Text  und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS LIVIU -
der Circus mit der starken weiblichen Komponente
Dresden, 16. Juli 2011

www.circus-liviu.com
Auf einem schönen Rasenplatz unmittelbar neben einem stadtbekannten Einkaufscenter  war der neue Circus Liviu in Dresden attraktiv aufgebaut. Dekorative Fassadenwagen, moderne Kasse, rot-weiß lackierter Nostalgiezaun und romantische Lichterbögen glänzen und strahlen im sommerlichen Licht. 
Ein langestrecktes blau-weißes Pagoden-Zeltdach im italienischen Stil überspannt luftig und frei nostalgisch gestaltete Popcorn- und Verkaufsstände. Ein Biergarten mit Wurstbraterei (hervorragende Thüringer, vom Autor selbst getestet) vervollständigen den großzügigen Eingangsbereich.
Langgestreckte Stallungen mit großzügigen Boxen stehen für die zahlreichen Pferde und Exoten des neuen Circus Liviu, unter der Direktion des rumänischen Gastronomen Liviu Dica, zur Verfügung. Der Herr Direktor lässt es sich nicht nehmen, sein Publikum zum Einlass mit Live-Gesang zu musikalischer Begleitung auf dem K-Board zu empfangen.
Das blaue Chapiteau mit schneeweißer Kuppel bietet Platz für ca. eintausendachthundert Gäste. Im Innern des roten, mit weißen Sternen verzierten Chapiteau erwartet die Besucher ein fünfzehnreihiges rotes Gradin. Eine große, hoch bis an Zeltdach reichende rote Plane mit gelben Ornamenten verziert, bildet den Artisteneingang.


Sechs junge Damen und eine kleine Circusprinzessin geben diesem Programm eine schwungvoll feminine Note. Für den tierischen Teil gelang es Direktor Dica, einen Teil der erstklassigen Tierdressuren des zur Zeit pausierenden Circus Barelli für seine große Deutschlandtournee zu engagieren.
Steppenkamele und Dromedare eröffnen mit einer orientalischen Phantasie die gut besuchte Abendvorstellung. Lauffiguren unterschiedlicher Abfolgen bestimmen diesen Auftritt. Höhepunkt der Darbietung ist das überspringen zweier abliegender Kamele durch einen prachtvollen Friesen.

In einem weiteren eindrucksvollen Dressurakt zeigt Tierlehrer Francesco einen Sechser-Zug weißer Araber. Ruhig und versiert lässt der Vorführer die Abläufe in einwandfreier Manier vortragen. Abwechslungsreiche Figuren werden von den Hengsten in den Manegensand gezeichnet und mit einem Gruppensteiger aller Pferde findet die Vorführung ihren Höhepunkt. Beeindruckend sind die vielfältigen und hervorragend ausgeführten Da Capo-Steiger dieser Darbietung. Allein und paarweise präsentieren die Hengste harmonisch und in perfekter Ausführung ihre Steiger.

Clown Zippo wurde von Direktor Dica in Rumänien engagiert, um so dem Anliegen des Circus, den deutsch-rumänischen Kulturaustausch zu fördern, gerecht zu werden.
Zippo ist das verbindende Element zwischen den einzelnen Darbietungen. So spielt er u. a. gemeinsam mit dem Publikum mit einem Luftballon, springt mit zwei Kindern Seil und lässt vier Herren auf vier Stühlen Platz nehmen.
Es folgt der erste Auftritt einer starken Frau. Aus Frankreich kommt Mademoiselle Jaqueline, die mit Pariser Charme und Eleganz, mit ihrer Kür am Ringtrapez die Kuppel des Chapiteau mit Leben erfüllt. Ihr breites Spektrum enthält alle gängigen Tricks des Genres.
Musikalische Qualität, Wortwitz und Situationskomik zeichnet das große Clownentree des Trio Romano aus. Lustig geht es weiter mit der quirligen Hundemeute der Österreicherin  Beatrice. Ihre sechs verspielten Pudel beherrschen vom Kinderwagen schieben bis zu den mannigfaltigsten Sprüngen alles, was eine gute Hundedressur ausmacht.

Einer der Höhepunkte dieser neuen prägnanten Show ist erreicht, wenn die beiden hübschen jungen Frauen Sydney und Ramona ihre ausgezeichnete Hohe Schule im spanischen Stil reiten. Schwungvolle Lektionen, rassige Hengste, wilde Mähnen vereinigen sich zu einer wundervollen Melange von Pferd und Reiter.
Luftnummern sind neben den Tierdarbietungen eine prägende Komponente dieses Programmes. Erotik, Kraft und Können vereinigen sich zu einem unvergleichlichen Dreiklang wenn Ramona ihr Können am Vertikalseil zeigt. Von Poesie hingegen zeugt die geschmeidige Kür der jungen Sydney an den Strapatentüchern. Raumgreifende Flüge wechseln sich mit riskanten Abfallern ab.

Mit großer Nonchanlance präsentiert John Henry acht pechschwarze Friesen. Klassisch, mit weiß-silbrig glänzenden Puscheln, gezäumt erfolgen routiniert die Abläufe. Gekonnt wird die schwungvolle Darbietung vom Vorführer geleitet. Als Da Capo-Pferd folgt ein prachtvoller schwarzer Andalusier. Zu dessen großem Repertoire gehören u. a. Spanischer Schritt, Steiger und das vielbeachtete durchdrücken des Kopfes zwischen beiden Vorderhufen bis zum Boden.
I
n vollkommener Ernsthaftigkeit und für eine fünfjährige bemerkenswert geschickt, präsentiert eine kleine Circusprinzessin ihr Schaukelpony.

Desiree Köllner demonstriert charmant die uralte Kunst des Seil laufens. Verschiedene Schrittfolgen wechseln sich mit effektvollen Sprüngen ab, so z. B. durch einen Reifen und über eine Hürde. Besonderen Anklang findet ihre Keulenjonglage auf dem Seil.
Miss Tina hat sich Hula Hoop als Genre erwählt. Mit viel Pepp und Perfektion beherrscht die junge Frau ihre Requisiten. In vielerlei Mustern und Varianten wirbeln die Reifen um ihren Körper. Bemerkenswert die extrem große Anzahl der abschließend gefangenen Reifen, die sie scheinbar ohne Mühe recht lange um die Hüften kreisen lässt.


Das stimmungsvolle Lied „Ja, wir sind Artisten“ von Freddy Quinn leitet das Finale ein. Lange werden die Mitwirkenden vom frenetischen Beifall des Publikums in der Manege gehalten. Direktor Liviu Dica dankt seinem Publikum, alle Künstler werden noch einmal vorgestellt und nehmen einzeln ihren wohlverdienten Applaus entgegen.
Als Zugabe erfolgt in einem fröhlichen bunten Bild eine kollektive Jonglage mit verschiedenfarbenen Ringen und dann klingt das bunte Spiel langsam aus.
Wie verschiedene Äußerungen erkennen lassen, wurden die Erwartungen, die Besucher an ein internationales Circusprogramm haben, in erstklassiger Weise vollkommen erfüllt.
Wünschen wir dem neuen Circus viel Glück und alles Gute. Herr Direktor versicherte uns im persönlichen Gespräch, dass er alles unternehmen wird, das der klassische Circus mit den drei Säulen - Tiere, Clowns und Akrobaten - nicht untergeht.
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