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Text und Fotos Friedrich Klawiter
HEILBRONNER WEIHNACHTSCIRCUS
Heilbronn, 22. Dezember 2014

www.weihnachtscircus.com
In bester Tradition waren auch in dieser Weihnachtszeit mächtige Zeltanlagen auf der Heilbronner Theresienwiese für einen der besten Weihnachtscircusse Deutschlands aufgebaut. Die 16. Produktion von Sascha Melnjak und Uwe Gehrmann zog mehr als 75.000 Zuschauer in ihren Bann.
Auf dem Gelände bot sich der seit Jahren gewohnte Anblick des riesigen weißen Viermasters von Alfredo Nock, der das Zentrum des Circus bildet. Eine Sternenfassade, das großzügige Restaurationszelt, die wohlbekannte Kasse, ein großer aufblasbarer Weihnachtsmann sowie zahlreiche Transporter und Wohnwagen und die Stallungen sind um das Chapiteau gruppiert. Neu in diesem Jahr - zwölf hohe von innen beleuchte goldene Sterne auf weißen, ebenfalls von innen beleuchteten Säulen, die in der Dunkelheit stimmungsvoll erstrahlen.
Das neu designete Innere des Vorzeltes zeigt sich elegant und edel. Die Seitenwände sind mit rotem Stoff versehen und zahlreiche Lichterketten davor schaffen ein angenehmes Ambiente. Die Sitzgruppen tragen rote Hussen und werden von bogenförmigen Baldachinen, deren Farbe mit dem Scheinwerferlicht wechselt, überspannt. Schlanke mit „Schnee“ bedeckte Weihnachtsbäume stehen in kleinen Gruppen entlang der Zeltseiten und große goldfarbene Sterne schweben unter dem First. Die Weihnachtsmarkthäuschen der Restauration komplettieren die Einrichtung.

Fabian Egli, seit Jahren der Manegensprecher des Heilbronner Weihnachtscircus, eröffnet mit seinem stimmungsvollen Live-Gesang die Show. Diese wird in exzellenter Weise durch das
großartige und perfekt abgestimmte Lichtdesign von Enrico Zoppe in Szene gesetzt und die erstklassige Live-Musik des großen Circus-Orchesters unter der Leitung von Volodymyr Kozachuk unterstützt die Artisten in idealer Weise.
Die Spielfolge beginnt mit der temperamentvoll vorgetragenen Ungarischen Post von Gaby Dew. Nachdem sie auf ihren Handpferden stehend einige Figuren geritten hat, werden nach und nach die Vorauspferde in die Manege gelassen und erreichen unter der Stehendreiterin hindurchlaufend ihre Position. Die Aufnahme sämtlicher Zügel gelingt Gaby Dew hervorragend.
Die rasante Rollschuhartistik des Duo Medini wurde aus dem Saisonprogramm des Zirkus Charles Knie übernommen und lässt auch hier das Publikum begeistert mitgehen. Routiniert erfolgen die typischen Abläufe des Genres. Den Schlusstrick, einen Nackenwirbel bei dem sich Vanessa Medini zusätzlich um ihre Längsachse dreht, führt Porteur Emanuel nun blind, mit verbundenen Augen aus.
Cesar Diaz war auch in diesem Jahr wieder für die Comedy im Heilbronner Weihnachtscircus verpflichtet. Außer den schon bekannten Szenen - Westernduell, Steinschleuder, Saxophon-Solo - werden zwei neue Reprisen geboten. Ein Picknick in der Manege gerät zunehmend zum verbissenen Kampf gegen ein imaginäres angriffslustiges Insekt und endet im Chaos. Zwei Zuschauerinnen assistieren bei einem Magic-Trick, der allerdings nicht wie erwartet endet. Zu guter Letzt sehen wir Cesar Diaz in seiner Paraderolle als Sänger von „My Way“, der von einer Katastrophe in die nächste stolpert.


Klischnigger Cesar Pindo versteht es ausgezeichnet, seinen Körper in die schier unglaublichsten Positionen zu bringen. Viele verschiedene Tricks erfolgen publikumswirksam und die verschiedenen, erstklassig ausgeführten Handstände - mit stark verschränkten unteren Extremitäten - zeugen von Kraft und Balancegefühl. Zum Höhepunkt seines Auftritts zwängt sich Cesar Pindo in einer so noch nicht gesehenen Technik in einen nur wenige Zentimeter Kantenlänge messenden Plexiglaskubus.
Anton Monastyrski ist einer der wenigen männlichen Artisten, die mit einer Hula Hoop Darbietung auftreten. Die ersten Touren erfolgen mit einem überdimensionalen, sehr massiv wirkenden Reifen. Die weiteren, schnell und sehr kraftvoll ausgeführten Abläufe werden durchweg in Verbindung mit akrobatischen Tricks vorgetragen.

