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Text und Fotos Friedrich Klawiter
KARLSRUHER WEIHNACHTSCIRCUS
Karlsruhe, 21. Dezember 2015

http://karlsruher-weihnachtscircus.de
Der Karlsruher Weihnachtscircus avancierte im Lauf der Jahre zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen seiner Art in unserem Land und hat seinen festen Platz im kulturellen Angebot der Stadt. Die aktuelle siebte Auflage des von Joachim Sperlich und seiner Familie veranstalteten Circus wartete erneut mit einem großen Programm, insbesondere einer herausragenden Raubtiernummer auf.
Die großen gelb-roten Zelte glänzen im Schein unzähliger Lichter und üppiger Tannenschmuck verbreitet Weihnachtsatmosphäre. Die breiten, weit geöffneten Holztore inmitten der Front laden dazu ein ins prächtig geschmückte Vorzelt zu treten. Ein mächtiger, bis zum First reichender Weihnachtsbaum beherrscht den Raum. Ringsum an den Seiten sind die Weihnachtsmarktbuden der Circusrestauration mit ihrem reichhaltigen Warenangebot aufgestellt und ein riesiger dunkelroter Samtvorhang verschließt den Tunnel zum Spielzelt.
Dekorative rot-weiße Logen und ein großes Gradin mit Einzelklappsitzen füllen den Raum um die Manege. Der Artisteneingang aus rotem, mit glitzernden Steinchen besetztem Stoff trägt nun wieder den towerartigen Aufbau, der den acht Musikern des Circusorchesters Platz bietet.

Im völlig abgedunkelten Zelt wird Sängerin Charlin Sperlich, die eine düstere Mönchskutte trägt, vom einem Spot angestrahlt und trägt einen Weihnachtssong vor.
Dann kommt das Showballett, die „Shad Performance Danceart“ Formation ist auch in diesem Jahr wieder mit von der Partie hinzu, die Manege wird hell und das Opening nimmt Fahrt auf. Wie im vergangenen Jahr rollt eine Bimmelbahn, wie sie in vielen Orten als Touristenattraktion eingesetzt wird, mit den Artisten besetzt in die Manege. Auf den Dächern der Waggons thront der Weihnachtsmann in einem roten Schlitten hinter einem Rentiergespann. Juniorchefin Monika Sperlich und Giovanni Biasini sind auch in diesem Jahr die Manegensprecher, sie begrüßen das Publikum und geben die Manege für die erste Darbietung frei.
Julia Tchakanova präsentiert eine Dressurkombination von drei Lamas und drei afghanischen Windhunden. Flott und flüssig werden die verspielten Abläufe geboten. Im zweiten Teil des Programms sehen wir die Artistin ein weiteres Mal; nun arbeitet sie ihre bekannte Akrobatik im Zusammenspiel mit einem Pudel.

Die italienischen Clowns Steve und Jones Caveagna sind mit mehreren Reprisen in der Show präsent. Zunächst wetteifern sie sehr ausführlich darum, wer von den cooleren Klingelton auf seinem Smartphone hat. Dann probieren sie eine neue „Dating App“ aus, die „garantiert jedes weibliche Wesen sofort überzeugt“. Nachdem Jones mit einer jungen attraktiven Frau am Arm die Manege verlässt, probiert auch Steve sein Glück. Er landet allerdings auf den starken Armen eines kräftigen Requisiteurs. In ihrem zweiten Auftritt zeigt Steve sein Können als Diabolo-Jongleur und sein Bruder Jones begleitet den Auftritt auf dem Saxophon. Im umfangreichsten Auftritt bringen sie ihre Version des „musizieren ist hier verboten“. Immer wieder stört Steeve das Saxophon und Trompetenspiel von Jones mit den harten Beats aus seinem Smartphon.
Kevin Probst präsentiert eine Pferdefreiheit mit fünf Schimmelhengsten, die mit roten Geschirren und Puscheln geschmückt sind, zu Gesicht. Die vielfältigen Figuren werden harmonisch, flüssig und flott gearbeitet. Kevin Probst verzichtet bei seiner Darbietung auf eine Chambrière, er dirigiert die Rösser in erster Linie mit seiner Körpersprache und Stimme, eine Gerte findet nur dezenten Einsatz. Gekonnte Da Capo Steiger schließen den gelungenen Auftritt harmonisch ab.

