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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE MEDRANO
Metz, 11. September 2015


www.cirque-medrano.fr
Der „Cirque Medrano“, eine der bis zu fünf Circus-Einheiten die die S.A.R.L Arena Production in Frankreich auf Tournee gehen lässt, gastierte zum Ende des Sommers auch in diesem Jahr wieder im Elsass und in Lothringen. Wir besuchten den Circus in Metz; dort gastieren die großen Unternehmen stets auf einem Parkplatz des „Centre Exposition“.
Ein großer Circus mit umfangreichem Material strahlt hell mit frischen Farben im warmen abendlichen Sonnenlicht des Spätsommertages. Ein leuchtendes pink und kräftiges gelb sind die Hausfarben, die sich auf dem gesamten Material widerspiegeln. Das große Vier-Masten-Chapiteau zeigt die Farben in einem spiralförmigen Design, während dreimastiges Vorzelt und Vordach und Ställe ein Streifendekor aufweisen.
Der seit vielen Jahren bestens bekannte Kassenwagen, mit Leuchtschrift und Fahnen dekoriert, bildet zusammen mit einem neuen Edelstahlzaun die Front. Zahlreiche Lichterketten am Chapiteau und an der Front sorgen für einen romantischen Anblick in der Dunkelheit.
Der umfangreiche Fuhrpark ist komplett in pink lackiert und die Fahrerkabinen der Zugmaschinen weisen großflächige gelbe Absetzungen auf.
Die umfangreiche Menagerie des Circus wurde großzügig aufgebaut. Den sechs Tigern steht außer ihrem großen Käfigwagen ein geräumiges Freigehege zur Verfügung. Für die drei asiatischen Elefanten, Kamele, Dromedare, Lamas, Zebras, Esel und Ponys sind rings um die an die Transportwagen angebauten Ställe weitläufige Paddocks errichtet und die Papageien der Familie Ramos sonnen sich in ihrer Voliere.
Das Vorzelt wird vom großen, aufwändig gestalteten Verkaufswagen der Circusrestauration beherrscht. Eine Anzahl Biertischgarnituren steht als Sitzgelegenheiten bereit.
Der Zugang ins Chapiteau erfolgt durch zwei seitliche, ebenerdige Eingänge. Ein modernes elfreihiges Klappsitz-Gradin füllt den weiten Raum. Zwei Reihen gepolsterter Logenstühle ergänzen das Sitzplatzangebot. An der grün-gelb gestreiften Gardine des Artisteneingangs leuchtet der aus LED-schnüren geformte Namenszug „Medrano“. Die voluminöse Lichtanlage zeigt sich in ihrer Ausstattung auf der Höhe der Zeit und wird virtuos eingesetzt. Die musikalische Begleitung der Show erfolgt, wie stets bei den Arena-Produktionen aus der Konserve.

Die aktuelle Produktion steht unter dem Motto „King Kong -  La Legende de la Jungle“ und ist im ersten Programmteil als durchgängig inszeniertes Manegenschauspiel konzipiert. Unter der Regie von Tony Tonito wurde ein harmonischer Ablauf mit erstklassig integrierten Darbietungen geschaffen, der stringent das Thema der Show transportiert.
Sängerin, Sänger und TänzerInnen sind omnipräsent und haben großen Anteil an der gelungenen Umsetzung des Konzeptes.
Die beiden Auguste der Tony Tonito Clowns erobern als „verspätete Besucher“ die vollbesetzten Ränge, bis sie vom Weißclown, seit dieser Saison teilen sich Tony Tonitos fünfzehnjähriger Sohn und ein Neffe des Clowns diesen Part, in die Manege beordert werden. Wuchtige Trommelschläge rufen Ballett und Sänger auf den Plan und natürlich darf bei allen Auftritten ein tanzender Akrobat in einem Affenkostüm nicht fehlen.
Das rasant ablaufende Opening findet im Zentralkäfig statt, der gleich im Anschluss von drei weißen Tigern und drei Golden Tabbies eingenommen wird. Sarah Houcke präsentiert die in der Optik ausgefallene Dressurnummer, die viele der heutzutage üblichen Tricks beinhaltet, mit gewohnter Souveränität. Ein fulminanter Hinterbeinläufer und ein dekorativer Hochsitzer auf der Spiegelkugel sind Höhepunkt und Abschluss der Darbietung.
Wenig später erleben wir die versierte Tierlehrerin mit dem großen Exotenzug des Hauses. Dieser beginnt mit einer Pony-Kavalkade, die alsbald von fünf Eseln abgelöst wird. Drei berittene Kamele und zwei Dromedare agieren im Zusammenspiel mit Lamas und unterschiedliche Rinderrassen dürfen in keinem Exotentableau fehlen. Zwei Zebroide setzen über die abliegenden Kamele hinweg und ein Lama springt  über die an der Piste stehenden Rinder nachdem zwei Zebras ihre Touren absolviert haben.

