optimiert



Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE MEDRANO - King Kong-
Straßburg, 22. Oktober 2016

www.cirque-medrano.fr
Der „Cirque Medrano“, ein Unternehmen der „SARL Arena Production“ von Raoul Gibault, lässt seit wenigen Tagen wieder einmal die "King Kong"- Einheit durch Frankreich touren. Nur sieben Wochen nach der „Aladin - Einheit“ gastierte somit der Cirque Medrano erneut in Straßburg und gibt an sechs Tagen achtzehn Vorstellungen.
Nur wenige hundert Meter vom Europäischen Parlament entfernt war der Circus am Expo-Gelände der Stadt aufgebaut.
Ein großer, sehr dekorativ gestalteter Fassadenwagen mit integrierten Kassenschaltern transportiert mit seiner, in hervorragender Ausführung mit Clownsfiguren, Elefanten, Tiger, Freiheitspferd und Löwe bemalten Front den romantischen Charme des Circus. Lichterketten säumen die Fassade und lassen sie in der Dunkelheit funkeln.
Ein weißes Chapiteau dessen Plane bis zu den Mastspitzen hochgezogen ist, bildet das Zentrum des Circus. Lichterketten an den Abseglungen und Leuchtelemente mit Farbwechsel über der langgestreckten Kuppel unterstützen die festliche Atmosphäre.
Mittig vor dem Zelt wurde der große und edel eingerichtete Verkaufswagen der Restauration platziert. Unter einem angebauten Zeltdach sind einige Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Die pinkfarbenen Transportfahrzeuge, Zugmaschinen, Mannschaftsquartiere und Wohnwagen der Artisten stehen in langen Reihen hinter dem Zelt.
Zwei Ställe bieten in geräumigen Gehegen den Pferden, Kamelen und Lamas Unterkunft und die Löwen und Tiger sind in einem großen Käfigwagen mit einem strukturierten Außengehege untergebracht.
Im Chapiteau stehen ein siebenreihiges Schalensitzgradin und drei Reihen gepolsterter Stühle in den Logen für die zahlreichen Besucher zur Verfügung. Logen, sämtliche Geländer und der untere Teil der Masten sind mit rotem Samt verkleidet und verleihen dem Interieur einen eleganten Touch.
An der grün-gelb gestreiften Gardine des Artisteneingangs leuchtet der aus LED-Schnüren geformte Namenszug „Medrano“.

Mit einer ersten Reprise wärmt Clown Chicharinne zusammen mit seinem Sohn das Publikum an und sorgt für einen fließenden Beginn des Programms. Mit einem mannshohen „Fotoapparat“ werden einzelne Zuschauer „abgelichtet“ und das überraschende Ergebnis auf riesigen Ausdrucken sogleich präsentiert.
Das stimmige Opening der Show gestaltet das hauseigene Ballett der „African Dancers“ zusammen mit Sängerin Ashura und Sänger Vasmo.
Celia Berthier-Caroli, aus der berühmten Caroli Reiter Familie und Enkelin von Weißclown Francesco Caroli, ist die elegante „Madame Loyal“ dieser Show. Charmant und eloquent begrüßt sie ihr Publikum und präsentiert im weiteren Verlauf des Programms gekonnt und sehr sympathisch die Artisten, unterstützt diese in idealer Weise in ihrem Auftritt.
Die Spielfolge beginnt mit der schwungvoll vorgetragenen Hunde-Revue des Duo Varadis. Sieben Hunde verschiedener Rassen beweisen Sprungvermögen, laufen auf einer Rolle und zeigen schauspielerisches Talent. Eifrig und temperamentvoll zeigen sie ihr Können.
Zwei Mal erleben wir Sandrine Le Bris mit Dressurgruppen im roten Ring. Zunächst dirigiert sie den Exotenzug des Hauses durch den Manegensand. Sechs Dromedare zeigen die gängigen Lauffiguren und liegen schließlich in der Manegenmitte ab, während von Lamas ihre Runden absolvieren und dabei eine hohe Hürde überwinden.
Zu Beginn des zweiten Programmteils präsentiert Sandrine Le Bris drei Löwinnen und zwei Tiger im Zentralkäfig. Mit einer Pyramide aller Tiere nimmt die ansprechende Trickfolge ihren Beginn. Balkenlauf, Sprünge über eine Feuerbarriere, Teppich und Hochsitzer sind weitere Elemente der ruhig und souverän gearbeiteten Darbietung.
Die Reihe der Tierdarbietungen komplettiert Celia Berthier-Caroli mit der Präsentation der Freiheitspferde. Sechs Friesenhengste laufen im zweiten Programmteil unter ihrer souveränen Peitschenführung ihre Figuren. Ruhig und gekonnt leitet die versierte Vorführerin, die die Gruppe erst vor wenigen Tagen übernommen hat, den schwungvollen Ablauf und mit einem prächtigen Da Capo Steiger findet der Auftritt seinen gelungenen Abschluss.

