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Text und Fotos Friedrich Klawiter
1. NEUWIEDER WEIHNACHTSCIRCUS
Neuwied, 17. Dezember 2016

www.neuwieder-weihnachtscircus.de
Der 1. Große Neuwieder Weihnachtscircus, das jüngste Projekt von Jakel Bossert, Direktor und Macher des Landauer Weihnachtscircus, wurde sofort zu einem circensisches Highlight zur Weihnachtszeit am Mittelrhein. Die Familie Spindler wurde mit der Durchführung dieses neuen cirensischen Kleinodes beauftragt und durch ihren riesigen Erfahrungsschatz, gepaart mit Können und Fleiß, konnten die zahlreichen Premierenbesucher erstklassigen traditionellen Circus genießen.
Einmal mehr ein Beweis für die These "so schön kann Circus sein" und so sollte es auch immer sein.
Der Weihnachtscircus präsentiert sich im hellen Glanz unzähliger Lichter auf dem Festplatz der Stadt.
Lichterketten überspannen das rot-weiß gestreifte Chapiteau und die Lichterbögen des nostalgischen Frontzaun funkeln mit ihnen um die Wette. Unzähliger Lichter lassen den seitlich angeordnete Kassencontainer und das hohe Portal zum geräumigen Foyerzelt hell erstrahlen.
Das erfrischend gestylte Logo des Circus prangt auf großen Spannbändern in der Front und über der Kuppel des Zeltes.
Der umfangreiche Fuhrpark des Unternehmens wurde in exakter Formation aufgefahren. Geräumige Ställe und Paddocks stehen für die vierbeinigen Artisten bereit und der Seelöwe planscht in seinem großen Außenpool.
Das große rot-weiße Restaurationszelt empfängt die zahlreichen Besucher mit angenehmer und heimeliger Atmosphäre. Die auf offenem Feuer grillierte Bratwurst, frisches Popcorn und Zuckerwatte verbreiten den für einen Circus typischen Duft. Festliche Weihnachtsdekoration, schöne Verkaufsstände und eine romantische Beleuchtung animieren den Besucher zum verweilen. Der Durchgangstunnel erstrahlt durch eine Reihe Kristalllüster in hellem Glanz.
Im Spielzelt setzt sich die weihnachtliche Dekoration fort. Lichterketten spannen sich zwischen den Quaderpools, weiße und rote Stoffbahnen strukturieren das Rondell, Tannengirlanden an der Orchesterempore und ein großer schön geschmückter Tannenbaum vor der Gardine komplettieren das festliche Ambiente.

Die Musiker der Circus-Combo, die die Show begleiten, nehmen ihre Plätze über dem Artisteneingang aus dunkelblauem Samt ein, die Scheinwerfer der umfangreichen Lichtanlage flammen auf und Clown Timmy Barelli gestaltet das Opening in Interaktion mit dem Publikum. Flotte Sprüche und das Glockenspiel finden allenthalben Anklang.
Eschi Spindler begrüßt in seiner oft kopierten aber nie erreichten, unnachahmlichen Art als versierter, charmanter und eloquenter Sprecher sein Publikum und führt in gleicher Weise gekonnt durchs Programm.

Die abwechslungsreiche und höchst unterhaltsame Spielfolge beginnt mit den Handvoltigen der rumänischen Truppe „Dolly Cretu“. In flottem Ablauf erfolgen die routiniert dargebotenen Tricks.
Edy Laforte tritt als charmanter Filou zunächst mit seiner Jonglage Darbietung in Erscheinung. Mit Tennisbällen werden die ersten Routinen souverän ausgeführt. Es folgen abwechslungsreiche Muster mit bis zu fünf Keulen. Sieben Ringe beherrscht der Jongleur sicher und abschließend werden zwei Tischtennisbälle in bekannter Weise mit dem Mund in der Luft gehalten.
Zu Beginn des zweiten Programmteils sehen wir den erfahrenen Tierlehrer mit seiner schwungvoll gearbeiteten Kleintier-Revue. Eine Hauskatze balanciert auf den Schultern ihrers Vorführers und stellt eindrucksvoll ihr Sprungvermögen unter Beweis. Ein halbes Dutzend Hunde unterschiedlicher Größen und Rassen ist eifrig bemüht, sein Können zu zeigen. Voller Spielfreude führen Sprünge durch diverse Reifen und über Hürden, wird auf einer Rolle gelaufen oder auf den Hinterbeinen marschiert. Ein „Vorderpfotenstand“ auf der Hand des Vorführers beschließt den vielseitigen Auftritt.

