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Text und Fotos Friedrich Klawiter
Christmas Circus Oberhausen

Oberhausen, 22. Dezember 2007

Zum ersten Mal veranstaltet Robby Ortmann in diesem Winter den Christmas Circus in Oberhausen. Auf einem Platz in zentraler Lage, direkt am großen Einkaufszentrum CentrO, stehen die rot-weißen Zeltanlagen von Alfredo Nock. Leider wirkt der Platz aufgrund seines Schotteruntergrunds nicht sehr einladend. Betritt man dann aber das Vorzelt wird man von einem sehr schön dekorierten, Atmosphäre schaffenden Weihnachtsmarkt mit vielen Ständen empfangen. Das Zeltinnere dagegen ist wiederum nüchtern, ohne weihnachtliche Accessoires, geraten.

Dafür ist das Programm selbst in eine weihnachtliche Geschichte verpackt. Der kleine Mario hat keine Familie und auch keine Freunde, also sitzt er am Weihnachtsabend traurig und allein auf einer Bank, wo er auf den Weihnachtsmann trifft. Gemeinsam machen sie sich auf, neue Freunde für Mario zu finden und führen nebenbei auf originelle, leider manchmal etwas langatmige Weise durchs Programm. Größter Trumpf des Programms ist aber das 12-köpfige Orchester. Unterstützt von einer ausgezeichneten Tonanlage spielt es druckvoll, versiert und auf den Punkt, so dass es eine wahre Wonne ist. Sehr professionell ist auch die Lichtregie, für die eine Attendorner Firma verantwortlich zeichnet. Einen etwas chaotischen Eindruck hinterließen dagegen die Requisiteure, die die Umbaupausen oft unnötig in die Länge zogen.


Das eigentliche Programm beginnt mit der von Charles Knie bekannten Pferdedressur von Marek Jama. Erstmals präsentiert er in Oberhausen auch die Exoten. Leider sind diese beiden Dressuren auch die einzigen Tiernummern im Programm und durch ihre Platzierung jeweils am Anfang des ersten und zweiten Teils gehen sie etwas unter. Mit einer großen Vielfalt an Nummern und durchweg guter Qualität kann der artistische Teil aufwarten. Ebenfalls bekannt aus dem Saisonprogramm von Charles Knie ist die vielseitige Schleuderbrettnummer von Evelyn und Christian Marinof, die durch die Livebegleitung noch einmal an Temperament gewinnt, und die beiden Darbietungen von Anthony Wandruschka. Zum einen seine humorvoll präsentierte und vielfältige Jonglage und zum anderen seine mit umfangreichem Trick-Repertoire ausgestattete Arbeit am Schwungtrapez.
Sehr gut beim Publikum kommt außerdem Annalisa Catena mit ihrer sehr sehenswerten Kontorsion, u.a. Mundstand, an. Etwas schwächer, vor allem unter der schwermütigen Bandmusik leidend, dagegen die Darbietung der Murzak-Truppe auf dem Russischen Barren. Publikumswirksamer ist da schon Svetlana Murzak am Schwungseil, die ihre Darbietung zur Musik von Elaine Courtney präsentiert, aber nicht ganz deren Niveau erreicht. Sensationell sind dann die sechs Zhukovs auf der doppelten Russischen Schaukel, die als Höhepunkt vor dem Finale auftreten. Publikumslieblinge sind aber die Trampo-Brohters mit humorvollen Sprüngen auf dem Trampolin. Ihnen gelingt, was Eric Boo mit seinen eher müden Reprisen nicht gelingt, sie reißen das Publikum zu wahren Lachsalven hin. Klasse!

Im schwungvollen, von weihnachtlichem Livegesang eingeleitetem Finale, ist der kleine Mario dann mit seiner neuen Familie - den Artisten des Christmas Circus Oberhausen - vereint. Obwohl das Publikum in der von uns besuchten Vorstellung nicht wirklich zahlreich erschien, war die Stimmung durchgehend ausgezeichnet - nicht zuletzt dank des Wahnsinns-Orchesters - und zum Finale des wirklich sehenswerten Programms applaudierten einige der Gäste sogar im Stehen. Wenn das, trotz kleinerer Kritikpunkte, nicht Beweis genug ist, dass Robby Ortmann und sein Team auf dem richtigen Weg sind!