Erwin Frankello war mit zwei Dressurdarbietungen zu erleben. Zunächst folgen ihm zwei afrikanische Elefanten in den roten Ring. Die umfassende Trickfolge beginnt mit Laufarbeit, an die sich verschiedene akrobatische Übungen, wie z. B. hochsitzen anschließen. Großes Vertrauen zwischen dem Tierlehrer und seinen Schützlingen wird effektvoll demonstriert, indem ein Elefant seinen Fuß nur wenige Zentimeter über den Kopf des liegenden Dompteurs hält und anschließend über Erwin Frankello abliegt. Spielerisch geht es zu beim Elefanten Hula Hoop und beim lösen von Rechenaufgaben.
Auch die beiden Seelöwen beherrschen ein immens umfangreiches Repertoire. Sie balancieren Bälle, fangen Ringe und werfen sich diese gegenseitig zu und zeigen gekonnte Flossenstände. Schauspielerische Elemente werden gleichfalls geboten.
Mit einer formidablen Freiheitsdressur komplettieren Sacha Houcke und Gaby Dew die Auswahl der Dressurdarbietungen. Zunächst präsentiert Gaby Dew fünf Araberhengste in zwei Farben vom Pferd aus. Während sie die verschiedenen Lauffiguren arbeiten lässt, reitet sie auf einem sechsten ungesattelten Hengst. Nach einem formidablen Gruppensteiger wechselt die Szene und Sacha Houcke präsentiert drei Friesen als veritable Korbpferde. Mit verschiedenen Da Capo Steigern findet der Auftritt seinen Abschluss.

Vor der Pause sorgt das Duo Vanegas mit seinen verwegenen Aktionen auf dem Todesrad für Nervenkitzel. Verwegene Sprünge in den Kesseln und auf der Außenbahn, einarmiger Aufschwung am Rad, Seil springen und hohe Abspünge gepaart mit gespielten Unsicherheiten sorgen für Spannung im weiten Rund. Drei auf der Außenbahn des rotierenden Rades gesprungene Saltos bilden den Höhepunkt ihrer Evolutionen.
Die sechs ArtistenInnen der russischen Truppe Pronin agieren in einem sehr dramatisch inszenierten Auftritt an der doppelten Russischen Schaukel. In Kostümen die historischen Uniformen nachempfunden sind und zu schwerer pathetischer Musik werden die vielseitigen hohen Wechsel von einer zur anderen Schaukel perfekt absolviert.
Maria Andreeva vereint in ihrer Darbietung Elemente aus zwei Genres der Luftartistik. Zunächst arbeitet sie in einem wilden Wirbel einige Tricks am Vertikalseil. Nun erfolgt ein Wechsel ans Schwungseil, an dem die weiteren Aktionen erfolgen. Die für dieses Requisit charakteristischen Abfaller leiden allerdings in ihrer Publikumswirksamkeit unter dem permanenten Longeneinsatz.
Das ukraninische Duo Kvas errang mit seiner Hand-auf-Hand Darbietung beim letzten Circus Festival in Monte-Carlo einen bronzenen Clown. Kraftvoll und in erstklassiger Ausführung werden viele der heutzutage üblichen Figuren und Tricks geboten. Die Abgrenzung zu anderen Duos erzielen die beiden Akteure mit ihrem Kopfstand ohne Vorteil. Lange wird der direkte Kopfstand, ohne Zwischenring, auf dem Kopf des Untermannes gehalten.

Die Finalnummer gestalten die fünfzehn Reifenspringer der Beijing Acrobatic Troupe. Auf selbstdrehenden Gestellen montiert, verändern die Reifen ihre Formationen und können zudem rotieren. Für die Artisten ergeben sich somit unzählige Variationsmöglichkeiten bei ihren stets perfekt funktionierenden Saltos und Pirouetten durch die Ringe. Schließlich wird der zu durchquerende Reifen in immer größerer Höhe platziert und im letzten Durchgang führt der Sprung auf mehr als drei Meter über der Manege. Der ohne unterstützende Technik durchgeführte Trick gelingt im dritten Versuch.
Fabian Egli, der die Show als souveräner Moderator begleitete, leitet mit seinem Gesang das große Finale ein. Von einer großartigen Light-Show getragen nehmen die Artisten Aufstellung in der Manege. Mit frenetischem Applaus danken die begeisterte Besucher für die außergewöhnlichen Leistungen die ihnen auch in dieser Ausgabe des Heilbronner Weihnachtscircus wieder geboten wurden.