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Text und Fotos Friedrich Klawiter
Imperial Noel sur Glace
Metz, 6. Dezember 2008

www.imperialshow.com
Der französische Agentur- und Eventcircus „Imperialshow“ verzichtet auf die üblichen Tourneen. Stattdessen organisiert man in vielen Städten des Landes Circusshows im Galabereich. So gibt es speziell zum Jahresende mehrere unabhängige Einheiten, um der großen Nachfrage während der „Weihnachtsfeiersaison“ gerecht zu werden. Gespielt wird in Chapiteaus des dänischen Circus Arena, der auch das weitere komplette Equipment stellt. In Metz gastierte an den drei Tagen des Nikolaus-Wochenendes der „Circus auf Eis“ der Imperialshow. Auf dem weitläufigen Circusplatz sind der große hohe rot/gelbe Viermaster und das entsprechende Vorzelt errichtet.

Eine Handvoll Transportfahrzeuge, zwei Mannschaftswohnwagen, drei bis vier Artistencampings - die meisten Akteure scheinen im Hotel untergebracht -, zwei Garderobencontainer - mehr braucht es nicht, um einen großen Circus reisen zu lassen. Kein Frontzaun, keine Lichterketten, weder Fassade noch Durchgangswagen, vollkommen schmucklos zeigt sich der Außenbereich an diesem regnerischen Wintertag, und nur die schwache Parkplatzbeleuchtung erhellt ein wenig den Weg im Außenbereich. Auch einen Kassenwagen sucht man vergebens. Dieser Circus ist nicht darauf eingerichtet, Karten einzeln an Besucher abzugeben, und so ist es nur logisch, dass es auch keinerlei Werbung in der Stadt zu sehen gibt. Verkauft werden die Vorstellungen im Vorfeld an Firmen und Organisationen. Wir hatten Gelegenheit, der dritten Show des Tages beizuwohnen. Das Chapiteauinnere präsentiert sich im typischen „Arena-Look“. Logen und Schalensitzgradin bieten wohl zweitausend Personen Platz, eine umfangreiche moderne Lichtanlage setzt das Geschehen ins rechte Licht, nur das Musikerpodium über dem Artisteneingang bleibt leer. An Stelle einer Manege ist eine geringfügig erhöhte „Eisfläche“ von zirka zehn mal zehn Metern installiert. Diese setzt sich aus passgenauen Kunststoffelementen zusammen, die offensichtlich in ihren Gleiteigenschaften richtigem Eis gleich kommen - mit Sicherheit aber wesentliche Vorteile im Handling haben, da keinerlei aufwendige Kühlanlage und Oberflächenaufbereitung von Nöten ist.

Nach den üblichen Durchsagen vor Beginn eines Circusprogramms zaubern drei Ballettmitglieder den Weihnachtsmann auf seinem Thron unter einem Tuch hervor, dann heißt Monsieur Loyal Mickael Allan das Publikum willkommen. Die Show beginnt romantisch verträumt, so wie es wohl allgemein von einer Eisrevue erwartet wird. Ein Paar aus der Selnikhin-Truppe spielt, dabei eine kleine Geschichte erzählend, variantenreich und gekonnt mit Seifenblasen. Das achtköpfige, sechs Tänzerinnen und zwei Tänzer umfassende, Eisballett kommt zu seinem ersten von drei Auftritten pro Showteil. Ihre Kostüme - gleichwohl ob Pinguin, Eisbär, folkloristisch angelehnt oder elegant und glamourös - sind aufwendig und gekonnt gestaltet. Die Choreographien wurden ansprechend und effektvoll aufgebaut, allein die ziemlich begrenzte „Eisfläche“ setzt den Aktivitäten  Grenzen.

Ihre Geschicklichkeit mit den Hula-Hoop Ringen zeigt Oxana, die diesem Genre durch die Präsentation auf Schlittschuhen eine eigene Note gibt. Sie nutzt die gesamte Spielfläche geschickt aus und weicht auch in ihrer Trickfolge von den oftmals stereotypen Mustern anderer Nummern ab. Sie ist denn auch die einzige Artistin die, getreu dem Motto der Veranstaltung, auf dem „Eis“ arbeitet. Für alle anderen Darbietungen wird zunächst eine Kunststoffplane und darauf ein roter Teppich auf dem glatten Untergrund ausgebreitet, sodass wir ein ganz normal ablaufendes Circusprogramm in Verbindung mit einem Eisballett erleben. Weiter geht es mit der einzigen tierischen Darbietung des Abends. Die beiden Seelöwen des Duo Cardinali, vor einigen Jahren waren sie bei Charles Knie zu sehen, sorgen mit ihrem Können für Begeisterung im Rund. Geschickte Balancen, mimisches Talent und kraftvolle Flossenstände sind die markanten Eckpunkte dieser routiniert und flott ablaufenden Dressur. Clown Christian Folco ist mehrmals präsent. Zunächst erscheint er als Koch, bekleidet mit einer Weste in den Farben der italienischen Flagge, und jongliert mit zwei Tellern und dann mit Gabeln und Kartoffel. Diese Reprise weist einige Parallelen zu der von Jimmy Folco auf. Klatschwettbewerb und Glockenspiele mit Zuschauern sind weitere Reprisen. Im zweiten Teil sehen wir seine Variante der Orchesterszene unter Mitwirkung von fünf Freiwilligen.

Eine hervorragende Jonglage mit bis zu fünf Fußbällen zelebriert Jemail Martinez. Sein Auftritt vermittelt mitunter eine Anmutung an den Stil von Francis Brunn. Variantenreich zeigt er seine umfangreiche Folge geschickt kombinierter und publikumswirksam verkaufter Tricks. Ganz in der Tradition russischer Artistik wurde die Stangenwurfnummer der vier Selnikhin perfekt choreographiert. Flüssige, tänzerisch gestaltete Abläufe gepaart mit elegant und sicher  ausgeführten Sprüngen der beiden Fliegerinnen verleihen der Nummer einen hohen Schauwert und unterscheiden sie von anderen mit oftmals zu beobachtendem zu stark ausgeprägtem Sportambiente. Nach der Pause sehen wir Oxana ein zweites Mal. Ihre Kür an den Strapatentüchern wird vom Ballett stimmungsvoll eingeleitet.  Jorge Cardinali brilliert auf der freistehenden Leiter. Geschickt im Verkauf steigert er die Spannung der Zuschauer bis zum Schluss.
Exzellent als Schlussnummer die sechs Vavilov mit Handvoltigen. Topp gestylt und choreographiert ist dieser Auftritt nicht nur optisch gelungen, sondern beinhaltet auch eine große Zahl an herausragenden Tricks. Perfekt, sicher und schwungvoll im Vortrag reißen die Akteure das Publikum mit.


In glamourösen modernen gelb/schwarzen Showkostümen leitet das Ballett zum Finale über. Alle Artisten werden vom Ringmaster vorgestellt und im abgedunkelten Rund funkeln an den Kostümen des Balletts unzählige kleine Lichter. Begeisterter Applaus hält die Akteure auf dem Eis und kein Besucher drängt vorzeitig zum Ausgang. Auch dies ein eindeutiges Indiz dafür, dass die zweistündige Show beim Publikum hervorragend ankam.