Text  und Fotos Friedrich Klawiter
MOSKAUER CIRCUS
Engelskirchen, 20. August 2011

www.moskauer-circus.de/
Im verträumten Aggertal, im Bergischen Land, besuchten wir den Circus von Nando Frank in Engelskirchen. Die zahlreichen pinkfarbenen Plakate mit gelber Schrift verheißen unübersehbar das Gastspiel des „Moskauer Circus“.  Auf einer, wie so häufig in diesem verregneten Sommer, durchweichten Wiese ist der blau-gelb gestreifte Viermaster errichtet.
In meterhoher Leuchtschrift prangt noch der Namenszug „Pajazzo“ über der Kuppel. Einige Elemente eines modernen metallenen Frontzaunes sind vor dem Chapiteau angeordnet. Die weißen Sattelauflieger des Circus komplettieren die Szenerie. Der hintere Teil des Platzes wird von der Raubtieranlage von Carmen Zander beherrscht. Es sind die einzigen Tiere, da der Circus von Nando Frank schon seit Jahren keine Menagerie mehr mitführt.
Im Chapiteau, dessen Kuppel von Sturmstangen ausgeformt wird, befindet sich ein vierreihiges Holzbankgradin. Die Logenstühle sind um die Piste in zwei Reihen aufgestellt, auf Boxen wird verzichtet. Ein dekorativer Artisteneingang aus rotem Samt nimmt den hinteren Zeltteil ein.


Vier junge Damen in stilisierten russischen Kostümen leiten mit einer Ballettszene die Nummernfolge ein. Direktor Nando Frank übernimmt den Part des Manegensprechers und begrüßt die Anwesenden. In angenehmer und versierter Weise versteht er es, die Artisten anzukündigen und ins rechte Licht zu setzen.
Temperamentvoll präsentiert Katja Sazonova ihr Können mit den Hula Hoops. Es handelt sich um eine ansprechende Kür, die sich die junge Artistin erarbeitet hat und mit jugendlich frischem Charme vorträgt.
Duo Nicolai - unter diesem Künstlernamen arbeitet Gino Frank, seine Frau Leyla Mak assistiert, auf der Rola. Sicher und gekonnt werden Ringe durchstiegen und auf der Rola nacheinander vier Skateboards gestapelt um obenauf die Balance zu halten. Auf einer Drehscheibe türmt Gino Frank Walze und Rolle unter seinem Rolabrett und vollführt eine dreihundertsechzig Grad Drehung.
Die Clowns Oleg und Bolek, Sandro und Mano Frank, sind zunächst bemüht, sich gegenseitig im Seil springen zu überbieten. In einer zweiten Reprise zeichnet Oleg mit Hilfe zweier Zuschauer ein Bild einer Rose.
Die zwölfjährige Chanel überzeugt als „Frau im Mond“. Die jugendliche Artistin führt mit Geschick und Mut die Tricks und Posen ihrer umfangreichen Kür unter der Kuppel aus.
Djarita tanzt als „Human Slinky“ in der Manege auf. Zunächst findet sie beim Publikum durchaus Anklang, allein der Auftritt währt deutlich zu lange.

Einen Höhepunkt im ersten Programmteil bildet die Partnerakrobatik von Shalina und Sascha. Die beiden jungen Artisten verstehen es ausgezeichnet, sich und ihr Können zu präsentieren. Die Handstände des dreizehnjährigen Sascha werden kraftvoll und sicher ausgeführt und lange gehalten. Zusätzlichen Drive erhält die Darbietung da seine sechszehnjährige Manegenpartnerin als „Untermann“ fungiert.
Alexandra Sazonova, Zwillingsschwester von Katja, brilliert mit ihrer von Barelli her bekannten Kür am Luftring. Kraftvoll werden in weiten Flügen vielfältige Tricks elegant ausgeführt.
Die Westernshow der „Los Mexicanos“ sorgt vor der Pause für mächtig Wirbel und den nötigen Nervenkitzel. Sicher und gekonnt platziert Gino Frank seine Messer neben Schwester und Schwägerin. Dazwischen demonstriert er immer wieder seine Geschicklichkeit mit verschiedenen Lassos. „Mexikanische Todessterne“ und mächtige Wurfbeile sind weitere Requisiten, die sicher ihr Ziel neben den beiden Damen finden.

Den zweiten Programmteil eröffnet Carmen Zander mit ihrer erstklassigen Tigerdressur. Hier erleben wir sie nun im dritten Circus innerhalb weniger Monate. In diesem Chapiteau sind die Distanzen etwas geringer, ist das Publikum dichter am Geschehen und kann den Vorgängen in der Manege direkter folgen. Die bestens bekannte Trickfolge - viele verschiedene Sprünge, Hochsitzer, Pyramide, Teppich, Ritt auf einem Tiger, Steiger und Schmuseszene - wird in gewohnt souveräner Manier publikumswirksam präsentiert.
„Die Königin der Luft unter der Circuskuppel“ - so die Ankündigung für die Ukrainerin Leyla Mak am Vertikalseil. Viele Posen und Pirouetten demonstriert die junge Frau kraftvoll hoch unter der Kuppel. Es ist eine schöne klassische Arbeit an einem Requisit, wie man sie heutzutage leider nur noch selten geboten bekommt, da alle Welt Tücherdarbietungen einstudiert.
Auf einem hohen Piedestal produziert sich Sascha in einer klassisch gestalteten Handstanddarbietung. Viele verschiedene Handstandformen, Waagen und Einarmer werden in einer gut choreographierten Kür gearbeitet. Der zierliche Dreizehnjährige verfügt bereits über große Kraftreserven, die Evolutionen werden ruhig und ohne Unsicherheiten ausgeführt und die Zeit die er an einem Stück nur auf den Händen verbringt ist beachtlich.

„Mister Aladin“ - Sandro Frank - spielt mit dem Feuer. Er nimmt die brennenden Fackeln in den Mund und fährt mit den Flammen über seine Arme. Selbstverständlich versteht er sich auch darauf meterhohe Flammen zu speien.
Ihre bekannt erstklassige trickstarke Darbietung auf dem Hochseil präsentiert die Truppe Tashkenbaev nun über der Manege des Moskauer Circus von Nando Frank. Überspringen der Partnerin, einradfahren und Spagat sind nur einige der attraktiven Tricks. Immer wieder faszinierend wenn Ruslan die schwere Balancierstange ganz am Ende nur mit einer Hand hält und im rechten Winkel zum Seil stehend ausbalanciert. Ein besonderes Highlight stellt stets die Überquerung des Seils im Drei-Mann-Hoch dar.
Im Finale stellt Direktor Nando Frank noch einmal alle Mitwirkenden vor. Diese nehmen den lebhaften wohlverdienten Applaus entgegen und so klingt diese abwechslungsreiche, unterhaltsame Show aus. 

 
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