Die „Elastic Brothers“ - Hassan und Ali - beeindrucken mit ihrem Kontorsions-Act. Anscheinend ohne Anstrengung biegen sie ihre Körper in extreme Positionen und bringen eine beachtliche Auswahl an Tricks zu Gesicht.
Der Auftritt der Clowns im ersten Programmteil rankt sich um ein Trampolin. Tony Tonito überzeugt mit gekonnter Akrobatik auf dem elastischen Tuch und rasanten Kaskaden am Sprungturm. Weißclown und Konteraugust unterstützen das turbulente Treiben, das mit zahlreichen Gags und feiner Komik beim Publikum bestens ankommt.
„Tarzan und Jane“ - nein sie schwingen nicht an einer Liane - bieten einen romantisch in Szene gesetzten Auftritt an den Strapaten. Mit weiten Flügen füllen sie die Kuppel. Partnertricks wechseln mit kraftvoll ausgeführten Soli, zu zum Beispiel einer Reihe rasanter einarmiger Aufschwünge von „Tarzan“.
Vor der Pause folgt der Motto gebende Höhepunkt der Show. Das Ballett tanzt zu dramatisch werdenden Musik und die Nebelmaschinen kommen verstärkt zum Einsatz.
Als die solcher Art die Spannung genügend gesteigert ist, erscheint „King Kong“ auf der Szene. Direkt vor der Gardine wird die riesige, animierte Figur in Stellung gebracht. Sie lässt sich per Luftdruck hoch aufrichten, wobei die Werbeaussage - Gigant von 8 Metern Höhe - sich als nicht übertrieben herausstellt. Das Monster kann seine Arme bewegen und verfügt auch über etwas Mimik. Nach einiger Interaktion mit dem Ballett und dem emporheben von „Jane“ mündet die Szene in fleißiges rühren der Werbetrommel für ein gemeinsames Foto mit dem „Dschungelgiganten“.

Der zweite Programmteil, er läuft in klassischer Weise als Nummernprogramm ab, beginnt mit dem Quick Change von Jenny und Lanzerot Ramos. In bekannter Manier erfolgen die zahlreichen Kleiderwechsel in Windeseile. Abschließend wird ein Zuschauer in den Ablauf eingebunden und trotz schwerer Fesselung mit Handschellen und langer Kette gelingt es dem Magier in wenigen Augenblicken in die Jacke des Mitspielers zu schlüpfen. Im ersten Programmteil bietet Lanzerot Ramos eine der derzeit offenbar sehr populären Laser-Shows.
Tochter Jessica ist mit einer Papageien-Revue im Programm vertreten. Fünf Aras und ein Kakadu nehmen ihre Plätze auf den Sitzstangen ein. Sie hissen eine Flagge, fahren Roller und Rollschuhe, schieben einen Einkaufswagen und lenken ein Auto. Die Flüge über das voll besetzte Gradin begeistern auch in dieser Show das Publikum in besonderer Weise.

Die Elefanten des Cirque Medrano zeigen unter der Anleitung von Sarah Houcke ihr Können. Mit zwei Figuranten beritten und im Zusammenspiel mit zwei Ponys werden die tiergerechten Abläufe flott vorgetragen. Abliegen und Hochsitzer wechseln sich mit Laufarbeit ab und mit einer Pyramide verabschieden sich die Dickhäuter aus dem roten Ring.
Das große Clowns-Entrée wird auch hier, wie oftmals in französischen Circussen als finale Nummer geboten. Tony Tonito und seine beiden Mitstreiter versuchen sich als Messerwerfer. Mit allerlei Klamauk wird, zur Gaudi der Zuschauer, dem „freiwilligen Opfer“ vorgegaukelt dass die Messer tatsächlich auf das Brett geworfen werden.
Im opulenten Finale kommen Sänger und Ballett zu einem weiteren großen Auftritt in der Show. Nach einer ausgelassenen Choreographie verteilen die Artisten Luftballons ins Publikum und Tony Tonito übernimmt die Vorstellung der Mitwirkenden. Nach einem Konfettiregen verabschieden sich alle Artisten fröhlich winkend aus der Manege.
Mit der aktuellen Produktion findet der im Vorjahr erstmals bei Medrano gepflegte Stil eines szenisch gestalteten Programmteils seine gelungene Weiterführung. Beim Publikum kam die unterhaltsame Melange aus Show, Tierdressuren, Artistik und klassischer Clownerie bestens an, wie am langanhaltenden frenetischen Beifall unschwer zu erkennen war.