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Text und Fotos Friedrich Klawiter
GROOT LIMBURGS KERSTCIRCUS
Genk, 30. Dezember 2017

www.wienercircus.com
Zum „3. Groot Limburgs Kerstcircus“ war der belgische Wiener Circus in Genk, dem ehemaligen Zentrums des belgischen Kohlebergbaus aufgebaut. Eine Rasenfläche unweit der attraktiven Fußgängerzone der Stadt dient als Circusplatz.
Der historische Durchgangs-Kassenwagen, der den Circus seit seiner Gründung begleitet, ist mit seiner großen aufklappbaren und phantasievoll bemalten Fassade, das Wahrzeichen des Unternehmens. Die Zugmaschinen und Materialtransporte, allesamt weiß und blau mit gelbem Band lackiert, stehen in einem dichten Kreis um das weithin  weiß-blaue Chapiteau, so dass, wie vielfach in unseren Nachbarländern praktiziert, auf die Zeltanker verzichtet werden kann, da die Absegelungen an den Fahrzeugen erfolgt.
Eine gemütliche Atmosphäre empfängt die Besucher im innen roten Chapiteau. Vier Tribünenwagen mit fest montierten Gradinreihen sowie üppig und kunstvoll verzierte Logen stehen für die Besucher bereit. Der große Artisteneingang, mit orientalisch inspirierten Dekor üppig verziert, beherrscht den hinteren Zeltteil. Er wird vom Verkaufswagen der Circusrestauration flankiert.

Mit einem schwungvollen Charivari nimmt die Show ihren Beginn. Bunte Bänder werden geschwungen, Jongleure und Einradfahrer erobern die Bühne und die Clowns sind ebenfalls involviert. Direktor Ricky Cannone begrüßt die Besucher und gibt die Bühne für die erste Darbietung frei.
Gekonnt lenkt Gaspard Monteiro sein “komisches Taxi“ durch den engen, verwinkelten Artisteneingang über die schmale steile Rampe auf die Bühne. „Esmeralda“ - so der Name des höchst eigenwilligen Gefährts glänzt frisch renoviert in strahlendem Gold, doch der Schein trügt. Nach und nach zerlegt sich das Auto in seine Einzelteile.
In einem sich permanent drehenden Mond arbeitet Miss Carla ihre Akrobatik. Kraftvoll und elegant erfolgen die vielseitigen Tricks. Abschließend nimmt die Artistin ihren Platz in einer großen Kugel ein und versetzt diese nur durch Verlagerung ihres Gewichtes in schnelle Rotation.
Die Gebrüder Ukmar präsentieren ihre Kaskadeur-Nummer als „Super Marios“ und besonders die Playstation-Generation hat ihre helle Freude an den lebendig gewordenen Computerfiguren. Rasant arbeiten die Brüder ihre Tricks, springen Saltos, kämpfen um den einzigen Stuhl und zeigen ihre Kaskaden rund um einen Tisch.

Clown Leonel Chaves präsentiert wieder einige neue Reprisen aus seinem schier unerschöpflichen Repertoire. Zunächst rockt er lieber zur Musik aus einem Ghetto-Blaster als, vom gestrengen Herrn Direktor angeordnet, die Bühne zu fegen. Der Ausgang der Meinungsdifferenz ist bekannt - der Ghetto-Blaster landet in der Tonne.

„Abladen!“ - „Aufladen!“ weist der August seinen Partner - Leonardo de Vos - im großen Entrée an. Immer wieder muss der August das „schwere“ Artistengepäck auf und von der Schulter wuchten und schließlich bricht er zusammen. Nun endlich dürfen sie gemeinsam mit dem Direktor musizieren, doch neue Komplikationen tun sich auf und schließlich stört ein „Ungeheuer“ das fröhliche Spiel der Clowns.
Im letzten Auftritt versuchen sich die beiden Spaßmacher vergebens als Hula Hoop Artisten, und die kleine, erst fünfjährige Serena muss mit einem gekonnten Auftritt und bereits beachtlichem Können die Situation retten.
Giody Ukmar erfreut als Koch sein Publikum mit einer Tellerjonglage. Routiniert lässt er die Teller auf ihren Stäben kreisen und, nachdem alle neun Teller rotieren finden auch die vier Löffel den Weg vom Tablett in die Gläser.

