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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE FABIO ZAVATTA
Behren les Forbach, 13. September 2014

„Zavatta“ ist ein in Frankreich überaus beliebter Circusname. Er soll Assoziationen an den legendären Clown und Circusdirektor „Achille Zavatta“ erzeugen und somit an dessen Glanz und Größe partizipieren. In Verbindung mit den unterschiedlichsten Vornamen und Zusätzen reisen wohl mehr als vierzig „Cirque Zavatta“ durch die Lande.
Christian Prein betreibt sein respektables Familienunternehmen seit einer Reihe von Jahren unter dem Namen „Fabio Zavatta“. In Behren les Forbach, einer lothringischen Gemeinde unweit von Saarbrücken hatten wir die Gelegenheit zu einem Besuch des Circus. Auf einem eingezäunten Freizeitgelände des Ortes war der Circus direkt am Schnittpunkt zweier Landstraßen aufgebaut.
Der eindrucksvolle Fassadenwagen lädt mit seinem attraktiven Äußeren zum Besuch. Die interessant geformten ausklappbaren Elemente geben der Fassade Chic. Das gesamte Fahrzeug ist ringsum, also auch auf den Rückseiten aller Klappen, mit Circusmotiven in perfekt ausgeführter Airbrushtechnik dekoriert. Großflächige Tiger-, Löwen-, Elefanten- und Clowns-Konterfeis blicken den Besuchern entgegen.  Eine elegant geschwungene blanke Metalltreppe mit Edelstahlgeländer führt zur eingebauten Kassenbox. Gekonnt geschwungen wurde sie aufwändig aus blankem Metall und Plexiglas gefertigt. Auch der gesamte Innenraum des Wagens ist aufwändig per Airbrush mit diversen Motiven gestaltet. Auf dem blanken Riffelblechboden sind zwei flauschige, wie neu wirkende, rote Teppiche ausgebreitet und das lichtdurchlässige Fahrzeugdach sorgt für  Helligkeit.
Neben dem Frontwagen haben die Wagen der beiden Raubtiergruppen ihren Platz und sind so für alle Passanten bestens sichtbar. Der umfangreiche moderne Fuhrpark des Circus ist einheitlich in rot lackiert und der Circusnamen prangt in großen gelben Lettern auf den Seiten. Selbstverständlich ist auch hier die Logistik so strukturiert, dass das Unternehmen in einer Fahrt verlegt werden kann.
Die riesigen Wohnwagenzüge der Familie Prein wurden von der französischen Edelschmiede Laurent gebaut und weisen allen erdenklichen Komfort auf.
Die hohe spitze Kuppel des rot-gelb gestreiften Zwei-Masten-Chapiteau bestimmt die Silhouette des Circus. Vier weit auskragende Quaderpools geben dem Zelt seine Form.
Die Pferde und Exoten grasten friedlich in einem Paddock neben dem Zelt. Hier sind auch die mit großen seitlichen Klappen und Rampen versehenen Tiertransporter platziert. Ihr Inneres ist zu Boxen ausgebaut und macht so den Einsatz von Stallzelten überflüssig.
Das Chapiteau betritt man direkt neben dem Artisteneingang, der aus einer roten Plastikplane besteht. Hinter den weißen Logenstühlen befindet sich ein steiles massives vierreihiges Gradin typischer französischer Bauart. Ein kleiner feiner Restaurationswagen, er steht auch während der Show zur Verfügung, hat seinen Platz neben dem Eingang.

Direktor Christian Prein fungiert als „Monsieur Loyal“. In charmanter Manier begrüßt er mit sonorer Stimme das höchst zahlreich erschienene Publikum und führt im Übrigen in souveräner Weise durch das Programm.
Mit einer Raubtierdressur von Christian Prein junior nimmt die Programmfolge ihren Beginn. Seit rund vier Wochen verfügt der Cirque Fabio Zavatta über eine zweite Dressurgruppe mit vier jungen Löwen. Zur Zeit arbeiten die beiden Gruppen alternierend und wir sehen zwei Tiger und eine Löwin im Zentralkäfig. Gekonnt leitet der Dompteur die Abfolge, die eine Pyramide, verschiedene Sprünge, abliegen, Rollover und einen Balkenlauf enthält. Natürlich darf auch ein Scheinangriff in dem Repertoir heutzutage gängiger Tricks nicht fehlen.
Schnell ist der Käfig entfernt und Monsieur Philippe präsentiert die Cavallerie. Zunächst erfreuen die beiden weiße Ponys Aramis und d' Artagnan die jungen Zuschauer. Ihnen folgt ein weißer Hengst. Bald gesellt sich ein Pony zu der Einzelfreiheit und als ansprechendes Groß-und-Klein nimmt die Nummer ihren Fortgang.

