circus zur Verfügung.
Weithin leuchtet das einheitlich in den Farben gelb und hellblau gehaltene, umfangreiche Material des  Circus in der strahlenden Herbstsonne. Das große, hohe Viermasten-Chapiteau zeigt ein quer verlaufendes Streifendesign und bildet das Zentrum des Circus. Vom runden Vorzelt wurde angesichts des warmen Sommerwetters nur das Dach aufgebaut. Ein großer Oberlicht-Schindelwagen beherbergt die Kasse und wird von einem farblich passenden Stakettzaun flankiert. Illuminationen an Zaun, Kasse, Lichterketten am Chapiteau und große beleuchtete Schriftzüge auf dem Chapiteau und am Kassenwagen sorgen für eine romantische Stimmung in der Dunkelheit.
Die zahlreichen Transportfahrzeuge, allesamt im einheitlichen Farbschema und mit dem Namenszug des Unternehmens versehen, sind in langen Reihen rings ums Zelt aufgestellt. Die zahlreichen MAN, Mercedes und Scania Zugmaschinen sind dekorativ hochglänzend lackiert und mit zahlreichen chromblitzenden Anbauteilen versehen. Auf einer weitläufigen Wiese direkt neben dem Circusplatz sind große Koppeln abgesteckt, die den Pferden, der großen Kamelkarawane und den beiden indischen Elefanten des Circus viel Freiraum gewähren. Die zahlreichen Wohnwagen der Artisten, Tierlehrer und Musiker sowie die Unterkünfte der Mitarbeiter nehmen den restlichen Raum ein.
Das Innere des Chapiteau wird vom großen Artisteneingang aus rotem Samt dominiert, über dem der beleuchtete Namenszug des Circus leuchtet. Rechts daneben hat das Podium, auf dem das vierköpfige Orchester bereits während des Einlasses seinen erstklassigen Sound ertönen lässt, seinen Platz. Die neue, mit modernen Leuchtelementen ausgestattete Lichtanlage fällt sogleich ins Auge. Ihr virtuoser Einsatz unterstützt die auftretenden Artisten in idealer Weise.
Außer den mit gepolsterten Stühlen ausgestatteten Logen steht für die zahlreichen Besucher ein neunreihiges, teilweise mit Schalensitzen bestücktes, Gradin zur Verfügung.

Mit dem Circus Renz Galopp gibt das Orchester das Startsignal für die Show. Schon während des Einlasses steht ein Kleiderständer mit einem Kostüm und ein kleiner Tisch mit Schminkutensilien in der Manege. Nun kommt Sergej Trechin in Livree in die Manege, zieht die weite Hose, den Frack und die großen Schuhe an. Er schminkt sich, setzt Perücke und Kappe auf - wird in Windeseile zu Clown Sergej. Nun nehmen die Artisten zu einer kurzen Parade Aufstellung und Manegensprecherin Sarina Renz begrüßt das erwartungsfrohe Publikum in bestem niederländisch. Sie führt im weiteren Verlauf der Show in sehr angenehmer Weise durch das Programm und versorgt das Publikum mit den notwendigen Informationen.
Enrico Frank eröffnet den bunten Reigen im roten Ring mit einer Pferdefreiheit. Vier prächtige Friesen, die mit üppigen weiß-blauen Puscheln geschmückt sind, zeigen unter seiner gekonnten Peitschenführung ihr Repertoire. Vielfältige Figuren werden sicher abgelaufen und mit einem Da Capo Steiger endet die Darbietung.
Wenig später präsentiert Enrico Frank vier Steppenkamele in einer variantenreichen Laufarbeit. Ruhig und gelassen paradieren die dekorative Schabracken tragenden Wüstenschiffe im roten Ring. In einem weiteren Auftritt bringt Enrico Frank einen temperamentvollen Pintoschecken in einer Einzelfreiheit zu Gesicht. Im gekonnten Spansichen Tritt umrundet der Hengst die Manege.
Madelaine Renz ist die jüngste Artistin in der Renz-Berlin Manege. Mit zwei rasanten Darbietungen erobert die Elfjährige die Herzen der Zuschauer im Sturm. Zunächst zeigt sie ihr Können als versierte Kunstreiterin auf einem in hohem Tempo galoppierenden Doppelpony. Zahlreiche Tricks der Voltige- und Jockeyreiterei folgen in raschem Wechsel aufeinander. Die zweite Nummer arbeitet die junge Artistin in der hohen Kuppel des Chapiteau. Am Ringtrapez wird eine umfassende Trickfolge zunächst am ruhenden Requisit dargeboten, während der zweite Teil des Auftritts weite, raumgreifende Flüge über der Manege zeigt. Erstaunlich kraftvoll wirkt der Auftritt des zierlichen kleinen Mädchens, dass als einzige Sicherheitsvorkehrung eine dicke Matte in der Manegenmitte platziert hat. Der Auftritt wird ausdrücklich als Debüt einer noch im Training befindlichen Nachwuchsartistin angekündigt, steht allerdings in Trickstärke und Ausführung mit denjenigen vieler „fertiger“ Artistinnen auf einer Stufe.

Die Clowns überzeugen mit ihrem Charme. Svetlana Trechina, stets eine elegante Erscheinung in der Manege, spielt eine würdige, feine Babuschka und Ehemann Sergej ist der verschmitzte, mitunter ein wenig tölpelhafte „Iwanuschka“. Um die Eroberung des einzigen Stuhles rankt sich eine Szene. Mit Finten, Finessen und kleinen Gemeinheiten wird diese Auseinandersetzung bestritten. Die bekannte Restaurantszene sieht das Paar mit Weinflasche, Spaghettis und Torte agieren. Die Reise nach Jerusalem hätte ein wenig agiler mitspielende Kinder verdient, als es in der besuchten Vorstellung der Fall war. Kostümkamel - Sergej - und ein ebensolcher Strauß - Svetlana - sind die „Reittiere“ des Paares in einem weiteren Auftritt. Abschließend versucht sich Clown Sergej als Fakier. Über einem großen Topf zerschlägt er eine Flasche, entledigt sich sodann seiner Schuhe und steigt barfuß auf die Scherben. Der Ausgang des Experiments birgt allerdings eine Überraschung.
Laila Virginia Renz präsentiert im ersten Programmteil eine temperamentvolle Hula Hoop Darbietung. Im Schwarzlicht absolviert die versierte Artistin routiniert die verschiedenen Tricks und reißt mit ihrem Charme und der in hohem Tempo gearbeiteten Kür das Publikum mit.
Im zweiten Teil bietet die junge Frau kraftvolle Luftakrobatik am Netz. Die modern gestaltete Nummer überzeugt mit einer umfassenden Trickfolge. In rascher Folge folgen die verschiedenen Elemente aufeinander und die Halteposen werden sicher ausgeführt.

Svetlana Trechina ist seit vielen Jahren mit ihren exzellenten Antipoden-Spielen eine herausragende Erscheinung in den großen Manegen Europas. Große Eleganz gepaart  mit enormer Ausstrahlung kennzeichnen diesen Auftritt und mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit, ohne den geringsten Fehler, jongliert die erfahrene Artistin die verschiedenen Requisiten auf ihren Füssen.
Den Höhepunkt des Programms bietet Direktor Bernhard Renz mit seinen beiden mächtigen indischen Elefanten. Schwungvoll präsentieren die Dickhäuter ihr Repertoire mit der charmanten Madelaine Renz als Figurantin. Laufarbeit, Pyramiden und Hochsitzer werden von den Rüsseltieren flott und flüssig ausgeführt und Tricks auf den Tonneaus ergänzen den tiergerechten Auftritt.
Das Finale im Circus Renz-Berlin ist stimmungsvoll gestaltet. Die Mitwirkenden versammeln sich samt den Elefanten in der Manege und unter den Klängen der „Berliner Luft“ wird ein Feuerwerk gezündet. Das zufriedene Publikum dankt mit lebhaftem Applaus für das Gebotene und allmählich klingt die Vorstellung aus. Direktor Renz verharrt mit den beiden Dickhäutern vorn unmittelbar an der Piste und die Besucher haben Gelegenheit mit den Tieren in direkten Kontakt zu treten. Sehr viele Zuschauer bleiben noch lange im Chapiteau. Immer wieder berühren sie fasziniert die runzelige Elefantenhaut, beobachten aus allernächster Nähe die ruhig und gelassen dastehenden Elefanten und genießen die unmittelbare Nähe zu den mächtigen gepflegten Tieren.
Der Circus Renz-Berlin bietet gute traditionelle Circusunterhaltung in gepflegtem Rahmen und erfüllt jederzeit die Erwartungen des Publikums, wie den begeisterten Reaktion zu entnehmen ist.