Text und Fotos Friedrich Klawiter                                                 
Imperial Show „Aqua Africa“
Metz, 08. Dezember 2012

www.imperialshow.com
Alle Jahre wieder... - gastiert das französische Impressariat „Imperial Show“ mit einer seiner Einheiten in Metz, um die in unserem Nachbarland weit verbreitetem Weihnachtsgalas zu veranstalten. Diese von Firmen für ihre Mitarbeiter und deren Angehörigen gebuchten Vorstellungen sind fester Bestandteil französischer Weihnachtsfeiern.
Die Zeltanlagen wurden erstmals vom italienischen Circus Royal der Familie Rossante gestellt. Ein großes rechteckiges Chapiteau in gelb-blauem Streifendesign und ein runder, farblich passender Einmaster als Vorzelt waren auf dem verschneiten Circusplatz, einem Parkplatz im Messepark von Metz errichtet. Einige Sattelzüge des Circo Royal sind neben den Zelten platziert. Direkt hinter dem Chapiteau stehen die gut geheizten Ställe für die Tiere von Adriana Folco und Johnny Fischer und gleich daneben wurden die Wohnwagen der Artisten und Mitarbeiter platziert.
Ohne jeden Schmuck, und in der Dunkelheit vor Beginn der dritten Vorstellung des Tages nur von den Parkplatzleuchten erhellt, präsentiert sich der Circus seinen Gästen. Außer dem Holzboden hat das Vorzelt als einzige Einrichtung eine Mini-Restauration auf einem Klapptisch zu bieten.
Im Chapiteau sind drei fünfzehnreihige, mit Schalensitzen bestückte, Tribünen entlang der Seitenwände errichtet. Die Logen sind aus dunkelrotem Samt und mit Polsterstühlen ausgestattet. Der große dekorative Artisteneingang kommt vom Circus Louis Knie und sorgt auch in diesem Rahmen für ein ansprechendes Flair. Selbstverständlich ist auch hier das überdimensionale Schlagzeug auf der Orchesterbühne installiert und Manfred Huber gibt der Show den nötigen Drive.

Monsieur Christophe, ein junger Sprechstallmeister, eröffnet wortreich die Show. Er füllt seine, in französischen Circussen essentielle Rolle, in ungewöhnlicher Weise aus. Zunächst in einem etwas groß geratenen Frack, später in ein auffällig kariertes Sakko gekleidet, hampelt er im Hintergrund umher und setzt sich auch einige Male zu Zuschauern, sich während der Nummern mit ihnen unterhaltend.
Adriana Folco reitet auf einem stattlichen Friesen eine  ansprechende Hohe Schule. Flüssig und leicht wirkend folgen die Lektionen aufeinander.
Einen glamourösen Anblick bietet Elefant Baby, wenn sie mit reichlich Glitzerspray dekoriert, urplötzlich aus dem Dunkel auftaucht und im aufflammenden fahlblauen Licht der Scheinwerfer auf ihrem chromtenblitzenden und illuminierten Tonneau steht. Mit viel Schwung und Charme lässt die erfahrene Tierlehrerin das umfangreiche Trickrepertoire ablaufen. Ein „Handstand“ des Elefanten ist der akrobatischer Höhepunkt der Darbietung, die darüber hinaus von vertauensvoller Interaktion gekennzeichnet ist. So liegt „Baby“ zum „schlafen“ ab und geniest sichtlich die Zuwendungen ihrer Chefin.
In einer dritten Dressurnummer stellt Adriana Folco im zweiten Programmteil vier Kamele vor. Abwechslungsreiche Lauffiguren werden in einem flotten Ablauf gekonnt präsentiert.

Clown Matthieu wärmt während des Einlasses das Publikum an und findet mit seiner sympathischen Figur eines verspielten Jugendlichen und seinem subtilen Humor großen Anklang. Er „spielt Golf“, bzw. fängt die imaginären, von Besuchern zugeworfenen Bälle in einer Tüte auf. Zusammen mit einem Zuschauer wird er zum furchtlosen Löwendompteur.
Nach erfolgreich bestrittenem Kampf gegen ein Mikrofon macht er den sehr verschiedenen „Herzschlag“ mehrerer Besucher mit dessen Hilfe allgemein bekannt. Alle diese Auftritte erhalten ihre besondere Note durch das gekonnte Beat Boxing, mit dem Matthieu die einzelnen Aktivitäten untermalt. Die vier Stühle werden genauso souverän geboten, wie das Spiel mit Glocken, die aus einem Geigenkasten zum Vorschein kommen. Matthieu erweist sich als großer Magier, der einen kleinen Stoffhund zum Leben erweckt und diesen auf einem Tisch einen Salto ausführen lässt.

