Text und Fotos Friedrich Klawiter                                                 
CIRCUS PIPO
Buggenhout, 06. Oktober 2012

Seit 1996 reisen Dennis Heppenheimer und Dolly Pauwels mit ihrem Circus Pipo, der vom kürzlich verstorbenen Gottlieb Heppenheimer gegründet wurde, durch den flämischen Teil unseres Nachbarlandes Belgien.
In Buggenhout, einer Gemeinde cirka fünfundzwanzig Kilometer von Brüssel entfernt, war der Circus auf einem Parkplatz des Sportzentrums aufgebaut. Der kleine Platz reicht für den Circus gerade aus und wird von dem großen Kassenwagen dominiert. Mit einem Lichtrack auf dem Dach und einer bemalten Front bildet er eine imposante Fassade. Ein wenig weiter seitwärts steht der Verkaufswagen platziert. Die gepflegten modernen Zugmaschinen und Transporte des Circus, cremefarben mit roter Schrift, sind dicht um das Chapiteau aufgefahren. Belgische Städte und Gemeinden erlauben keine Anker auf befestigten Flächen und so werden die Abseglungen der Zelte an den Fahrzeugen angebracht. Als Spielzelt dient ein gelb und rot gestreiftes Viermasten-Chapiteau, dass mit zahlreichen Lichterketten geschmückt ist. Ein großzügig bemessener, heller Stall steht den Tieren - vier Simmentaler Ochsen, zwei Esel, zwei Lamas und ein Pony - zur Verfügung.
Im Chapiteau empfängt die Besucher eine warme Atmosphäre. Ein eleganter großer Artisteneingang nimmt den Blick gefangen. Hohe weiß-rot lackierte Säulen strukturieren den roten Samt. Bequeme Polsterstühle stehen in den Logen für die Besucher bereit und ein fünfreihiges Gradin füllt den übrigen Raum. Eine Piste, bestückt mit LED-Scheinwerfer, ergänzt die Einrichtung. Die umfangreiche und mit modernen Moving-Heads bestückte Lichtanlage wird virtuos eingesetzt und unterstützt die Artisten in erstklassiger Weise. Ein geschickter eingesetzter Verfolger trägt ein Übriges dazu bei, das Geschehen ins rechte Licht zu rücken.

Toni Heppenheimer, zwanzigjähriger Sohn des Hauses, ist der Sprechstallmeister des Circus Pipo. Versiert führt er durch das Programm. Im Anschluß an die Begrüssung präsentiert er ein Shetlandpony in einer kurzen Freiheitsdressur, die in einem gekonnten Da Capo Steiger ihren gelungenen Höhepunkt hat.
Nun ist es an seinem Bruder die „Freiheitsdressur“einer munteren Gänseschar zu dirigieren. Unter herzhaften Geschnatter läuft das Federvieh seine Runden und Achten um zwei Zuschauerkinder herum. Der achtzehnjährige Vorführer ist in seiner Rolle als Clown Pipo der rote Faden des Programms. Obwohl noch sehr jung an Jahren, hat er bereits eine eigenständige - sympathische - Clownsfigur entwickelt und agiert konsequent und stimmig in allen Szenen. Allein und im Zusammenspiel mit dem Bruder sehen wir Pipo in einer Reihe Reprisen, so zum Beispiel mit dem Applaus-Wettbewerb und Glockenspiel. Gekonnt greift er das Thema „Magic“ der vorangegangen Nummer auf und verblüfft mit seinen „Zaubertricks“.
Einen Eimer mit Wasser, der auf der Spitze eines Besenstils ruht, balanciert Pipo auf der Kinnspitze, jedenfalls so lange bis er sich über einer Loge entleert. Mit großer Spielfreude, eigenen Ideen und Liebe zum Detail gestaltet der junge Mann seine Auftritte. So gewinnt er auch oft zu sehenden Szenen originelle Momente ab. Bei seiner Interpretation der „Popcorn-Reprise“ bezieht er z. B. den unvorhersehbaren Faktor einen sehr großen Zuschauer als Mitspieler gewählt zu haben, geschickt in sein Spiel mit ein.

Mit drei Darbietungen ist die Familie Folco im Programm vertreten. Die „Italian Magic Folco“, Vater Adriano und Tochter Cheyenne bieten rasant ablaufende Großillusionen. Die Nummer wurdestimmig im Piratenlook gestylt. Nachdem Cheyenne aus einer überdimensionalen Schatztruhe hervorgezaubert wurde, muss sie sich in der nachfolgenden „Holzkiste“ den Raum mit zahlreichen hindurchgesteckten Schwertern teilen. Schlussendlich „befreit“ sie sich aus einer, an einer Kette aus der Kuppel hernieder hängenden Fluchtkiste und erscheint alsbald im Haupteingang des Chapiteau.
Der zweite Auftritt sieht die Artistin mit einem „Tango am Vertikalseil“. Zu entsprechender Musik eröffnet sie ihren Auftritt mit einigen Tanzschritten, bevor es hoch in die Kuppel des Zeltes geht. Viele Tricks des Genres werden in dem eleganten Auftritt geboten.
Rhythmische Trommelschläge kündigen die argentinische Bola-Folklore des Duo Folco an.
Mit der typischen Attitüde und im entsprechenden Outfit werden die klassischen Abläufe des Genres geboten.

Natascha Heppenheimer, zwölfjährige Direktionstochter, lässt ihren Hund Rocky sein Können zeigen. Verschiedene Sprünge und Hochsitzer werden von dem quirligen Terrier präzise ausgeführt. Wenig später präsentiert sich Natascha als geschickte Hula Hoop Artistin. Temperamentvoll agiert das Mädchen mit den Ringen und lässt zum Abschluss der Kür mehr als zwanzig um ihren Körper rotieren.
Zu Beginn des zweiten Programmteils stellt Toni Heppenheimer ein großes Tierpotpourri vor. Zwei Esel laufen im Zusammenspiel mit zwei Lamas ihre Figuren. Ein Lama zeigt sich abschließend als furioser Springer und setzt mit viel Schwung über die Esel hinweg.
Gleich im Anschluss bieten die vier Simmentaler Ochsen in aller Ruhe und Gleichmut ihr Repertoire. Sie erlernten das Manegen-ABC einst im Schweizer Circus Medrano von Urs Strasser. Hier, in dem kleineren Chapiteau des Circus Pipo wirken die vier großen Tiere sehr mächtig und, nachdem sie mit den Vorderbeinen auf die Piste getreten sind, verlassen einige ängstliche Besucher ihre Logen.
Wenig später erleben wir Toni Heppenheimer als geschickten Diabolo-Jongleur. Virtuos beherrscht der junge Mann sein Requisit. In rasantem Tempo werden die verschiedensten Figuren ausgeführt und ein ums andere Mal fliegen die Diabolos bis hoch unter die Zeltkuppel.
Den Schlusspunkt in der Nummernfolge setzt Pipo mit seiner Tempojonglage. Sehr versiert erfolgen die Routinen mit Keulen. Fünf kleine Bälle werden in den unterschiedlichsten Formationen in der Luft gehalten, bevor abschließend bis zu acht Ringe sicher beherrscht werden.
Das anschließende kurze Finale bringt noch einmal alle Artisten in die Manege und offenbart, dass lediglich fünf Personen von Nöten waren, ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm eines Familiencircus zu gestalten.
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