Text  und Fotos Friedrich Klawiter
1. GROSSER KÖLNER WEIHNACHTSCIRCUS
Köln, 21. Dezember 2011

www.weihnachtscircus-koeln.com
Weithin leuchten die Zeltanlagen des 1. Großen Kölner Weihnachtscircus in die Nacht. Nähert man sich dem weitläufigen Gelände, nimmt einen der Zauber  eines wirklich großen Circus gefangen. Hinter dem mit hunderten glitzernden Lämpchen beleuchteten Zaun, der mit Spannbändern „Welcome to World Christmascircus“, versehen ist, erwartet den Besucher ein üppig geschmücktes Vorzelt.
Dahinter ist der große, von Lichterketten hell erleuchtete, Zeltpalast der Familie Spindler in voller Pracht aufgebaut. Restauration und Verkaufsstände zeigen sich in üppigem weihnachtlichen Glanz. Die mächtigen Holztüren am Chapiteau sind weit geöffnet und empfangen den Besucherstrom der Premierenvorstellung.
Das steile, äußerst komfortable Gradin, mit seinen vierzehn Reihen weich gepolsterter Stühle bietet einen freien Panoramablick in die nach frischem Sägemehl duftende Manege. Diese wird vom exquisiten, reich verzierten Artisteneingang abgeschlossen. Auf dessen Empore nimmt eines der besten Circus-Orchester Europas Platz. Die neun Musiker spielen quasi die Sterne vom Himmel und verleihen mit ihrem hervorragenden Sound jeder Darbietung einen ganz besonderen Rahmen.


Die Ränge sind voll besetzt, als „Hausmeister“ Timmy die letzten Sägespäne von der Piste fegt. Sein Traum von einer großen Manegenkarriere wird von einer guten Fee erfüllt und alsbald sehen wir ihn in großer roter Livrée auftreten.
Das wunderbare Orchester intoniert „Viva Colonia“ und dringt sofort in die Herzen des Kölner Publikums vor. Franz Spindler betritt im eleganten klassischen Outfit eines „Monsieur Loyal“ die Hubbühne, dass hochverehrte Publikum im „ersten großen Kölner Weihnachtscircus“ willkommen zu heißen.
Der jungen Artistin Desirée Köllner ist es vorbehalten, als Erste an diesem wunderbaren Circusabend ihre Kunst dem Publikum dar zu bieten. Sie tanzt gekonnt auf dem gespannten Silberdraht, springt über Reifen und auch eine Flagge ist kein unüberwindbares Hindernis, jongliert mit Keulen - ein wahrhaft schwungvolles Opening.
Der schwere Samtvorhang gleitet zur Seite und gibt den Blick frei auf vier mächtige asiatische Trampeltiere. Unter der Anleitung von Tierlehrer Francesco werden die verschiedensten Lauffiguren, der mit schönen Behängen ausgestatteten Tiere, geboten.

Schreie gellen durchs abgedunkelte Zelt, eine maskierte Gestalt entreißt einer Frau die Handtasche und schon erscheint Spiderman. So eingeleitet präsentiert Bruno Silva seine Strapatendarbietung. Flüge durch den weiten Raum wechseln sich mit kraftvollen Halteposen hoch in der Kuppel ab. Natürlich wird der Gangster am Ende der Nummer von Spiderman besiegt und die junge Frau erhält ihr Hab und Gut zurück.

Im ersten Programmteil ist Timmy in mehreren Reprisen zu sehen. Zunächst jongliert er mit drei Schirmen, die schlussendlich in einem Behälter auf seinem Rücken landen. In der zweiten Szene liefert er sich ein Wortgefecht mit dem Sprechstallmeister um den Besitz einer gültigen Eintrittskarte.
Andalusier-Schimmel Armarando und seine Reiterin Sydney Zingaro bilden eine feurige Einheit. Der temperamentvolle Hengst und seine Reiterin zeigen gekonnt Lektionen der Hohen Schule und begeistern das Publikum mit Können und Ausstrahlung. Esmeralda, die zweite der Zingaro Sisters, reitet auf dem prachtvollen Friesen Marcho ins weite Rund und zeigt zu spanischen Klängen eine anmutig elegante equestrische Sequenz.
Francesco Spindler präsentiert mit seinen sechs weißen Arabern eine der besten Pferdefreiheiten der Gegenwart. Zu treibender Musik werden anspruchsvolle Lauffiguren - u. a. Fächer und Gegenlauf mit Richtungswechseln - souverän dargeboten. Ein hervorragender Sechsfach-Steiger ist der Höhepunkt dieser harmonischen hippologischen Vorführung, die mit vielen verschiedenen Da Capos aufwartet. Zunächst lässt Francesco drei Hengste „flechten“ dann folgt eine Reihe excellenter Steiger. Scheinbar mühelos steht ein Hengst extrem lange auf der Hinterhand, ein anderer umrundet die gesamte Manege entlang der Piste und schließlich laufen fünf Vorwärtssteiger zusammen aus der Manege. Abschließend zeigt ein Shetlandpony, dass auch kleine Pferde große Steiger sind.
Bori Picard von ungarischen Staatscircus ist eine Könnerin auf dem Hochseil. Die Trickfolge ihrer Kür entstammt weitesgehend dem Repertoire des klassischen Balletts. Tanzschritte und Spagat wechseln sich ab mit Elementen der Rhythmischen Sportgymnastik. Die junge Ballerina schlüpft nun in ihre speziellen "Spitzenschuhe" und überquert das Drahtseil im selten gezeigten Spitzentanz. Mit dieser anmutigen, poetischen Darbietung geht es in die Pause.

