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Text und Fotos Friedrich Klawiter
FREIWALD 'S MENAGERIE CIRCUS
Rosmalen, 05. September 2009

www.menagerie-circus.nl
Ein neuer Stern erstrahlt seit einigen Monaten am Circushimmel. Die bekannte Tierlehrerfamilie Freiwald reist nun mit einem eigenen Unternehmen durch die Niederlande. Ein kleiner feiner Circus ist entstanden und zeigt sich in der Spätsommersonne von seiner Schokoladenseite. Ein blau-gelber Viermaster von vierundzwanzig Metern Durchmesser bildet das Zentrum des Unternehmens. Anstelle von Lichterketten hat man sich für LED bestückte Lichtschläuche zur abendlichen Illumination des Chapiteaus entschieden. Der dekorative Frontzaun trägt noch Kappenlampen, die, der farblichen Angleichung und der drohenden Ausmusterung von Glühlampen wegen, in nächster Zeit ebenfalls gegen LED-Leuchten ausgetauscht werden.
Die weiß-blauen Transporte und Campings sind rund um das Chapiteau platziert und hinter dem gepflasterten Bereich des Platzes ist auf einem Grünstreifen der geräumige Stall mit Außengehegen für die zahlreichen vierbeinigen Circusmitglieder errichtet.
Im Chapiteau finden wir neben dem sechsreihigen Gradin und den dekorativen Logen einen edel wirkenden Artisteneingang aus dunkelrotem Stoff. Die großzügig dimensionierte Lichtanlage überrascht mit achtundvierzig hochmodernen LED Scheinwerfern.


Wie der Name des Circus bereits vermuten lässt handelt es sich um ein klassisches Programm mit vielen Tierdarbietungen, dass in zeitgemäßer Verpackung präsentiert wird. Basis sind die interessanten abwechslungsreichen Tierdressuren der Familie Freiwald, die geschickt mit ansprechender Artistik ergänzt wurden.
Eine Stimme aus dem Off, sie gehört zu dem bekannten holländischen Circusfotografen Piet-Hein Out der die Plakate, Eintrittskarten und Webauftritt für das junge Unternehmen erstellt hat und auch in die Regie eingebunden ist, macht die üblichen Durchsagen. Dann weist man auf kleine technische Probleme „bei der ersten Vorstellung“ hin. Flackerndes Licht, falsche oder keine Musik und leichtes Chaos bei den Requisiteuren - Thijs „vermisst“ seine Hose, die auf der Piste liegt - gehören zum Opening. Nachdem das „Hosenproblem“ zur allgemeinen Erheiterung gelöst wurde, kann Manegensprecherin Natascha Freiwald in perfektem holländisch das Publikum begrüßen.

Dann sehen wir Monika Freiwald mit einem besonderen Groß-und-Klein in der Manege. Zu Michael Jackson' s 'Thriller', zeigen ein Friese und ein Zebra ihr Können. Sehr effektvoll  präsentiert -  weiße Geschirre der Tiere, schwarzes Kostüm mit Hut der Vorführerin, schwarz/weiß umkleidete Tonneaus - wird diese Nummer komplett und stimmig in den Farben umgesetzt. Fehlerfrei und willig präsentieren sich beide Tiere in den erlernten Figuren. Kurz darauf steht Monika Freiwald im Mittelpunkt der liebevoll gestalteten Bauernhof-Tierrevue. Zwei Schweine, drei Gänse, Ziege und ein Terrier erfreuen nicht nur die Kinder im Zuschauerraum mit ihren Aktionen. In einer weiteren Dressurfolge werden sechs Lamas von der Direktorin vorgeführt. Ruhig und sicher leitet die versierte Tierlehrerin die scheuen Fluchttiere zu ihren Figuren an. Im Stil einer Pferdefreiheit gestaltet, findet die Darbietung im Sprung eines Lamas über eine Stange, die die kniende Vorführerin über den Kopf hält, ihren Abschluss.
Direktor Lutz Freiwald, am Vorabend unseres Besuches hatte er sich die linke Hand gebrochen und war durch seinen Gips leicht gehandikapt, präsentiert die afrikanische Elefantenkuh Buba. Im Zusammenspiel mit zwei Zebras wird eine flotte Laufarbeit geboten.
Die Reihe der Dressurnummern wird vom Junior Jeffry komplettiert. Zwei Kamele und vier Lamas hören auf sein Kommando. Auch dieser Auftritt steht, wie alle Darbietungen der Familie unter einem Motto und wird entsprechend gestaltet präsentiert. In diesem Fall 'kämpfen' die Geschwister Jeffry und Natascha als Piraten um eine Schatzkiste, aus der durch ihr öffnen die Tiere „hervor gezaubert“ werden. Zur Musik aus 'Fluch der Karibik' sehen wir eine sehr ansprechende Arbeit der Kamelioden.