Ihre elegante Kür in der Kuppel des Chapiteau präsentiert Denise Chaves-Cannone nun an einem Kronleuchter. Im Zusammenspiel mit ihrem Mann, der das Geschehen mit einem live gesungenen romantischen italienischen Lied begleitet, begeistert die charmante junge Frau ihre Zuschauer. Elegant und spielerisch leicht wirkend erfolgt die umfangreiche Trickfolge in perfekter Abstimmung mit der Musik. Ein Gänsehaut-Moment par excellence -  wunderbar!
Der Weihnachtsmann und seine Gehilfen - Lionel Chaves mit seinen Assistentinnen - präsentieren zu Beginn des zweiten Programmteils eine muntere Hunderevue. Die quicklebendigen Jack Russell Terrier beherrschen ein breites Repertoire. Sie überspringen hohe Hürden, laufen auf einer Rolle, zeigen Rollover und balancieren auf einem Gymnastikball. Als Zofe kostümiert schiebt ein Hund einen weiteren im Kinderwagen und zwei „Paare“ tanzen in Sambakostümen auf der Bühne.

Tempojongleur Joshua Ukmar absolviert die ersten Touren mit Devil Sticks. Versiert lässt er einen Tennisschläger auf den Stäben tanzen. Die folgenden, vielseitigen Routinen werden mit Keulen ausgeführt, dann hält der junge Mann bis zu sieben Ringe sicher in der Luft. Abschließend schwirren Teller, Ufos gleich, durch das Zelt.
Als Höhepunkt der akrobatischen Darbietungen erleben wir die Rola-Darbietung des Duo Gaspard. Ein Flügel wird auf der Bühne in Stellung gebracht und im weinroten, mit glietzernden Steinchen besetzten Frack nimmt Ivo Monteiro daran Platz. Dann erklimmt er das Instrument und beginnt seine Evolutionen auf der Rola. Alle Requisitenteile sind optisch dem Thema 'Klavierkonzert' angepasst - Zwischenwalzen stellen stilisierte Zylinderhüte dar, Aufstiegshilfen wurden a la Klavierhocker gestaltet - und stilsicher in schwarz und weiß gehalten. Vater Gaspard nimmt bereits nach der Pause, einen angesäuselten Herrn in den besten Jahren mimend in einer Loge Platz. Dann erstürmt er in bekannter Manier als 'betrunkener Gast' die Bühne und ist mit einem Satz auf dem Flügel. Vom Direktor der Bühne verwiesen „stürzt“ er in einer Art, die Stühle mitreißend zurück in die Loge, dass keine Zweifel an der Echtheit des Sturzes aufkommen.
Nachdem der ältere Herr, Gaspard Monteiro ist unglaubliche fünfundsiebzig Jahre alt, auf der Rola den Straßenanzug, den er über dem Kostüm trägt, abgelegt hat, zeigen Vater und Sohn gemeinsam auf dem Flügel ihre Künste auf den fragilen Türmen unter ihren Rolabrettern.


Die „Magic Malters“ präsentieren zum Abschluss der Nummernfolge ihre Großillusionen. Gekonnt und temporeich erfolgen die Tricks, deren Präsentation mit einer Laser-Show effektvoll unterstützt wird.

Bunte Luftballons fliegen im Finale ins Publikum und Direktor Ricky Cannone übernimmt eloquent die Rolle des Sprechstallmeisters und stellt sein Ensemble vor. Traditionell verabschieden die Artisten und die Direktion das begeisterte Publikum am Ausgang persönlich.
Wie stets bietet der Wiener Circus auch in seiner Weihnachtsshow ein gutes, unterhaltsames Programm, dass geschickt arrangiert in einem stilvollen Ambiente bestens präsentiert wird. Ein Jeder der gerne gute traditionelle Circuskunst erlebt, sollte einen Besuch dieses liebenswerten Circus nicht versäumen.