Kisanna präsentiert auf dem andalusischen Schimmelhengst „Armarando“ eine vollendete Darbietung in der „Hohen Schule“. Voller Temperament präsentieren Reiterin und Pferd zu mitreißenden Melodien ihr umfangreiches Repertoire. Den ersten Teil der Darbietung gestaltet die Amazone in Art der Vaqueros. Um eine lange Stange, deren Spitze unterschiedliche Muster in den Manegensand zeichnet werden immer wieder neue Figuren geritten. Die anschließenden Piaffen und Traversalen werden neben vielen anderen Lektionen hervorragend ausgeführt. Der glanzvolle Auftritt wird vom Publikum mit begeistertem Applaus gefeiert. Chapeau.

Hoch in der Circuskuppel erleben wir die rassige Italienerin Arabella Air. Mit Ausstrahlung und unnachahmlicher Eleganz lässt sie ihre risikoreiche Darbietung an den seidenen Tüchern zur wahren Kunst werden. Sie fasziniert das Publikum an diesem Abend durch erstklassige Leistung und wird für ihre hervorragende Präsentation mit starkem Szenenapplaus gefeiert. Wie in fast keinem Auftritt sonst manifestiert sich hier für die allermeisten Zuschauer der Traum vom fliegen.

Clown Timmy ist, nimmt man den Applaus im Finale als Gradmesser, der unbestrittene Star des Programms. Wortwitz bestimmt die Reprise in der er den Nachweis über den Besitz einer Eintrittskarte erbringen soll. Er jongliert mit drei Schirmen, die nach „misslungener“ Routine per Fußkick den Weg in eine Kiepe auf seinem Rücken finden.
Das bewährte Zusammenspiel mit seinem vierbeinigen Manegenpartner, dem mallorquinischen Grauesel „Manolito“ funktioniert auch in diesem Rahmen hervorragend. Als typischer Vertreter seiner Rasse, der seinen eigenen Kopf durch zu setzen versteht, zeigt „Manolito“ seine Tricks in einem von ihm diktierten Zeitrahmen.
"Das Musik machen ist hier verboten“ ordnet der gestrenge Sprechstallmeister an und Clown Timmy verfällt auf allerlei Finten um die Order zu unterlaufen. Die Trompete wird konfisziert und er spielt zunächst auf dem Mundstück weiter, als er auch dieses verlustig geht, folgt ein Flaschenkorken mit einem kleinen Loch in der Mitte. Auch diesen und ein Saxophon muss er abgeben woraufhin Timmy sein gesangliches Können demonstriert.

Nach einigem Geplänkel mit dem Manegensprecher darf der Clown, der stets die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat, doch noch sein musikalisches Können beweisen, was auf der Trompete bestens gelingt.
In einem weiteren Auftritt zieht sich Clown Timmy einen handelüblichen Einmal-Handschuh über den Kopf und bläst ihn mit seiner Atemluft zu einem riesigen Gebilde auf bis er schlussendlich platzt.

Im letzten Auftritt erleben wir ihn in einer seiner vielen Paraderollen mit der „Opera fulminante“. Drei freiwillige Mitspielern werden flott in ihre Rollen eingewiesen und in grandiosem Spiel strebt das fulminante Chaos seinem Kulminationspunkt zu.
Dieser Mann würde auch das Publikum des Weltweihnachtscircus zum kochen bringen.

Selbstverständlich sind auch einige der hervorragenden Dressurdarbietungen aus dem reichhaltigen Repertoire der Familie Spindler in diesem Weihnachtscircus zu erleben. „Sir John“ bringt zunächst einen Vierer-Zug prachtvoller Friesen in den roten Ring. Mit großer Souveränität lässt der erfahrene Circusmann die mit hellblauen Geschirren dekorativ herausgeputzten edlen Hengste in einer abwechslungsreichen Arbeit ihre Figuren vortragen. Andalusierhengst „Zorro“ paradiert im „Spanischen Tritt“ entlang der Piste und zeigt u.a. das Pferde lachen können. Einer der Höhepunkte des Auftritts ist das tiefe durchstecken des Kopfes zwischen den Vorderbeinen, auch formidable Steiger gehörenzum Repertoire dieses Ausnahme-Hengstes.

