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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRQUE ACHILLE ZAVATTA FILS
Straßburg, 12. April 2014

Die alljährliche Route durch Frankreich führte den Cirque Achille Zavatta Fils von Renato Arsène Cagniac in diesem Frühling ins Elsass, mit vielen Gastspielen nahe der deutschen Grenze.
Derzeit gastiert der Circus in La Vigie am südlichen Rand von Straßburg.
Auf dem Parkplatz eines Einkaufscenters in einem stark frequentierten Gewerbegebiet ist der Circus aufgebaut. Die große markante, eindrucksvoll und üppig mit Circusmotiven bemalte Fassade lädt zum Besuch des Circus ein. Unmittelbar daneben, ebenfalls in der Front sind die beiden Raubtierwagen mit ihren geräumigen Freigehegen platziert; den ganzen Tag über stehen viele Schaulustige vor den Gehegen und beobachten mit Interesse die Löwen und weißen Tiger des Circus.
Eine hochaufragende spitze Kuppel krönt das rot-gelb gestreifte Chapiteau. Vier hohe und sehr weit auskragende Quaderpools verleihen der Plane ihre typische Silhouette.
Der umfangreiche moderne Fuhrpark ist rings um das Chapiteau aufgestellt. In einer kurzen Winterpause wurden sämtliche Fahrzeuge mit einer neuen Lackierung in den Hausfarben, leuchtendes rot mit gelber Beschriftung, versehen.
Die riesigen Wohnauflieger der Familie Cagniac sind in zwei Reihen aufgefahren.
Zwei große Stallzelte geben dem umfangreichen Tierbestand Unterkunft. Geräumige Boxen beherbergen zahlreiche Pferde, Lamas, Zebras und Rinder. In einem Paddock auf einer Wiese grast friedlich die Kamelherde.
Der Werbeaufwand des Cirque Achille Zavatta ist umfangreich. Die Plakatierung erfolgte flächendeckend. Zusätzlich sind den ganzen Tag über die Werbewagen unterwegs, machen - in unserem Nachbarland ist dies möglich - mit Musik und Lautsprecherdurchsagen auf das Circusgastspiel aufmerksam.
Ein steil aufragendes Holzbankgradin mit acht Sitzreihen und Logen, die mit bequemen Polsterstühlen ausgestattet sind, stehen für die Besucher bereit. Eingerahmt von einem hohen, elegant geschwungenen Gitterrohrbogen bildet roter und goldener Stoff den  Artisteneingang. Der Wagen der Circusrestauration hat seinen Platz gleichfalls im Chapiteau. 

Die Ränge sind allerbestens gefüllt, als Clown Chico, alias Samuel Cagniac, zum Auftakt des Programms das Publikum mit seinem Applaus-Wettbewerb anwärmt.
Direktor Renato Arsène Cagniac heißt das Publikum zur neuen Show „Afrika“ herzlich willkommen. Er führt als versierter „Monsieur Loyal“, der seine Familienmitglieder gekonnt vorstellt, in angenehmer und unaufdringlicher Weise durch das unterhaltsame Programm.
Gemäß der französischen Circustradition beginnt die Show mit einer Raubtierdressur.
Drei weiße Tiger werden von Yannick Cagniac souverän in einer trickreichen Dressur präsentiert. Elegante Sprünge, auch über den Vorführer hinweg, folgen auf eine gekonnte Pyramide. Teppich und Rollover sind weitere Elemente und mit eindrucksvollen Hochsitzern findet die Darbietung ihren Abschluss.
Flott ist der Zentralkäfig abgebaut und die Kulisse einer Burg aufgebaut. An einem Schminktisch nimmt eine junge Frau im eleganten Ballkleid Platz und alsbald schwebt sie zu Walzerklängen in den Armen eines „Prinzen“ durch den roten Ring. Die Geschwister Jessy und Sabrina Cagniac haben die erstklassige Vertikalseilnummer der jungen Artistin in ein neues Bild gekleidet und präsentieren sie nun als Cinderella-Adaption. Elegant und kraftvoll werden die Tricks unter der Kuppel ausgeführt und routiniert folgen die Aktionen aufeinander. Selbstverständlich dürfen effektvoll ausgeführte Wirbel nicht fehlen und mit dem ausdrehen an einem Arm erreicht die Trickfolge ihren Höhepunkt.
Jessy Cagniac reitet eine stimmungsvoll in Szene gesetzte Hohe Schule. Die Aktionen werden vom hauseigenen Ballett in idealer Weise begleitet und so der Schauwert der Darbietung gesteigert. Zur Musik der „Gipsy Kings“ werden im „spanischen“ Look elegante Bilder geboten.

