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Text und Fotos Friedrich Klawiter
2. NAGOLDER WEIHNACHTSCIRCUS
"So schön kann Circus sein"

Nagold, 18. Dezember 2015

www.weihnachtscircus-nagold.de
Die zweite Ausgabe des Nagolder Weihnachtscircus war eines der Juwelen unter der Vielzahl der von uns besuchten Veranstaltungen. Die Familie Spindler zeigte wieder einmal, wie man mit Erfahrung, Können und Fleiß  erstklassigen traditionellen Circus auch mit einfachen Mitteln produzieren kann. Einmal mehr zeigte sich eindrücklich "so schön kann Circus sein".
Zur Premiere präsentiert sich der Circus im hellen Glanz unzähliger Lichter. Das rot-weiß gestreifte Chapiteau wird von Lichterketten überspannt, Lichterbögen am romantischen Stakettzaun und auch der seitlich angeordnete Kassencontainer und das hohe prächtige Portal zum geräumigen Foyerzelt funkeln im Glanz der Lichter. Der umfangreiche Fuhrpark steht in exakter Formation aufgefahren. Geräumige Ställe und Paddocks stehen für die vierbeinigen Artisten bereit.
Das großes schneeweiße Restaurationszelt, mit großen Fenstern, prägt die Front des Circust. Roter Teppichboden und Stoff bespannte Seitenwände sowie großformatige Fotos und Spannbänder geben dem Gastrobereich ein angenehmes Ambiente. Die auf offenem Feuer grillierte Bratwurst sorgt zusammen mit Popcorn und Zuckerwatte für den Circus typischen Duft. Weitere Weihnachtsdekoration, neue Verkaufsstände und eine stimmige Beleuchtung annimieren den Besucher zum verweilen. Auch der Durchgangstunnel zum Chapiteau ist festlich gestaltet.
Hier findet die weihnachtlich stimmungsvolle Dekoration ihre Fortsetzung. Lichterketten spannen sich zwischen den Quaderpools und rote und weiße Stoffbahnen schmücken das Rondell. Die Logen sind gleichfalls elegant herausgeputzt und ein großes Gradin nimmt den weiteren Raum ein.
Mittig vor dem breiten Artisteneingang aus dunkelblauem Samt steht ein großer Weihnachtsbaum. Auf der Empore haben die Musiker der Circus-Band ihren Platz.

Clown Timmy gestaltet das Opening des vollkommen neuen, starken Programms in bewährter Weise. Als Hausmeister vom Abendregisseur zu mehr Arbeitseifer angetrieben, träumt er von einer großen Artistenkarriere. Flugs probiert er den Stallmeisterfrack, der an einem Ständer in der Manege hängt, an und schminkt sich - Clown Timmy ist bereit und die Show beginnt.
Eschi Spindler begrüßt in seiner oft kopierten, unerreichten, unnachahmlichen Art sein Publikum und führt in gleicher Weise als eloquenter Sprecher durchs Programm.
Die Programmfolge beginnt mit Sylvia Cramer und ihrer Hula Hoop Darbietung. In vielfältiger Weise lässt die junge Frau die Ringe um ihren Körper kreisen. Darüber hinaus erfolgen einige Jonglageroutinen mit den Ringen.
In einer groß angelegten orientalischen Phantasie bringt Salima die Kamelkarawane des Circus in die Manege. Vier Tänzerinnen in stilvollen Kostümen geben dem Auftritt den passenden Rahmen. Gekonnt und mit unnachahmlicher Grazie lässt die vielseitige Artistin die unterschiedlichen Figuren ablaufen.
Im weiteren Verlauf der Show sehen wir Kisanna auf dem andalusischen Schimmelhengst „Armarando“ eine vollendete „Hohe Schule“ reiten. Temperamentvoll präsentieren Reiterin und Pferd zu mitreißenden Melodien ihr umfangreiches Repertoire im spanischen Stil. Nach den ersten Touren, zu denen die Amazone in Art der Vaqueros eine lange Stange mitführt, erfolgen Traversalen und Piaffen in hervorragender Ausführung.

