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Text und Fotos Friedrich Klawiter
KERSTCIRCUS HAARLEM
Haarlem, 29. Dezember 2017

http://kerstcircushermanrenz.nl
Bereits zum sechsundzwanzigsten Mal veranstaltete der Circus Herman Renz seinen „Kerstcircus Haarlem“. Nach dem überraschenden Aus für den Circus im Herbst 2015 hat die neue Direktion, die Duursma Groep Events BV, die Tradition des Weihnachtscircus fortgeführt und für die aktuelle Spielzeit kehrte auch Rob Ronday als künstlerischer Leiter wieder in den Circus zurück.
Im Reinaldapark von Haarlem waren die im Frühjahr neu erworbenen, prächtigen Zeltanlagen aufgebaut. Das Vier-Masten-Chapiteau, weiß mit roten Applikationen, von ca. Zweiunddreißig Meter Durchmessern in moderner Formgebung, die bis zu den Mastspitzen hochgezogene Plane überragt die langgestreckte Kuppel, ist die Spielstätte des Circus. Mittels eines Tunnels ist es mit dem Vorzelt, einem quadratischen, rot-weiß gestreiften, sehr hohen Ein-Masten-Zelt verbunden.
Die dekorative Fassade mit den integrierten Kassenschaltern und der riesigen Leuchtschrift obenauf bildet im Zusammenspiel mit dem verspielten weiß-roten Zierzaun eine einladende Front.
Unmittelbar hinter der Fassade wurde der Pferdestall aufgebaut und der Weg ins Foyer führt entlang der Boxen in denen die Hengste interessiert das Geschehen beobachten.
Im Vorzelt herrscht eine angenehme, gemütliche Atmosphäre. Der Holzboden ist mit Sägespänen bedeckt und zahlreiche Lichterketten spannen sich aus der Kuppel zum Rondell. Zahlreiche, reich geschmückte Weihnachtsbäumen sorgen für das nötige Flair. Die prächtig gestalteten Container der Circusrestauration nehmen eine Seite ein. Gegenüber ist ein nostalgisches Kinderkarussell platziert. Kunstvoll gefertigte und mir Circusmotiven liebevoll dekorierte Verkaufsstände funkeln im Glanz ihrer Lichter.
Im Chapiteau steht ein großes Schalensitzgradin und elegante, stoffbespannte Logen bereit, die zahlreichen Besucher aufzunehmen. Mit Tannengirlanden in den zahllose Lichter funkeln sind die Masten und Traversen der Lichtanlage vollständig verkleidet. Auf dem dekorativen Artisteneingang aus rotem Samt hat die sechsköpfige Circusband ihren Platz.

Die aktuelle Show steht unter dem Motto „Traditions“ und hat ihren Anfang in einem weihnachtlich inspirierten Opening. In einem nostalgischen Schlitten erscheinen Sinterklaas, Tänzerinnen und Weihnachtswichtel in der Manege. Ihnen folgt Rob Ronday, der in hervorragender Weise den Part des Manegensprechers übernimmt. „Kommt dat zien, kommt dat zien!“ rekommandiert er, während die Parade der Artisten im bunten Charivari Kostproben des Könnens zeigt.
Francesco Nock aus der Schweiz tanzt auf dem Seil. Viele dynamisch ausgeführte Sprünge - durch einen in der Hand gehaltenen Reifen, über brennendes Barrieren, Seil springen - dominieren den Auftritt. Eine Handstandwaage wird souverän balanciert und abschließend führt ein Sprung durch einen großen, mit Messern gespickten und lodernden Fackeln versehenen Ring.
„Feuerwehrmann“ Alex ist eifrig bemüht, einen von ihm selbst entfachten Brand in der Kuppel zu löschen. Slapstick und Comedy und Akrobatik an einer Leiter, die mittig an einer Achse befestigt ist, sind die Zutaten zu einem turbulenten Auftritt, der die kleinen Besucher begeistert mitgehen lässt.