Mit jugendlicher Frische wirbelt Jongeur Amadeo Christiani seine Requisiten durch die Lüfte. Sicher werden die verschiedenen Muster mit Keulen geboten, zwei Tischtennisbällen in verschiedenen Variationen mit dem Mund jongliert. Abschließend erfolgen Routinen mit Ringen, von denen der Jongleur bis zu acht in der Luft hält.
Stefania Jarz zaubert mit ihren Auftritten Glanzlichter in die Manege dieser Show. Zunächst präsentiert die versierte Artistin mit großem Anmut und Eleganz ihr Spiel mit den Hula Hoops. Gekonnt und variantenreich lässt sie die Reifen um Körper, Arme und Beine kreisen. Im weiteren Verlauf der Show erleben wir ihre erstklassige Antipoden-Darbietung. Im Handstand verharrend manipuliert sie einen großen Ball mit den Füßen. Bis zu fünf Bälle tanzen über Hände und Füße der Artistin. Hernach wechselt die sympathische Artistin die Requisiten. Mit großer Grazie dargeboten, wirbelt Stefania Jarz nun kleine Teppiche in immer neuen Figuren umher. Zusätzlichen Drive bekommt dieser Auftritt durch die rotierende Trinka.
Handstandequilibrist Robert Lagroni präsentiert sich als cooler Macho. Auf einem schweren, chromblitzenden Motorrad kommt er, ganz in schwarzem Leder, in die Manege und zeigt, nachdem die Maschine aufgebockt wurde darauf sein Können. Die unterschiedlichen Handstandfiguren und Einarmer werden souverän dargeboten. Ruhig und sicher verfolgt der Aufbau zweier Klötzchentürme, auf denen, im Einarmer stehend, ein Stange mit den Füssen jongliert wird.

Johnny Fischer komplettiert mit seiner äußerst publikumswirksamen Kleintierdressur den Reigen der Darbietungen mit Tieren. Als Lucky Luke heizt er in seiner unnachahmlichen Art die Stimmung im Gradin an und lässt die artenreiche Tiertruppe - Esel, Ziegen, Hunde, Katzen, Hase und Hähne bevölkern die Manege - zahlreiche Tricks ausführen. Die Ziegen balancieren über einen Balken, Katzen springen durch Reifen und fahren Roller, die Hunde laufen auf der Rolle und zwischen den Beinen ihres Vorführers hindurch. Ein Hahn „legt Eier“ und aus einer explodierenden Bombe erscheint der Hase. Mit den „Bremer Stadtmusikanten“ erreicht dieser Dressurakt seinen Höhepunkt.

„Aqua Africa“ lautet das Motto der Show und dieses findet in den weiteren Programmpunkten seine Umsetzung. Die vier Mitglieder der Truppe „Ghana Boys“ sind in zwei Auftritten zu erleben. Zunächst versprühen sie exotisches Flair mit einer rasanten Limboshow, die mit dem nötigen Pepp geboten wird.
Als letzte Darbietung im breit gefächerten Reigen artistischer Genres treten die „Ghana Boys“ mit ihrer folkloristisch geprägten Springer-Nummer auf. Den variantenreichen Sprüngen durch zwei aufeinander gestapelten Reifen folgen Handvoltigen und in hohem Tempo errichtete und wieder aufgelöste Menschenpyramiden.
Zum Finale wird in kurzer Zeit die Wassertechnik in der Manege installiert. Von der erstklassigen Lichtanlage bestens illuminiert, erzielen die unterschiedlichen Fontänen, die Adriana Folco emporsteigen lässt, die gewünschte Wirkung beim Publikum. Mit stimmiger Musik unterlegt, überzeugen die tanzenden Fontänen immer wieder mit ihrem Schauwert.
Die Mitwirkenden stellen sich schließlich entlang der Piste auf und werden vom Publikum mit lebhaftem Applaus belohnt. Wortreich, jedoch ohne die Artisten noch einmal vorzustellen, dankt der Sprecher im Namen der Imperial Show für den Besuch und verabschiedet sich bis zum kommenden Jahr, ehe er „Papa Noel“ - den französischen Weihnachtsmann - in die Manege bittet. Dieser winkt kurz ins weite Rund und rasch leer sich der rote Ring. Einen letzten, besinnlichen Moment gestaltet Clown Matthieu, der auf den Seifenblasen, die vom Orchesterpodium hinunter schweben, eine verträumte Melodie erklingen lässt.
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