Tamara Khurchudova arbeitet ihre furiose Darbietung am Schwungtrapez im ersten Programmteil. Vielfältige Pirouetten und Abfaller werden in hohem Tempo in erstklassiger Ausführung rasant dargeboten.
Adele Fame präsentiert eine ausdrucksstarke Nummer an den Strapaten. Temperamentvoll folgen die kräftezehrenden Tricks aufeinander. Mit großem Schwung werden zahlreiche einarmige Aufschwünge direkt nacheinander ausgeführt. Weite Flüge, spektakuläre Abfaller und elegante Haltetricks reihen sich zu einem umfangreichen Ablauf aneinander. Mit einem freihändigen Spagat an den Strapaten erreicht die Darbietung ihren Höhepunkt.
Bodenjongleur Dustin Huesca und seine Partnerin präsentieren einen veritablen Auftritt. In hervorragendem Zusammenspiel manipulieren die beiden eine stetig steigende Anzahl weißer Bälle, die aus dem Requisit „hervor gezaubert“ werden, in vielfältigen Variationen. Abschließend jongliert Dustin Huesca sieben Bälle während er auf Hüfte und Oberkörper seiner, in der Brücke stehenden Partnerin, steht.
„SpicyCircus“ nennt sich eine dreiköpfige Formation, mit deren Auftritt - er wird mittels Ballett im Rock'n Roll Stil inszeniert - an der Trampolin-Wall geht es in die Pause.

Den Höhepunkt der Show erleben wir zu Beginn des zweiten Teils mit der herausragenden Raubtierdressur von Manuel Farina. Vier prächtige Löwenmänner und zwei Tiger werden vom italienischen Meisterdompteur in einer mitreißenden Darbietung vereint. Temperamentvoll werden die zahlreichen Tricks - darunter Pyramide, Teppich, diverse Sprungvarianten, Hochsitzer und Steiger - vorgetragen. Zahlreiche Scheinangriffe verleihen dem Auftritt die nötige Würze und lassen Schönheit, Kraft und Schnelligkeit der imposanten Tiere voll zur Geltung kommen. Mit einem kühnen Sprung wirft sich Farina auf ein Lager aus drei Löwen. Kopftrick sowie hineinstecken seines Armes in ein Löwenmaul werden vollkommen selbstverständlich gezeigt und ein hinter dem Dompteur stehender Löwe legt beide Vorderpranken auf die Schultern von Manuel Farina. Die großartige Darbietung reißt das Publikum zu förmlichen Beifallstürmen hin. Chapeau.
Die erstklassige Hand-auf-Hand Darbietung des Trio Bellissimo ist von vielen Engagements hierzulande, z. B. mehrere Saisons bei Roncalli, bestens bekannt. Die hochkarätigen Tricks erfolgen in Perfektion und werden von Publikum begeistert aufgenommen.
Die Pyramidenbauer und Springer der Casablanca Truppe sorgen vor dem Finale noch einmal für mächtig Schwung. Flink und gekonnt bilden sie die genretypischen menschlichen Pyramiden und in rasantem Wirbel springen sie die verschiedensten Kombinationen von Saltos und Flickflacks. Einzig die Frage warum die marokkanische Artisten anstatt in den genretypischen prächtigen, folkloristisch inspirierten Kostümen in wenig ansehnlichen Indianer-Outfits auftreten, wird das Geheimnis des Regisseurs der Veranstaltung bleiben.
Zum kurz gehaltenen Finale, im Gegensatz zu den Vorjahren wird dieses Mal auf größere aufwändige Showeffekte verzichtet, kommen die Artisten einzeln in den roten Ring und überbringen Sängerin Charlin Sperlich ein Präsentpäckchen. Monika Sperlich und Giovanni Biasini stellen die Mitwirkenden vor und verabschieden ein zufriedenes Publikum.