Der zweite Teil beginnt hoch in der Kuppel des Zeltpalastes mit der spektakulären Flugtrapez-Darbietung der brasilianischen Flying Silva. Drei Fliegerinnen und ein Flieger bieten im Zusammenspiel mit dem Fänger vollendete Luftakrobatik. Höhepunkte der Darbietung sind ein doppelter Salto mit verbundenen Augen sowie die Passage. Bruno Silva katapultiert sich zum Abschluß auf ein höher hängendes Standtrapez und entfaltet kopfüberhängend, unter dem Jubel der Zuschauer, eine Flagge mit dem Kölner Stadtwappen und stürtzt sich kopfüber ins Netz.
„Waterwoman“, oder "der lebende Brunnen", Stephanie Oppong verblüfft die Anwesenden mit ihrer Kunst. In folkloristischem Kostüm und zu fröhlicher afrikanischer Musik trinkt sie in kürzester Zeit ca. Zwei Liter Wasser, um es dann als lebender Geysir in hohen Fontänen wieder von sich zu geben.
Tuchnummern kennen wir viele. Doch nur wenige erreichen die Trickstärke und Ausstrahlung von Salima. Ihre poetisch inspirierte Arbeit, vom Orchester immer wieder perfekt mit „Gänsehautmusik“ unterlegt und raffiniert ausgeleuchtet, zieht das Publikum jedes mal aufs Neue in ihren Bann.

Hausmeister Timmy betritt die Piste und es entspannt sich eine nette Interaktion zwischen dem tollpatschigen August und dem eleganten Sprechstallmeister. Auch die Logenbesucher werden mit eingebunden.Ein gekonntes Trompetensolo beschließt diesen Auftritt.
Eschi Spindler stellt in seiner unnachahmlichen Art den schwarzen Andalusier-Hengst „Zorro“ vor. Zahlreiche Steiger, Spanischer Tritt und das tiefe durchstecken des Kopfes zwischen den Vorderbeinen sind die Eckpunkte des schwungvollen Auftritts. Abschließend demonstriert Zorro, dass Circuspferde auch lachen können. Dann stellt Eschi Spindler Enkelin Ashley mit ihrem Schaukelpony vor. Die sechsjährige Circusprinzessin agiert professionell in der Manege und der finale Dialog mit dem Opa reißt das Publikum jedes Mal aufs Neue von den Stühlen.
Klassische Musik ertönt und Timmy ruft zur „Opera“. Turbulent geht es in der Manege zu und die, teils durchaus schauspielerisch begabten, Gäste geben ihr Bestes. Die Gags, „Pannen“ und schauspielerischen Unzulänglichkeiten werden vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen.


Als Finalnummer sind die Lacey-Brothers am amerikanischen Todesrad zu erleben. Die beiden jungen Ungarn verstehen es, mit ihrem Können in und auf dem Rad das Publikum zu unterhalten und sorgen noch einmal für Spannung im Gradin. Höhepunkte ihrer Evolutionen sind das springen mit einem brennenden Seil, ein Blindlauf und Sprünge auf der Außenbahn.
Nach drei Stunden prachtvollem klassischen Circus leitet Timmy mit seinem live gesungenen „Ja, wir sind Artisten“ das große stimmungsvolle Finale ein. Nachdem sich die Artisten auf der Piste aufgestellt haben, können sie die Standing Ovations des begeisterten Publikums entgegen nehmen.

Schließlich endet Timmys Traum, erlegt die Livrée ab, wird wieder zum Hausmeister und verlässt langsam die Manege.
Noch einmal bekommt er ein Mikrofon gereicht und intoniert eine Kölner Hymne der Black Föös - „Bye Bye my Love, mach et jot, bes zom nächste mol“ derweil viele Zuschauer ihre Feuerzeuge aufleuchten lassen. Die drei Herren Spindler treten vor den Vorhang und verabschieden sich vom begeisterten Publikum.
Nach einer äußerst schwierigen Saison, kann man froh sein, dass der bekannte Impressario und Direktor des Dresdener Weihnachtscircus Mario Müller-Milano für seine Kölner Veranstaltungen eine wahrhaft glückliche Hand mit der Verpflichtung der Vollblut-Circusfamilie Spindler hatte.
Noch bis zum 15. Januar kann man klassischen Circus "at its best" auf dem Festgelände an der Gummersbacher Straße in Köln geniesen.


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