Text und Fotos Friedrich Klawiter                                                 
CIRCUS Gebroers Pauwels
Puurs, 13. Oktober 2012

Im flämischen Teil Belgiens, in der Kleinstadt Puurs, zwischen Antwerpen und Brüssel gelegen, hatte der Circus Gebroers Pauwels, dahinter stehen die Brüder Marquis und Charles jun. Pauwels, auf einer großen Wiese am Ortsrand sein Zelt aufgebaut.
Der kleine, hohe Zweimaster in den Hausfarben weiß und rot ist weithin zu sehen. Ein weiß-roter, dekorativer Stakettzaun leitet die Besucher ins Chapiteau. Die Fahrzeuge sind in weiß mit roten Applikationen und Beschriftung gehalten. Für den Materialtransport kommen Sattelauflieger zum Einsatz. Hinter dem Zelt sind die Wohnwagen und Campings der Familie und der Artisten in Reihen angeordnet. Die Tiergehege des Duo Melanzias ergänzen das Arrangement.
Das Innere des, an diesem regnerischen Tag gut geheizten, Chapiteau ist äußerst liebevoll eingerichtet und bietet ein außergewöhnlich romantisches Ambiente. Ein warmer Rotton ist die vorherrschende Farbe der Einrichtung. Die Logen sind komplett in dieser Farbe gehalten und mit teils erhaben ausgeführtem Dekor in blau und gold verziert. Jede Logenfront wird mittels einer Plakette mit dem Konterfei eines berühmten Clowns längst vergangener Epochen, wir erkennen u. a. die drei Fratellinis und Boum Boum, aufgewertet. Ein sehr steiles fünfreihiges Bankgradin ergänzt die Sitzeinrichtung. Alle Geländer sind mit rotem Samt verkleidet und passen sich somit hervorragend dem großen Artisteneingang aus dem gleichen Material an. Diesen ziert üppig drapierter goldener Stoff und der dekorativ aus Leuchschlauch gefertigte Circusnamen. Das gesamte Rondell des Chapiteau ist im Wechsel mit roten und - vor jeder Stange - mit goldenen Samtvolants versehen.
Der wohlbestückte Verkaufswagen der Circusrestauration hat seinen Platz gleichfalls im Chapiteau. Ton- und Lichtanlage, die komplett mit LED-Scheinwerfern bestückt ist, zeigen sich von guter Qualität und so werden die auftretenden Künstler optimal unterstützt.

Marquis, Charles jun. und Charlie Pauwels eröffnen mit ihrem gekonnten und mitreißenden Trompetenspiel die Show. Weißclown Armando Ivanov, er trägt zu einem erlesenen weinroten und mit reichen weißen Applikationen verzierten „Sac“ einen mit Federn geschmückten Spitzhut, übernimmt die Begrüssung des „hochverehrten Publikums“. Während der ganzen Vorstellung ist er im Hintergrund der Manege präsent und unterstützt charmant die Auftretenden.
Das deutsche Duo Melenzias präsentiert in lebhaftem Spiel eine trickreiche Hunderevue. Bernhardiner, Dalmatiner, Mops, Terrier und Mischlinge werden vom komödiantisch auftretenden männlichen Teil des Duos und seiner seriös agierenden Partnerin zu ihren vielfältigen Tricks angeleitet. Ergänzt wird die quirlige Hundemeute von einem Huhn, dass auf einem elektronischen Miniklavier mit seinem Schnabel eine Melodie pickt.
Nico Dakotas tritt im Koch-Outfit vor das Publikum und zeigt seine Künste im Teller drehen. Nach den genreüblichen Turbulenzen rotieren schließlich fünfzehn Teller auf den Stäben. Einen zweiten Auftritt gestaltet Clown Nico im Zusammenspiel mit zwei Zuschauern. Nach einer Runde mit dem „Motorrad“ beginnen sie unter Anleitung des Clown einen Flirt und werden schließlich mit einander verheiratet.
Miss Ilaila sorgt mit der Präsentation ihrer Taubenrevue für poetische Momente in der Show. Charmant lässt sie ihre gefiederten Mitstreiter die verschiedensten Tricks ausführen und mit einem großen Karussell, dass bis hoch unter die Kuppel gezogen wird, findet diese Nummer ihren Höhepunkt.
Judith Pauwels begeistert mit einer gekonnten Jongelage-Darbietung das Publikum. Zusammen mit ihrem Hund  Djoukel, er lockert mit seinem Können die Nummer in spielerischer Weise auf, rockt sie das Zelt. Keulen und - beachtliche - sieben Ringe werden von der routinierten Artistin in vielfältigen Mustern schnell und fehlerfrei souverän beherrscht.

