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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE ACHILLE ZAVATTA FILS
Straßburg, 01. April 2017

Der Cirque Achille Zavatta von Renato Arsène Cagniac reist auf einer alljährlich ähnlich verlaufenden Route durch Frankreich. Auch in diesem Jahr ist man zu einem mehrwöchigen Gastspiel in Straßburg zu Gast. Wie zu meist gastiert man auf dem Parkplatz eines großen Einkaufscenters.
Die große, eindrucksvolle Fassade ist üppig mit Circusmotiven bemalt und lädt zum Circusbesuch ein. Die beiden Raubtierwagen mit den angegliederten großzügigen Freigehegen sind gleichfalls in der Front platziert und den ganzen Tag über finden sich Schaulustige davor ein, die die Löwen und weißen Tiger beobachten.
Das gelb-rot gestreifte Chapiteau mit der markanten hohen spitzen Kuppel strahlt hell im Sonnenschein. Vier hohe, weit auskragende Quaderpools formen die Kuppel.

Der umfangreiche Fuhrpark des Unternehmens, sechzehn Zugmaschinen mit Sattelauflieger plus einem weiteren Anhänger bilden Transporte enormer Länge, ist in langen Reihen um die Zeltanlagen platziert. Die rot lackierten Fahrzeuge tragen durchweg in großen gelben Lettern den Circusnamen. Ein sogenannter Road-Train, eine dreiteilige Sattelzug-Konstruktion, bietet Wohnraum für die Zeltarbeiter und Tierpfleger. Zudem sind hier Betriebsküche, Speiseabteil, Sanitärabteil und Waschmaschinenraum untergebracht.
Die riesigen Wohnwagenzüge der Familie Cagniac ergänzen den Fuhrpark.
In langen Ställen ist der umfangreiche Tierbestand des Circus untergebracht. In großzügigen Boxen haben die zahlreichen Pferde, Lamas, Rinder und Zebras ihre komfortable Unterkunft und die große Kamel- und Dromedarherde grast friedlich in einem Paddock.
Die Werbung des Unternehmens beschränkt sich nicht nur auf eine flächendeckende Plakatierung; man setzt, wie in Frankreich noch immer erlaubt und vielfach praktiziert, Werbewagen ein - hier drei an der Zahl, die mit Musik und Lautsprecherdurchsagen auf das Gastspiel aufmerksam machen.
In den letzten Monaten hat die Familie Cagniac wiederum Investitionen in Material und Ausstattung ihres schönen Circus getätigt. Einige der mächtigen Zugmaschinen wurden gegen neuere Modelle ausgetauscht und sämtliche Fahrerkabinen wurden mit einem neuen Dekor versehen. Die Lichtanlage wurde modernisiert und erweitert, Kugelköpfe und Lauflichter am Artisteneingang kamen hinzu und zum Gastspiel in Straßburg wurde das vorprogrammierte Lichtdesign erstmals per Laptop gesteuert. Ein neues, größeres und komfortableres Gradin ist in Auftrag gegeben und wird in den kommenden Wochen geliefert werden. Alle Familienmitglieder und Mitarbeiter wurden mit neuen, erstklassig gefertigten Uniformen und Kostümen französischer Couturiers eingekleidet. Last not least wurden sechs junge Pferde angeschafft und mit ihnen eine formidable Freiheitsdressur einstudiert.
Der prächtige Artisteneingang nimmt beim eintreten ins Chapiteau den Blick gefangen. Breite umlaufende Blenden an der raumhohen Konstruktion sind in gekonnter Manier als Vorhänge gestaltet und üppig dekoriert. Die neuen Lauflichter akzentuieren die Konturen und eine rote Gardine verbirgt die Geheimnisse des Kommenden bis die rechte zeit gekommen ist.
Hinter den eleganten, mit bequemen Polsterstühlen ausgestatteten Logen steht derzeit noch ein achtreihiges Holzbankgradin für die zahlreichen Besucher bereit.
Der Verkaufswagen der Circusrestauration sowie Popcorn und Zuckerwattestation haben ihre Plätze ebenfalls im Spielzelt.

Die diesjährige Show steht unter dem Motto „Equestre“ und wird vom hauseigenen Ballett schwungvoll eröffnet. Auf Plattformen, die auf der Piste angebracht sind führen die Tänzerinnen ihre Choreographie außerhalb des bereits aufgebauten Zentralkäfigs aus.

Direktor Renato Cagniac heißt das Publikum herzlich willkommen und agiert im weiteren Verlauf der Show als versierter und angenehmer „Monsieur Loyal“.
Die Nummernfolge beginnt mit der Tigerdressur von Yannick Cagniac. Drei weiße Tiger beherrschen eine große Anzahl Tricks, die in flottem Ablauf in erstklassiger Weise gezeigt werden. Weite elegante Sprünge, auch über den Vorführer hinweg, verschiedene Hochsitzer, Rollover, Teppich, Pyramide und Vieles mehr sind die Elemente der erstklassigen Darbietung.

Gleich im Anschluss ist Jessy Cagniac mit fünf Löwinnen zu erleben. Die Tempo geladene Darbietung beinhaltet ein breites Repertoire vorzüglicher und hervorragend gearbeiteter Tricks. Sprünge führen hinauf bis an den Rand des Zentralkäfigs und über andere Tiere hinweg. Hochsitzer in der Pyramide, am Platz und in der Manegenmitte wechseln mit rasant ausgeführten Scheinangriffen und Schmuseszenen ab. Abschließend wird der sich niederwerfende Dompteur von einer Löwin übersprungen.

