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Text  und Fotos Friedrich Klawiter
HÖHNER ROCKIN RONCALLI SHOW
Oberursel, 11. Juni 2011

www.hoehner-rockin-roncalli.de
Im Rahmen des „Hessentages 2011“ gab die Höhner Rockin Roncalli Show ein „Auslandsgastspiel“ in Oberursel. Außerhalb des kölnisch-rheinischen Sprachraumes und fernab von Karnevalshochburgen hatte man in der Kleinstadt unweit von Frankfurt Station gemacht.
Als Spielstätte war ein älteres Roncalli-Chapiteau errichtet. Ein blau gestreifter Zweimaster diente als Vorzelt und gab der Restauration den nötigen Raum. Roncallis historischer erster Kassenwagen stand in der Front, die von großen Spannbändern, mit der entsprechenden Bedruckung, gebildet wird. Drei - vier typische Roncalli-Wagen nehmen Büro und Garderoben auf und fünf moderne Schiebeplanen-Auflieger, in rot mit großem Roncalli-Schriftzug, begrenzen das Gelände.
Im Chapiteau das typische Roncalli-Flair - runde Stahlmasten, blaues Zelt mit rotem Fachwerk, Sturmstangen, rotes Holzbankgradin, elegante reichverzierte Logen mit samtbezogenen Klappstühlen. Dazu der erste Roncalli-Artisteneingang mit Treppen rechts und links. Anstelle einer Manege füllt eine leicht erhöhte Bühne den Raum zwischen den Logen bis hinter die Gardine. Vor dem Artisteneingang ist das Equipement der Band aufgebaut.

Ein Viereck aus Gitterrohrträgern trägt die umfangreiche Lichtanlage. Weitere Beleuchtungskörper sind über dem Artisteneingang und rings um die Bühne angebracht. Mit einem stimmigen Lichtdesign auf Höhe der Zeit wird die Veranstaltung jederzeit optimal präsentiert.

Unter dem Motto „Salto Globale“ läuft eine furiose Show ab. Die Erzählung von den vier Elementen  „Feuer, Wasser, Luft und Erde“, dargestellt durch die cirzensischen Acts, die um ein fünftes  - die Musik hervorragend ergänzt werden.
Die sechs Vollblutmusiker eröffnen mit einem ihrer neuen Lieder die Show dazu füllt die bunte Artistenschar mit einem fröhlichen ausgelassenen Charivari die Bühne. Die gesamte, gut drei Stunden dauernde Vorstellung wird von den Höhnern live begleitet. Dabei bieten Henning Krautmacher und seine Kollegen die gesamte Bandbreite ihres langjährigen Schaffens. Viele neue Songs in rockigem Sound zeigen die Vielseitigkeit der Band, die andererseits auch ihre Klassiker, z. B. „Echte Fründe“, „Wenn nicht jetzt - wann dann“, „Alles was ich will“ und „Männer in den besten Jahren“, perfekt aufs Manegengeschehen abgestimmt, intoniert. Aber auch cirzensisch brachte sich die Band ins Geschehen ein, mit z. B. Clownerie, Stelzenlauf und Todesrad.
An Aurélie und ihrer Taube Celeste ist es, als erste ihr Können zu zeigen. Originell in Maske und Kostüm, unverwechselbar in der Präsentation mit der gefiederten Begleiterin bietet die Artistin eine starke Handstandkür. Zum Start des zweiten Programmteils ist  wiederum  Aurélie für die erste Darbietung zuständig. Mit exzellenter Mastakrobatik begeistert die Artistin und versetzt weite Teile des Publikums in Erstaunen. Im Piratenlook und einem dem entsprechend dekorierten Requisit werden zahlreiche kräftezehrende Tricks in vorzüglicher Manier präsentiert.
Auch Leonid Beljakov ist in beiden Programmteilen präsent. Zunächst agiert er mit seiner quirligen Hundemeute. Perfekt und voller Spielfreude bieten Mensch und Tier eine große Anzahl unterschiedlicher Tricks. Die zweite Nummer bestreitet der versierte Hundetrainer mit seinem Boxerrüden „Klitschko“. Dieser macht nichts - und das perfekt. Alle Aufforderungen zum abliegen, springen usw. werden mit herzergreifenden Blicken quittiert, ohne das eine Reaktion erfolgt. Besondere Beachtung verdient die Art und Weise, in der "Klitschko" den „leblosen Hund“ gibt.