Die Brüder Marquis und Charles kommen in die Manege und fordern das Publikum zu leichten gymnastischen Übungen auf. Aus dieser munteren Interaktion entwickelt sich schnell eine flotte Kaskadeur-Nummer. Salto, Handstände, „Ohrfeigen“ und spektakulär aussehende Stürze wechseln einander in rasantem Tempo ab und lassen fundiertes akrobatisches Können erkennen.
Im weiteren Programmverlauf brilliert Charles jun. mit seinen kraftvollen Handständen auf der Stuhlpyramide. Gekonnt arbeitet er sich, die Stühle dabei auch in ungewöhnlichen Positionen stapelnd, Etage für Etage nach oben. Trickstärke und guter Verkauf machen diese Darbietung aus und lassen das Publikum begeistert mitgehen. Das gleiche gilt für einen weiteren akrobatischen Auftritt von Charles jun. auf der Rola. Ansprechende Tricks, u. a. eine Partnerjonglage mit seiner Schwester Judith, folgen in raschem Wechsel aufeinander. Durchsteigen zweier und Sprung in einen Reifen sowie die Balance auf einem Turm kleiner Bänkchen werden gleichfalls in erstklassiger Ausführung geboten.
Marquis Pauwels präsentiert die drei Ziegen des Circus. Charmant, mit clownesker Attitüde leitet er die Tiere zu ihren Tricks. Balken- und Flaschenlauf gehören neben anderem zum Repertoire und mit einem fulminanten Vorwärtssteiger findet der Auftritt seinen Höhepunkt.
Weitere stimmungsvolle Momente im Programmablauf zaubert Marquis Pauwels mit seinem gekonnten Glockenspiel ins Chapiteau.
Ilaila übernimmt im großen Clownentree den Part des Weißclown und die Gebrüder Pauwels agieren als Auguste. Der „Kunstschütze“ wird in diesem Jahr gespielt und mit viel Hallo platzen etliche Luftballons vorzeitig durch die „Ungeschicklichkeit“ der Auguste, ehe sich der Wasserinhalt des Letzten über den Kopf von Marquis ergießt.

Eine große prächtige Fakirshow bietet das Duo Melenzias. Aufwändig wird die Manege dekoriert. Künstliche Palmen mit eigener Lichtinstallation sind im Hintergrund der Manege platziert, während vorne ein großer Baum steht, auf dessen verschlungenen Ästen sich die verschiedenen Schlangen niederlassen. Mit verschiedenen Feuertricks wird die Darbietung eröffnet und den Scherbenlauf führt das Duo im Zwei-Mann-Hoch aus. Mit dem Rücken auf dem Nagelbrett liegend, lässt der männliche Part seine Partnerin zusammen mit zwei Zuschauern, die je eine Schlange um den Hals tragen, auf eine Holzplatte, die auf seinem Oberkörper liegt, steigen und ihn mit ihrem Gewicht auf die Nagelspitzen drücken.
Charlie, der zehnjährige Sohn von Charles und Ilaila Pauwels lässt vier Gänse um die Manege paradieren und Achten um zwei Zuschauerkinder laufen.
Im ist es vorbehalten den Schlusspunkt in der Programmfolge zu setzen. Souverän, mit erstklassigem Verkauf versteht es der jugendliche Artist mit seiner Diabolojonglage zu überzeugen. Viele hochkarätige Tricks und Abläufe werden sicher und fehlerfrei vorgetragen.
Das große Finale sieht Weißclown Armando im Mittelpunkt des Geschehens. Mit erstklassigem Life-Gesang umrahmt er stilvoll die Parade der Artisten. Die Brüder Pauwels verabschieden sich von ihrem Publikum und langsam klingt eine äußerst stimmungsvolle, gute Vorstellung aus. Der Circus Gebroers Pauwels bietet im intimen Rahmen sehr gute, schwungvolle circensische Unterhaltung in vielen Genres und überzeugt mit liebevoller Gestaltung.


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