Clown Chico, Samuel Cagniac überzeugt auch in diesem Jahr in dieser Rolle, unterhält die Besucher mit seinen Späßen. Mehrere Auftritte werden temporeich und mit großer Spielfreude gestaltet. Nach dem Opening sehen wir den Clown als Magier. Im weißen Frack präsentiert er sein Können und verwandelt zunächst ein Huhn in einen Stoffhasen. Nun benötigt er eine Assistentin und Ehefrau Elena tritt als „chic herausgeputzte“, exaltierte und völlig überdrehte Hilfskraft in Aktion. Mit großem komödiantischen Talent sorgt das Paar für herzhafte Lacher und verblüfft mit seinen magischen Tricks.
Wenig später leitet er, im Zusammenspiel mit seinem Sohn, mit der „Popcorn-Szene“ zur Pause über.
Im zweiten Teil treibt Chico seine Späße mit Zuschauerkindern und fängt von ihnen geworfene Bälle in einem großen Netz, während ein erwachsener Logengast sich vergeblich bemüht.
In zwei Auftritten präsentiert die jüngste Artistin, die etwa zehnjährige Cassy, ihre Kunst. Zunächst kombiniert die jugendliche Akrobatin Tricks am Trapez und Kautschukarbeit zu einer stimmigen, temperamentvollen Nummer.
Wenig später sehen wir die Nachwuchsartistin als Vorführerin eines Ponys. Gekonnt und selbständig agierend lässt sie das Minipferd seine Lauffiguren durch vier große Metallreifen ausführen.
In einem weiteren Auftritt präsentiert Sabrina ihre Hula Hoop Show. Mit ihrer jugendlich frischen Ausstrahlung gewinnt die charmante Artistin sofort die Sympathien des Publikums. In vielerlei Varianten kreisen die Reifen um den Körper der jungen Frau.

Jessy Cagniac überzeugt als versierter, erstklassiger Tierlehrer. Eine harmonische Freiheitsdressur von sechs Arabern in zwei Farben leitet der junge Dresseur mit großer Souveränität. Ruhig und gekonnt werden die abwechslungsreichen Lauffiguren, Pirouetten und Volten  ausgeführt. Völlig fehlerfrei bieten die Hengste unter der eleganten Peitschenführung von Jessy Cagniac ihr Repertoire dar. Etliche verschiedene Steiger runden diese feine Leistung ab.
Während der Pause wurde der Raubtierkäfig ein zweites Mal in der Manege installiert und der zweite Programmteil beginnt mit einer weiteren hauseigenen Raubtierdarbietung.
Jessy Cagniac präsentiert eine rasante und in hohem Tempo gearbeitete Dressur mit fünf Löwen. Nach einer beeindruckenden Pyramide beweisen die Raubkatzen ihr enormes Sprungvermögen und präsentieren perfekte Hochsitzer. Mehrere fulminante Scheinangriffe lassen den Dompteur bis an die Gitterstäbe zurück weichen und sorgen für entsprechenden Nervenkitzel. Natürlich gehört auch eine Schmuseszene zum Repertoire und mit einem rasanten Sprung einer Löwin über den sich niederwerfenden Vorführer hinweg findet die Darbietung ihren Abschluss.
Miss Kassandra arbeitet eine weitere Luftdarbietung im Programm. Am Ring präsentiert sie gekonnt und elegant ihre Tricks.

Ein Baldachin aus rot und gold gemustertem Stoff spannt sich bis in die Kuppel des Chapiteau und verleiht dem abschließenden Schaubild den rechten Rahmen. „La Troupe Africa“ - das hauseigene Ballett - erobert die Manege. Die fünf Damen zaubern mit ihrem stimmigen Tanz die perfekte Atmosphäre ins weite Rund, dann erleben wir „La Caravane Exotique“ - den großen Exotenzug des Cirque Achille Zavatta Fils. Drei weiße Dromedare zeigen unter der Peitschenführung von Jessy Cagniac eine umfang- und abwechslungsreiche Laufarbeit. Majestätisch ziehen sie ihre Bahnen und  flüssig vorgetragenes flechten beendet den Auftritt. Es folgen drei Watussi, dann läuft ein Kamel seine Figuren. Die Damen des Ballett sind jederzeit in der Manege und vor der Gardine in den Ablauf eingebunden.
Sechs Lamas werden gekonnt vom jüngsten „Dresseur“ des Circus vorgeführt und überspringen das abliegende Kamel. Der Nachwuchsdresseur ist es auch, der die beiden Zebras ihre Runden absolvieren lässt.
Zum großen Finale versammelt sich die komplette Familie Cagniac noch einmal in die Manege. Mit viel Schwung erfolgen die Zugaben und das Publikum dankt mit langanhaltendem, lebhaften Applaus für ein gutes, unterhaltsames Programm.
Clown Chico tritt im Nachthemd in den roten Ring und bedeutet den Anwesenden, dass die Show vorbei und es nun an der Zeit sei zu gehen. Er nimmt an einem Tisch Platz, schminkt sich ab, dann verlöscht das Licht und die Show ist aus.
Wie in jedem Jahr hat die Familie Cagniac mit einem leistungsstarken, sowie professionell und ambitioniert dargebotenen Programm, dass von erstklassigen Tierdarbietungen gekrönt wird, ihr Publikum restlos begeistert.

Noch bis zum 28. April gastiert der Circus in Straßburg La Vigie, anschließend führt die Tournee nach Selestat und St. Louis bei Basel.