Direktor Alberto Althoff, der als Zeltmeister und Betriebsleiter für den Aufbau und die Technik des Weihnachtscircus verantwortlich ist, präsentiert eine formidable Pferdefreiheit. Mit großer Leichtigkeit, Ruhe und Souveränität lässt der Meisterdresseur, der viele Jahre lang mit Pferden, Elefanten und allen Arten Exoten gearbeitet hat, acht schneeweiße Araberhengste ihre Lauffiguren ausführen. Fehlerfrei werden die vielseitigen Abläufe ausgeführt und einige furiose Da Capo Steiger beenden den Auftritt in idealer Weise.
Clown Milko und sein Manegenpartner Mischa versuchen sich als Magier, jedoch mit wechselhaftem Erfolg. Ihr Versuch eines Portaitfotos lässt die Kamera explodieren und fördert ein Grillhähnchen in ihrem Innern zutage. Der Schuss mit Pfeil und Bogen von Häuptling Milko findet auf wundersame Weise schließlich doch noch ins Ziel. Als Rennfahrer sind sie mit ihrem „Formel 1 Rennwagen“ auf dem Weg zur unweit gelegenen Rennstrecke in Zandvoort, doch der Sprechstallmeister befindet, dass das Fahrzeug zuvor gewaschen werden müsse. Es entwickelt sich eine Schlacht mit Seifenschaum und Wassereimern, die bei den Clowns und einer Helferin keinen Faden am Körper trocken lässt.

Die Martis Brothers präsentieren eine gelungene Hand-auf Hand Darbietung. Viele anspruchsvolle Tricks werden elegant im Adagio-Stil ausgeführt. Spektakulär der Schlusstrick - nach effektvoll ausgeführtem Scheinsturz versucht der rücklings auf einem flachen Stuhl stehende und mit den Schultern auf dem Tisch aufliegende Untermann sich, mit seinem im Handstand stehenden Partner wieder zu erheben.

Vor der Pause ist die Truppe „Art Stream“ mit ihrem Auftritt an der Russischen Schaukel zu erleben. Das Requisit ist in der Mittelloge aufgebaut und von dort starten die hohen und weiten Flüge, die in einer vor dem Artisteneingang hängenden Plane gelandet werden.
Spektakulär beginnt der zweite Programmteil mit der Kanonenschuss-Darbietung von
Carlitos Ugalde. Bis in die Manege reicht das, während der Pause, über den Haupteingang gespannte Fangnetz. Nun wird mit der notwendigen Theatralik die riesige, chromglänzende Kanone im Artisteneingang in Stellung gebracht. Das Rohr hebt sich und wird ausgerichtet. Der wagemutige Artist nimmt seinen Platz ein und nach einem Countdown löst sich mit lautem Knall der Schuss und Ugalde liegt quer durchs Zelt zur sicheren Landung im Netz.
Das Duo Passione arbeitet eine attraktive Luftnummer an einem Requisit, das aus zwei über Kreuz verbundenen Luftringen besteht.

Magier Justin Ronday präsentiert gekonnt eine Auswahl seiner erstklassigen Groß-Ilussionen. Aus dem Nichts erscheint eine Assistentin auf dem Sessel, auf dem zuvor der Magier saß und Fluchtkisten machen ihrem Namen alle Ehre. Schließlich gelingt es dem Magier, der gefesselt auf einem Bett liegt, sich in Sicherheit zu bringen ehe er von dutzenden Speeren an einem hernieder fallenden schweren Metallgitter durchbohrt wird.
Melanie Chy präsentiert ihre starke Handstand-Equilibristik auf einem schweren Motorrad. Exzellent werden die verschiedenen Handstandfiguren ausgeführt. Scheinbar ohne Anstrengung, spielerisch leicht wirkend erfolgen Handstandwaagen und Einarmer.
Höchst selten sind Männer mit Hula Hoop in der Manege zu sehen. Anton Monastyrsky hat dieses Genre gewählt und interpretiert das Spiel mit den Ringen, elegant und sehr viel athletischer als seine weiblichen Kollegen.
Als letzte Darbietung der Show präsentiert die Truppe „Air Stream“ ihre „Trampolinwand“. Aus dem mittig angeordneten „Haus“ werden die Aktionen auf den zu beiden Seiten angebrachten großen Trampolinen in bekannter Weise weitestgehend synchron gearbeitet, so dass man überall im Gradin die komplette Trickfolge sehen kann.
Zum Finale stimmt Rob Ronday ein Lied an, dessen Refrain das „echte Herman Renz Gefühl“ zum Thema hat und dessen Strophen, zu jeder kommen Artisten in die Manege, in Bezug zu einer Nummer stehen. Wunderkerzen werden entzündet und mit lang anhaltendem, frenetischem Applaus feiert das höchst zahlreich erschienene Publikum die Mitwirkenden. Mit dem Versprechen einer Neuauflage der Veranstaltung, natürlich mit komplett neuem Programm in der kommenden Weihnachtszeit von Rob Ronday findet die unterhaltsame und höchst gelungene traditionelle Circus-Show ihr Ende.