Mit zwei hervorragenden Auftritten ist das „Duo Vital-X“ im Programm vertreten. Zunächst sind die beiden Artisten mit einer modern verpackten Kraftjonglage zu erleben. Schwere Gewichte werden von Vitali schwungvoll gehandhabt. Sein Oberkörper ruht auf einem Nagelbrett, während seine Partnerin Carmen einen schweren Vorschlaghammer auf eine Metallplatte auf seiner Brust hernieder schmettert. Mit einem, nur mit der blanken Handfläche durch ein etwa drei Zentimeter starkes Brett getriebenen Nagel wird ein Luftballon zum zerplatzen gebracht. Große Hanteln wirbeln beide Artisten temporeich um ihre Körper und Vitali lässt die senkrecht gehaltene Hantel von einer zur anderen Hand fliegen. Abschließend ruht die Hantel auf dem Drehgelenk eines Helms auf dem Kopf des Artisten und wird in schnelle Rotation versetzt.
Im zweiten, außergewöhnlichen Auftritt kombiniert das Duo Elemente der Hand-auf-Hand Artistik mit Bogenschießen. Beide Artisten zeigen sich hierbei als treffsichere Schützen. So trifft Carmen Ballons, die Vitali mit dem Mund, bzw. über seinen Kopf hält. Auch eine kleine Zielfläsche vor seinem Körper wird perfekt getroffen. Vitali findet bei seinem Schuss mit verbundenen Augen nur mittels klingeln mit einem Glöckchen den Weg ins Ziel. Die letzten Aktionen erfolgen im Zwei-Mann-Hoch, wobei auch der abschließende freie Stand auf dem Kopf des Untermannes kein Problem für die Treffsicherheit bedeutet.

Einen weiteren der zahlreichen Höhepunkte des Programms bieten Gary Jahn und Conchi Munoz mit ihrem prachtvollen Seelöwen „Andrew“. Der mächtige Bulle beherrscht ein enorm breites Repertoire gängiger Tricks wie z.B. Ringe fangen und Bälle balancieren. Akrobatisch gut ausgebildet sind „Fossenstände“ eine seiner Paradedisziplinen. Darüber hinaus zeigt sich „Andrew“ schauspielerisch begabt und es nie so ganz klar, wer hier wen vorführt. Er „schämt“ sich, gibt fette feuchte Küsse und fordert Applaus. Interessant zu beobachten sind die Reaktionen der Besucher der Pausentierschau, wenn ihnen „Andrew“ auf die Anweisung „touch“, seine Schnauze in die hingehaltene Hand drückt.
Die Finaldarbietung ist der Truppe „Dolly Cretu“ vorbehalten. Der traditionell gestylte Act am Schleuderbrett beinhaltet eine Reihe attraktiver Tricks. Sprünge zum Spagat und zum Stand auf einen „Russischen Barren“ werden gekonnt ausgeführt. Stangengestützte Sprünge zum Vier-Mann-Hoch und ebenso in den Handstand - wobei eine Position in der Fängerkette unbesetzt bleibt - bilden die Höhepunkte des Auftritts.

Im umfangreich gestalteten Finale werden die Mitwirkenden vom restlos zufriedengestellten Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert. Standing Ovations und nicht enden wollende „Zugabe“-Rufe sind der beste Beleg für die Faszination, die dieses erstklassige und amüsante Programm auf die Besucher ausübt. Trotz der - für heutige Verhältnisse - langen Show-Dauer von zwei Stunden und fünfundvierzig Minuten verharren alle Besucher bis zum allerletzten Augenblick gebannt auf ihren Plätzen. Eschi Spindler dankt für den Besuch und verabschiedet das Publikum und mit einem letzten Trompetensolo, „My Way“, von Clown Timmy klingt die sehenswerte Show aus.