Clown Timmy ist, gemessen am Applaus im Finale, eindeutig der Star des Programms. Zunächst jongliert er mit drei Schirmen, die nach „misslungener“ Routine per Fußkick den Weg in eine Kiepe auf seinem Rücken finden. Wortwitz bestimmt die Reprise, in der er den „Herrn Direktor“ zu sprechen verlangt. Nach einem weiteren Geplänkel mit dem Chef des Hauses stellt Timmy sein musikalisches Können unter Beweis. Mit Saxophon und Trompete unterhält er bestens und reißt das Publikums mit.
„Feuershow“ kündigt der Clown seinen Zuschauern an und erzeugt mittels einer Sprühdose hohe Flammensäulen. Immer größere Feuerwerkskörper zünden krachend in seiner Hand. Zum Höhepunkt des Auftritts zieht sich Timmy einen handelsüblichen Einmal-Handschuh über den Kopf und bläst ihn mit seiner Nase zu einem riesigen Gebilde auf, bis der Ballon schlussendlich platzt.

Im letzten Auftritt erleben wir ihn in einer seiner vielen Paraderollen mit der „Opera fulminante“. Drei freiwillige Mitspielern werden flott in ihre Rollen eingewiesen und in grandiosem Spiel strebt das fulminante Chaos seinem Kulminationspunkt zu. Die zahlreichen Zuschauer reißt es förmlich von den Sitzen und begeistert verfolgen sie das Geschehen im roten Ring, überschütten die Akteure mit Beifallsstürmen.
Eine weitere hervorragende Dressurdarbietung aus dem reichhaltigen Repertoire der Familie Spindler bringt „Sir John“ im Rahmen dieses Weihnachtscircus zu Gesicht. Edle weiße Araberhengste zeigen unter der souveränen Peitschenführung des erfahrenen Circusmannes ihr umfangreiches Können. Die abwechslungsreichen Lauffiguren der prächtig aufgeschirrten Hengste erfolgen flüssig leicht und münden in hervorragend ausgeführte Da Capo Steiger.


Miss Angel glänzt mit einer ausgefeilten Kür am Trapez. Hoch unter der Kuppel werden die attraktiven Tricks sicher ausgeführt. Nach einigen Tricks am ruhenden Trapez nimmt die Nummer Fahrt auf und im vollen Schwung werden viele Abfaller und Balancen longengesichert geboten. Die heutzutage nur noch selten zu sehende kraftvolle Arbeit am Trapez beinhaltet selbstverständlich auch den Zehenhang im Schwung, sowie das gleiten in den Fersenhang.
Ludovik Janichek begeistert mit einer erstklassigen Klischnigg-Darbietung. Er versteht es meisterlich seine Extremitäten variantenreich in die unglaublichsten Positionen zu bringen. Doch damit nicht genug, werden etliche Posen im Handstand ausgeführt. Effektvoll durchsteigt der junge Mann einen Tennisschläger. Abschließend faltet er sich in einen Plexiglaskubus von wenig mehr als fünfzig Zentimetern Kantenlänge zusammen.
Tennisjongleur Kevin Stipka präsentiert seinen rasanten Auftritt vor der Pause. Zunächst lässt er ein Racket raffiniert auf den Devilsticks tanzen. Die anschließenden Routinen mit drei, vier und fünf Tennisschlägern erfolgen in hohem Tempo und absolut sicher werden die vielfältigen Muster ausgeführt.

Jarda Ross bringt mit seinen Groß-Illusionen eine gehörige Portion Glamour in die Show. Gekonnt werden die verschiedenen Illusionen zur großen Verblüffung des Publikums vorgetragen und mit Feuereffekten die Publikumswirksamkeit nochmals gesteigert.

Den finalen Act gestaltet das Duo Peris und brilliert mit seiner Rollschuhartistik. Sie sorgen noch einmal für mächtig Schwung. Viele attraktive Tricks des Genres werden in erstklassiger Weise gearbeitet und das Publikum geht begeistert mit.
Im umfangreich gestalteten Finale werden die Mitwirkenden vom restlos zufrieden gestellten Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert. Eschi Spindler dankt für den Besuch und verabschiedet die Besucher, die allesamt bis zum allerletzten Moment auf ihren Plätzen ausharren. Clown Timmy muss nicht wieder den Hausmeisterkittel tragen - er bleibt der Clown - und mit einem letzten Trompetensolo, „My Way“, klingt die sehenswerte Show aus.