Miss Regina produziert sich elegant am Ringtrapez. Die genreüblichen Figuren und Tricks werden flüssig geboten.

Unter dem Sammelbegriff „La Caravane exotique“ angekündigt, präsentiert Christian Prein junior die weiteren Tierdressuren des Hauses en bloc. Drei Dromedare, mit prächtigen petrolfarbenen Schabracken ausstaffiert, eröffnen das Exotentableau. Abwechslungsreiche Lauffiguren kennzeichnen die harmonisch vorgetragene Dressurfolge.
Drei Lamas, mit zierlichen Schabracken und Pailletten-Halsbändern top herausgeputzt, absolvieren einen variantenreichen Auftritt. Sie nehmen Leckerlis aus der Hand des Tierlehrers entgegen und bieten vielfältige Lauffiguren. Mit Sprüngen über eine immer wieder erhöht gehaltene Hürde endet der Auftritt eindrucksvoll.
Anschließend kommt ein asiatisches Steppenkamel in den roten Ring und zeigt sein Können.
Zum Abschluss der Exoten-Vorführungen sind die beiden Zebras „Harry“ und „Salima“ zu erleben. Vertrauensvoll nehmen sie die dargereichten Futterwürfel aus der Hand von Christian Prein und routiniert werden die verschiedenen Figuren gelaufen.

Monsieur Prein wendet sich an alle Tierfreunde und kommt damit zum heimlichen Programmhöhepunkt - der großen Tombola während der Pause. Das Chapiteau bleibt verschlossen und damit die allermeisten Besucher in seinem Innern. Die Tische mit den Gewinnen werden in der Manege positioniert und wortreich preist der Direktor die Lose an. Der Erlös aus dem Verkauf - ein Los zwei Euro, drei Lose drei Euro - komme ausschließlich dem Wohl der Tiere zu Gute. Bei solcherart moralischer Verpflichtung für alle „Tierfreunde“ finden die Lose reißenden Absatz. Keine Eltern, bzw. Großeltern die den Kindern dieses Vergnügen nicht bereiten und so wechseln die Trostpreise und Kleingewinne flott den Besitzer. Kaum hat sich die Aufregung im Gradin ein wenig gelegt, offeriert der Chef diverse Leuchtstäbe zum Kauf, da nur mit ihnen später die Clowns gebührend begrüßt werden können. Auch dieses Mal sind die Bemühungen von großem Erfolg gekrönt und nach wenigen Minuten, nachdem sich die meisten Besucher noch schnell mit Crêpes, Popcorn und Getränken versorgt haben, nimmt die Vorstellung ihren Fortgang.

Kenny Cagniac überzeugt als versierter und vielseitiger Jongleur. Mit fünf kleinen Bällen eröffnet er seine Evolutionen. Im Anschluss folgen viele Muster mit bis zu sechs Ringen. Umfangreich ist sein Können mit Keulen. Die unterschiedlichsten Routinen erfolgen mir drei, vier und fünf Requisiten.
Es folgt der Höhepunkt eines jeden französischen Circusprogramms - das große Entree der Clowns. Die Herren Prein, der Senior agiert in der Rolle des Weißclown und Phillipe gibt den August, legen sich mächtig ins Zeug und bieten ein Repertoire von beachtlicher Länge. Auf seiner Trompete spielend kommt der August in den Ring und das 'verbotene musizieren', nimmt seinen Beginn. Man bringt einigen Wortwitz und allerlei Klamauk. Die Kinder werden in den Ablauf eingebunden und gehen begeistert mit. Nach dem konfiszieren der Trompete kommt zunächst eine Druckluftfanfare und anschließend eine Reihe verschiedener Trillerpfeifen zum Einsatz. Der Tumult auf den Rängen ist groß und das Gekreische der Kleinen erreicht eine unglaubliche Lautstärke bis der Direktor endlich die letzte Pfeife an seinem Kragen „entdeckt“ hat.
Ziemlich unvermittelt endet nun die Vorstellung, die auf ein Finale verzichtet. Der Direktor verkündet das Ende des Programms, bedankt sich für den Besuch und entlässt mit einer kurzen Abschiedsformel sein Publikum. Kaum hat der Patron seine Ausführungen beendet, fällt auch schon die Rundleinwand und längst hat der letzte Gast das Zelt noch nicht verlassen als die temporeiche Demontage in vollem Gang ist.