Außer so vielen erstklassigen Dressurdarbietungen werden selbstverständlich auch ebenbürtige artistische Acts geboten. Da ist zunächst Thijs de Waard der als komischer Requisiteur, in der dieser Rolle war er auch in den beiden letzten Produktionen von Arlette Hanson im Wintercircus zu sehen, mehrfach in Erscheinung tritt. Auf dem Schlappseil macht er ebenfalls eine ausgezeichnete Figur und präsentiert eine Reihe ansprechender Tricks. In einigen Reprisen ist Manuel Fontner zu sehen. Alleine, zusammen mit den Requisiteuren und auch mit Publikumsbeteiligung verbreitet er Frohsinn. Eine junge Frau nimmt allerdings eine Pointe weg, als sie entgegen aller Erwartung einen perfekten Rückwärts-Flickflack aus dem Stand springen kann. Sein Bruder Ronnie, er sollte seine Tellerjonglage zeigen, kann derzeit wegen eines Kreuzbandrisses leider nicht auftreten.

Aus Italien kommen Maya Orfei und ihr ungarischer Partner Ivan Makay. Dieser produziert sich zunächst zu dramatischer Musik, mystischem Licht und ebensolcher Aufmachung an den Strapaten. Gleichermaßen kraftvoll-elegant wie bedeutungsschwanger werden die genreüblichen Abläufe geboten. Maya Orfei folgt wenig später mit ihrer Kür an Strapatentüchern. Ihr Auftritt ist ohne Theatralik ganz als klassische Circusdarbietung konzipiert. Gemeinsam sehen wir das Paar dann an einem riesigen, das kleine Chapiteau beherrschenden Spinnennetz. Dieses ist in der Vertikalen schräg, oben direkt mitten in der Kuppel und unten am hinteren Mastenpaar befestigt, gespannt wobei nicht in der üblichen Art an ihm gearbeitet wird. Die gezeigte Trickfolge entspricht der, die ein Duo an Trapez oder Haltestuhl bietet und das Netz dient in allererster Linie als dekorativer Rahmen. Alle drei Luftnummern sind für größere und vor allem höhere Zelte konzipiert und büßen auf Grund des teils extrem geringen Abstandes der Akteure zum Manegenboden leider ein wenig von ihrer Publikumswirksamkeit ein.

Edel gewandet, schwarz ist die vorherrschende Farbe, präsentiert sich die Truppe zum Finale. Natascha Freiwald stellt Artisten und Mitarbeiter vor und verabschiedet das begeisterte Publikum. Lange anhaltender frenetischer, teils stehend dargebotener Applaus legt beredes Zeugnis davon ab, dass die Erwartungen des Publikum weit mehr als erfüllt wurden. Eine nette Idee, dass die Akteure im Bereich des Vorzeltes Aufstellung genommen haben, als die Menge aus dem Zelt strömt und so der eine oder andere Besucher die Gelegenheit zu einem persönlichen Wort mit den Artisten hat.