Clown Chicharinne ist mit zwei weiteren Reprisen im ersten Programmteil vertreten. Zunächst erobert er mit drei großen Stofftieren im Arm die Manege und lässt eines von ihnen, zur großen Verwunderung der kleinen Besucher, umherlaufen nachdem es mit einem großen Schlüssel aufgezogen wurde. Im zweiten Auftritt soll er zusammen mit dem Sohn die Manege reinigen. Der riesige Ansaugstutzen des eingesetzten Staubsaugers saugt sich plötzlich am Gesicht des jungen Mannes fest, so dass es nach der Befreiung völlig „deformiert“ zum Vorschein kommt.
Mit weiteren Reprisen ist der polnische Komiker Tomasz Kolosko zu erleben. Mit seinem sehr pointierten und individuellen Spiel und skurrilen Ideen bietet er höchst unterhaltsame Szenen. Musikalisch geht es bei seinem originellen Glockenspiel zu, bei dem die Glöckchen in ausgefallener Weise am Körper angebracht werden. Ein widerspenstiges, auseinanderfallendes Fahrrad wird flugs gegen ein winziges Minifahrrad und ein ebensolches Einrad eingetauscht. Auch die bestens bekannte Szene am Messerbrett gewinnt dank seiner Ideen an Frische und Ausstrahlung.

Im artistischen Teil zeigt zunächst ein chinesischer Diaboljongleur sein Können. Variantenreichen Routinen werden temporeich ausgeführt und die Touren mit zwei beleuchteten Diabolos im abgedunkelten Zelt markieren den Höhepunkt seiner Arbeit.
„Mr Yoga“ nennt sich ein sehr junger farbiger Klischnigger. Mit faszinierender Leichtigkeit präsentiert er selbst anspruchsvollste Abläufe und bringt seine Gliedmaßen in extreme Stellungen. Das sehr umfangreiche Repertoire seiner Bewegungsabläufe und Posen wird in sehr sympathischer Weise präsentiert.
Ein weiterer dunkelhäutiger Artist bietet mit bis zu sieben auf Stäben rotierenden großen Metallschüsseln die typische Trickfolge afrikanischer Folklore-Truppen.
Vor der Pause folgt der Motto gebende Höhepunkt der Show. Mit einem umfangreichen Auftritt von Ballett und Sängern erscheint, nach Spannung steigerndem Einsatz der Nebelmaschinen, „King Kong“ im weiten Rund. Direkt vor der Gardine wird die riesige animierte Figur in Stellung gebracht. Per Luftdruck lässt sie sich hoch aufrichten, wobei sie eine Höhe von etwa Metern erreicht und die Gardine bei Weitem überragt. Das Monster kann die Arme bewegen und verfügt auch über etwas Mimik

Direkt vor der Gardine wird die riesige, animierte Figur in Stellung gebracht. Sie lässt sich per Luftdruck hoch aufrichten, wobei die Werbeaussage - Gigant von 8 Metern Höhe - sich als nicht übertrieben herausstellt. Das Monster kann seine Arme bewegen und verfügt auch über etwas Mimik.
Tempojongleur Pedro Potigo aus Chile absolviert den ersten Teil seines Auftritts mit Keulen. Sicher und variantenreich erfolgen die vielseitigen Routinen und einem Wirbelwind gleich fegt der Jongleur durch die Manege. Die nächsten Muster werden mit Ringen ausgeführt, von denen in der Spitze acht gehandhabt werden. Die Stimmung erreicht den Höhepunkt, wenn der sympathische Künstler abschließend mit südamerikanischem Temperament Sombreros durch das Zelt fliegen lässt.
Said Chales und Kibou arbeiten eine leistungsstarke Hand-auf-Hand Darbietung. Viele hochkarätige und anspruchsvolle Tricks reihen sich routiniert aneinander. Beindruckender Höhepunkt der Trickfolge ist der Kopfstand auf der hochgestreckten Hand des Porteurs.
Evita Ronzalli ist mit ihrer Hula Hoop Darbietung von der Aladin-Einheit des Cirque Medrano nun zu dieser Show gewechselt. Zu einigen Tricks wird die Artistin an einer Handschlaufe, während die Ringe um ihren Körper kreisen, hoch in die Kuppel gezogen und so bekommt die Darbietung ihr unverwechselbares Flair.
Das  fröhlich inszenierte Finale bietet Ballett und Sängern noch einmal Gelegenheit zu einem größeren Auftritt und „Madame Loyal“ stellt die Mitwirkenden noch einmal vor.
Die Produktion „King Kong“ vereint gute und interessante Nummern hierzulande noch wenig bekannter Artisten mit stimmig gestalteten Showblöcken zu einem gelungenen unterhaltsamen Ganzen. Bei den Besuchern kam die Show bestens, wie den lebhaften Beifallsbekundungen zu entnehmen war.