Clown Figaro, alias James Biasini, reist in der zweiten Saison mit dem Circus. Der Käfigabbau wird überbrückt indem die Zuschauer gruppenweise zum Donauwalzer mit klatschen. Die Reprise mit dem weißen Hai kommt beim Publikum bestens an, wozu sicherlich auch sein Outfit - pinker seidener Bademantel, Duschhäubchen und sexy Badeanzug in grau-schwarzem grafischen Muster - entscheidend beträgt. Beim „Golfspiel“  geht ein Scheinwerfer zu „Bruch“ - die Gelegenheit eine Pause zu machen. Im zweiten Programmteil erleben wir Figaro zusammen mit einer Zuschauerin im „Kunstschützen-Entree“. Im turbulenten und pointierten Spiel zerplatzen einige Luftballons zur Freude der Besucher scheinbar vorzeitig und zielstrebig steuert das muntere Treiben auf den Höhepunkt zu.

Enrique und Djersey, neun- und vierjährige Nachwuchsartisten des Cirque Achille Zavatta Fils, sind in diesem Jahr in einer ersten gemeinsamen eigenen Darbietung zu erleben. Als rasanter Stehend-Reiter versteht es der junge Mann bereits ausgezeichnet sich in Szene zu setzen. Sicher steht er auf den vorwärts strebenden Friesenhengsten, führt gekonnt die Zügel und streckt stolz die Trikolore empor. Seine kleine Cousine präsentiert sich als verwegene Amazone auf einem lebhaften Pony und durchquert auf dem steigenden Pferdchen die Manege.
„La Famille Cagnic“ präsentiert vor der Pause den großen Exotenzug des Hauses.

Drei Kamele laufen eine umfangreiche Auswahl verschiedener Figuren unter der souveränen Peitschenführung von Yannick Cagniac. Ihnen folgen ein Zebu und zwei Watussi Rinder mit ihrem Part im roten Ring. Ein Dromedar dreht temperamentvoll einige Runden und läuft achten um zwei Postamente ehe es an der Piste abliegt. Drei Lamas überspringen das Trampeltier und überwinden abschließend eine hohe Barriere. Zu guter Letzt sind drei Zebras in der Manege zu bewundern.
Als letzte der erstklassigen Dressur-Darbietungen präsentiert Jessy Cagniac die neue Freiheitsdressur des Hauses. Vier goldfarbene und zwei schwarze Hengste laufen eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren. Pirouetten und Volten, Gegenläufe und flechten und eine Reihe anderer Figuren werden souverän ausgeführt und die stark kontrastierenden Fellfarben sorgen für zusätzliche interessante optische Eindrücke. Ein Pony und zwei Araberhengste bieten als Da Capo eine Reihe eindrucksvoller, exzellenter Steiger.


Im akrobatischen Teil des Programms sehen wir Mademoiselle Sabrina Cagniac mit ihrer erstklassigen Kür am Vertikalseil. Anmutig arbeitet die charmante junge Frau eine Vielzahl anspruchsvoller Tricks des Genres in erstklassiger Ausführung. Die formidable Luftdarbietung erhält eine weitere Dimension durch die elegante Hohe Schule, die Jessy auf einem feurigen Andalusier reitet während seine Schwester durch die hohe Kuppel schwebt.
Das „Duo Vertical“ präsentiert eine erstklassige Perch-Darbietung. An der Spitze einer hohen Stange, deren Kopfteil sich je Erfordernissen der Tricks wechseln lässt, werden vielerlei Figuren des Genres gekonnt ausgeführt. Handstände und Absteher erfolgen routiniert im Wechsel und als Höhepunkt des Auftritts sehen wir einen Handstand mit einer Pirouette
Eine weitere Luftdarbietung arbeitet Kristian Krisza an den Strapaten. Kraftvoll werden die verschiedenen Posen gehalten und weite Flüge füllen die weite Zeltkuppel.
Als Final-Darbietung arbeiten Kristian Krizsa und Tibor Mihalovics eine veritable Hand-auf-Hand Darbietung. Vollkommen selbstverständlich, spielerisch leicht wirkend, werden auch kraftraubende anspruchsvolle Figuren mit großer Sicherheit ausgeführt. In souveräner Manier reihen die beiden ungarischen Artisten die attraktiven Tricks aneinander.
Zum großen Finale versammelt sich die Mitwirkenden noch einmal in der Manege. Das Ballett bietet gemeinsam mit Clown Figaro eine schwungvolle Choreographie und Direktor Renato Arsène Cagniac stellt seine Familienmitglieder und die engagierten Artisten noch einmal vor. Mit temperamentvoll vorgetragenen Zugaben verabschieden sich die Akteure von ihrem begeisterten Publikum, das mit frenetischem Beifall seinem Gefallen Ausdruck verleiht.
Wie immer bietet die Familie Cagniac ein leistungsstarkes, traditionelles Circusprogramm auf hohem Niveau, dass alle Erwartungen die an diese Unterhaltungsform gestellt werden bestens erfüllt und wo sonst sieht man noch zwei Raubtier-Darbietungen in einer Show. Ein Besuch dieses Circus ist stets, auch bei langen Anfahrtswegen lohnenswert.
Man gastiert noch rund drei Wochen in Straßburg, danach in Selestat und St. Louis und somit noch einige Zeit in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze.