Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS PROBST
Neuwied, 26. Februar 2010

www.circus-probst.de
Der Schnee war erst wenige Tagen getaut und der Festplatz noch weich und tief, als der Circus Probst seine Zelte in Neuwied aufschlug. Die bekannten gelb-roten Zeltanlagen leuchten weithin. Die dekorative Front ist hell erleuchtet.  Während die Material- und Wohnwagen wie stets in weiß-rot mit gelben Dächern und blauem Schriftzug daherkommen, ist ein Tiertransporter nun komplett weiß gehalten. Die Seiten sind komplett mit Folien, sie zeigen eine übergroße Abbildung von Stefanie Probst mit einem Araber sowie ein blau-goldenes Dekor.
Das Vorzelt wurde nun im Innern mit großen Spannbändern dekoriert, die Bilder der hauseigenen Artisten zeigen.

Das aktuelle Programm wurde gegenüber dem Vorjahr im artistischen Bereich komplett erneuert. Auch bei den hauseigenen Darbietungen sind Veränderungen zu vermelden. So startet die Spielfolge nun, nach der kurzen Begrüssung durch Reinhard Probst, mit einer ungarischen Post von Stefanie Probst und Sergui Musanu. Angekündigt als Stefanie und Sergui Probst, reiten die beiden zunächst einige Figuren auf je einem Paar Friesen stehend. Dann wechselt der junge Mann in die Manegenmitte und dirigiert die 'Post' seiner Partnerin. Vier Pferde, deren Leinen die Reiterin aufnahm, laufen schließlich vor dem Gespann der Stehendreiterin.
Mit zwei Freiheitsdressuren sehen wir die Junior-Chefin im weiteren Programmverlauf. Im ersten Teil präsentiert sie die bekannte Kombination von vier Friesen und vier Arabern. Wirkt die Vorführerin im bodenlangen goldfarbenen Abendkleid ein wenig fremd, will die  vom Orchester intonierte Charlestonmusik so gar nicht zu dieser Dressurnummer passen. Breiten Raum nimmt diese Vorführung einer umfangreichen Folge an Lauffiguren ein.
Zum Finale folgt die Vorführung von nun noch fünf Arabern, die seinerzeit von Uwe Schwichtenberg dressiert wurden. Diese Pferdepräsentation leitet die Dresseurin mit einer kurzen 'Hohen Schule' ein.
Die Reihe der Tierdressuren komplettiert der große artenreiche Exotenzug, da Dieter Dittmann' s Tigerdressur nach dessen Unfall weiterhin pausiert, den Reinhard Probst als Pausennummer bringt. Auch diese variantenreiche Dressurfolge wurde von Uwe Schwichtenberg initiiert.

Die Clownerie und Komik im Programm des Circus Probst liegen weiterhin in den bewährten Händen von Sonja Probst und 'Jim Bim' alias Sergui Musanu.
Mit drei Reprisen unterhält Sonja Probst die Besucher. Zunächst versucht sie sich im Zusammenspiel mit 'Jim Bim' als Kunstschützin. Sie dirigiert das klatschen der Zuschauer im Walzertakt und serviert abschließend 'Sahnetorten'.
'Jim Bim' hat seine Darbietung seinerzeit von Don Martinez gekauft und agiert nun versiert in bekannter Manier auf Trampolin und Sprungturm.

Der artistische Teil des Programms wird vollständig von einem Ensemble des kubanischen Staatscircus - Circuba - gestaltet. Fünf Mal sind sie in der Manege zu erleben und sie verstehen es in jeder Disziplin zu unterhalten und überzeugen.
Einziger Soloartist ist der Jongleur Daikel. Sicher und routiniert präsentiert er seine facettenreiche Darbietung. Den Routinen mit bis zu fünf Keulen folgen sieben Ringe. Kleine beleuchtete Bälle werden nur im Schein einiger kleiner bunter Spots jongliert und sorgen so für einen zusätzlichen optischen Reiz. Abschließend folgen bis zu fünf Tischtennisbälle, die in der bekannten Manier jongliert werden.
'Los Aless' nennen sie die drei Ensemblemitglieder, die mit Handvoltigen den zweiten Programmteil beginnen. Ihre ansprechende Arbeit leidet, wie weite Teile des Programms unter einer wenig glücklichen Musikauswahl, die den auftretenden Artisten keine Unterstützung bietet. Rimski Korsakov's 'Hummelflug' stellt keinerlei Bezug zum Tun der drei Artisten her.
In ihrem ersten Auftritt sorgen sie zu acht mit Seil springen für einen fröhlich schwungvollen Beginn. Rasanter Ablauf, starke originelle Tricks, phantasievolle moderne Kostüme kennzeichnen die Darbietung, deren südamerikanische Lebensfreude sich nur in der Begleitmusik nicht so ganz widerspiegeln will.
Die neun Artisten der 'Los Reyes Rosales“ präsentieren eine Stangenwurf-Nummer. Eingebettet in eine schwungvolle Choreographie tanzt und springt die Truppe die Manege füllend. Trotz Sprüngen zum drei-Mann-hoch und Wechsel von Barren zu Barren steht weniger die akrobatische Höchstleistung im Vordergrund, als vielmehr der tänzerische Truppenauftritt.
Den letzten Auftritt gestaltet die komplette 'Troupe Cirkaribe' mit elf Mitwirkenden am Schleuderbrett. Ein umfangreiches Repertoire verschiedener Sprünge, allesamt longengesichert, wird geboten. Ein stangengestütztes fünf-Mann-Hoch sowie der Flug in einen Sessel schließen den Auftritt ab.

'Karneval in Rio'  - ist die treffende Bezeichnung für das aktuelle Finale bei Probst. In farbenprächtigen aufwändigen Kostümen, die Artistinnen tragen dazu herrlichen ausgefallenen Kopfputz, tanzen alle Mitwirkenden in der Manege. Nun endlich intoniert das Probst-Orchester unter Gregor Piercsinski mitreißende Sambaklänge, die das Publikum zum mitgehen animieren.
Der Circus Reinhard Probst bietet in dieser Spielzeit ein interessant zusammengestelltes Programm, dass ohne Luftnummer auskommen muss. Mit genau zwei Stunden Dauer, inklusive gut fünfundzwanzig Minuten Pause, fällt es allerdings recht knapp aus. Auch ließe sich mit wenig Veränderung in der Präsentation die Wirkung auf die Zuschauer deutlich steigern.

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