Die beiden Akteure vom Stelzentheater „Anima Planet“ verkörpern in ihren phantasievollen Kostümen Fabelwesen, die auch immer den vier Elementen angepasst sind. Mit ihren romantisch-verträumten Zwischenspielen gestalten sie die Übergänge zwischen den Nummern und sorgen dafür, dass die Show als einheitliches Ganzes wirkt.
Die junge Tänzerin Lara Jacobs zaubert mit ihrem Derwischtanz eine poetische Bilderwelt auf die Bühne. Höhepunkt ist ihr Tanz mit dem brennenden Tanura.
Ein Feuer ganz anderer Art entzündet mit lodernden Temperament Furia am Schwungtrapez. Zahlreiche Abfaller und Pirouetten werden longengesichert vorgetragen. Der feurige Charakter ihrer Arbeit wird durch Kostüm und hohe Feuersäulen, die in regelmäßigen Intervallen vom Manegenboden aufsteigen, effektvoll unterstützt. In ihrem ersten, dem Element Luft zugeordneten, romantisch geprägten Auftritt arbeitet sie engelsgleich mit einem meterlangen Schlepprock  am Schwungseil.
Vor der Pause entern „Los Nablos“die Bühne. Die drei Jungs um Truppenchef Alex Ramien rocken mit ihrer fetzig präsentierten Todesrad-Darbietung zum ersten Mal an diesem Abend das Zelt und bringen das Publikum zum kochen. Eine starke Performance. Selbst Höhner Saxophonist Jens Streifling drehte eine Runde im Rad. Das aufgestaute Adrenalin konnte in der nun folgenden Pause abgebaut werden. Alex Ramien ist zugleich technischer Leiter und zudem für den Aufbau des Chapiteau und den reibungslosen Ablauf der Show zuständig,

Dreh- und Angelpunkt dieser Supershow ist der Weltklasse-Clown Jigalov mit seinem Partner Csaba. Die beiden Csaba elegant und weltmännisch auftretend als Partner des, einen abgerissen daherkommenden Underdog - den Prototypen des ewigen Loosers  - verkörpernden Jigalov, spielen ihre Rollen perfekt und erobern auch dieses Publikum im handumdrehen. Der Wunsch, es dem eleganten Bon Vivant gleich zu tun und auch einmal „groß heraus zu kommen“, lässt Jigalov äußerst eifrig sein Ziel verfolgen und - wie könnte es auch anders sein - großartig an der Tücke des Objektes scheitern. So folgen die Szenen diesem typischen Muster klassischer Clownerie, wobei die Verpackung dem Heute angepasst wurde. Im letzten Entree übernimmt Höhner Keyboarder Peter Werner den Part von Csaba.


„Sacha the Frog“ erfreut, begeistert und verblüfft mit seiner eindrucksvollen Klischnigg-Arbeit das Publikum gleichermaßen. In einem aufwändig bestickten Froschkostüm  demonstriert der Artist seine enorme Beweglichkeit. Auch ohne seinen Spezialtrick, der der Regie zum Opfer fiel, auszuführen, zu dem er den Oberkörper um fast 180 Grad verdreht, fasziniert er die Anwesenden mit seinem Können und seiner Ausstrahlung.
Furios stürmen die Farellos auf ihren Einrädern über die Bühne und reißen das Publikum förmlich von den Sitzen, wobei Jacqueline alias Putzfrau "Frau Schmidt" und Ralf sich sofort in die Herzen der Zuschauer spielen. Hochkarätige und auch riskante Tricks auf den Rädern wechseln in rasantem Wirbel mit unwiderstehlicher Comedy. Diese Spitzendarbietung wurde schon im Oktober 1992 unweit von Oberursel beim Wiesbadener Circus-Nachwuchs Festival preisgekrönt. Viele weitere Auszeichnungen, u. a. In Monte Carlo folgten bis heute. Die Stimmung im Zelt erreicht den Kulminationspunkt. Angesichts dieses Wirbels könnte man annehmen, dass er nur ins Finale münden kann, erscheint die Platzierung der nachfolgenden Darbietung zunächst ein wenig eigen.

Mädir Eugster, Leiter der Schweizer Tanztheater-Formation Rigolo,  stellt mit seiner Soloperformance den ultimativen Kontrapunkt zur vorhergehenden Darbietung dar. In meditativer Ruhe fügt der Künstler dreizehn Palmäste zu einer schwebend leichten, sich selbst im Gleichgewicht haltenden, Skulptur. Sanddornbalance ist diese Performance betitelt, in der sich circustypische wie mythische Elemente gleichermaßen wiederfinden. In erwartungsvoller gespannter Stille verharren die Zuschauer während des Entstehens der Skulptur um hernach, nachdem ihr Schöpfer sie durch wegnehmen des ersten Teils in sich zusammenfallen lässt, in um so lauteren Jubel auszubrechen und so erleben wir Standing Ovations inmitten des Programms.
Im folgenden fröhlich gestalteten Finale finden sich alle Artisten auf der Bühne ein, die Höhner lassen mit „Viva Colonia“ eines ihrer bekanntesten Lieder erklingen und die Begeisterung bei den mitsingenden und schunkelnden Fans kennt kaum noch Grenzen. Es folgen noch zwei drei der großen Hits und dann ist die Show vorbei und die Bühne leer.

Noch einmal kommt die Band zu einer Zugabe, die Artisten treten nochmals vor den Vorhang und dann ist es an der Zeit die Stätte dieses besonderen Vergnügens zu verlassen.

Die Symbiose von hochklassiger Artistik und Live-Konzert einer Kultband ist hervorragend gelungen und wird von den Zuschauern frenetisch gefeiert.