Text  und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE Christiane BOUGLIONE
Paris, 11. Dezember 2011

http://lecirquedenoel-paris.com
Seit vielen Jahren ist der  Cirque Christiane Bouglione in der Pariser „Weihnachts-Gala-Circus“ Szene zuhause. Während des Jahres als Projekt-Circus arbeitend, bietet man in der Vorweihnachtszeit den Rahmen für Firmengalas.
Seit einiger Zeit werden die Zelte im Bois de Boulogne, nahe der Porte de Passy, direkt neben dem Cirque Alexis Gruss aufgeschlagen.

Ein roter Viermaster mit weißen Applikationen, Vorzelt, einige Pavillons und ein kleines Festzelt stehen für die Gäste bereit. Die Spannbänder an den Zäunen sind mit der Firmierung und „Cirque de Noel“ bedruckt. Einige wenige Wagen des Circus und die Fahrzeuge der Artisten komplettieren das Arrangement.
Rund eintausend Besucher finden auf den acht Gradinreihen und in den geschmackvoll dekorierten Logen Platz. Der Artisteneingang wirkt edel und eine sehr üppig dimensionierte Lichtanlage fällt gleich ins Auge. So wird in Verbindung mit dem häufigen Einsatz der Nebelmaschine und gekonnter Lichtregie eine zauberhafte Atmosphäre geschaffen.

Nachdem auch diese Veranstaltung mit einem „Valse Lumineuse“ eingestimmt wurde, und „Monsieur Loyal“ seine Begrüßungsansprache absolviert hat, ist die turbulente Hunderevue von Patric Clarrison als erste Darbietung zu sehen. „Hot Dogs“ ist das Motto der Nummer und passend zu diesem Thema sind die Requisiten gestaltet. Die Hundemeute und ihr Vorführer agieren mit Schwung und kommen beim jungen Publikum gut an.
Tibor Fröse tritt im Habitus eines Gladiators in die Manege. Vom Kampf gezeichnet, verschmutzt und „verletzt“ - dank Theaterblut für alle gut sichtbar - arbeitet er seine Strapatenkür. Zu dramatischer Musik und mit ebensolcher Attitüde wird eine Vielzahl hochkarätiger und kräftezehrender Tricks geboten.


Die tragende Figur des diesjährigen Programms im Cirque Christiane Bouglione ist Clown Matthieu. In zahlreichen Reprisen und einem Entree ist er während der gesamten Show präsent. Er kommt sympathisch daher und beim Publikum ausgezeichnet an. Golfspiel, Musik auf Seifenblasen, Filmszene, Glocken, und „Löwendressur“ und andere Szenen zeichnen sich durch Originalität, eigene Gags und ambitioniertes Spiel aus. Besonders ist hervor zu heben, dass Matthieu in allen Auftritten als sehr guter, variantenreicher Beatboxer den Reprisen eine ganz besondere Note verleiht.

Ofelia Nistorov gefällt mit ihrer Hula Hoop Darbietung. Modern gestylt, das knappe Outfit und die Ringe sind im gleichen neongrün gehalten, agiert die junge Artistin in weiten Teilen ihrer Darbietung auf einem kleinen Podium, dass von unten beleuchtet ist.
Die Geschwister Nistorov brillieren mit ihrer bekannten Rollschuhartistik. Die beiden Schwestern beherrschen eine große Anzahl attraktiver Tricks, während die Partnerin ihres Bruders nur einmal aktiv wird. Welch hohen körperlichen Belastungen Rollschuh-Artisten ausgesetzt sind, ist immer wieder sehr gut zu sehen - haben doch die Zuschauer, die ein paar Runden auf den Armen der Artisten mitfahren anschließend größte Probleme mit dem Gleichgewicht.

Den zweiten Programmteil eröffnet Sarah Schwartz mit einer Schweinekomödie. Die versierte Seiltänzerin - mit ihrer erstklassigen Darbietung war sie im letzten Jahr hier zu sehen - präsentiert nun in einer aufwändigen Küchendekoration ein Wildschwein. Leider leidet  diese sympatische Nummer ein wenig unter dem Verkauf der unerfahrenen Vorführerin.

Karl Trunk präsentiert in gewohnt sympathischer Manier seine Ponys. Die acht Minipferde laufen mit großer Präzision ihre vielfältigen Figuren. Mit Sitz-, Bettpferd, Karussellpferden und Schaukelponys ist die kleine Manege komplett gefüllt. Gerade diese Passage, mit Tricks die heutzutage kaum mehr zu sehen sind, kommt beim Publikum ausgezeichnet an. Ein hervorragender Vorwärtssteiger beschließt den vorzüglichen Auftritt.

Liu Xiu wurde vor ein paar Jahren bei Frankreichs TV-Show „Incroyable Talent“ - dem Pendant unseres „Supertalent“ - entdeckt. Nach Engagements bei Pinder ist sie mit ihrer Kontorsion Finalnummer in diesem Programm. Zahlreiche Tricks des Genres werden erstklassig geboten und durch die hervorragende Lichtregie in besonderer Weise unterstützt. Der Stand auf dem Mundstab mit Jonglage zweier kleiner Teppiche ist der Schlusstricks dieser gelungenen Darbietung. Allerdings ist die Platzierung der Darbietung vor dem Finale ein wenig unglücklich, da diese doch recht ruhige Arbeit den Schwung aus dem Ablauf nimmt.
Das Finale bei Christiane Bouglione ist stets eine festliche Angelegenheit. Zugaben und große Verabschiedung mit Einzelvorstellung der Artisten werden ausführlich begangen und endlich schließt sich der Vorhang, nachdem Mathieu noch ein letztes mal mit Weihnachtsmann und Helferinnen in die Manege kam und das Licht verlöscht.
Wie stets war im kleinsten der zahlreichen Gala-Chapiteaux in Paris das festlichste, liebevollst gestaltete Ambiente zu finden. Das gute Programm wird so noch einmal aufgewertet und die Besucher danken es mit reichlich Applaus.
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