Text und Fotos Friedrich Klawiter                                                 
BONNER WEIHNACHTSCIRCUS
Bonn, 20. Dezember 2012

www.bonner-weihnachtscircus.de
Der Bonner Weihnachtscircus von Veranstalter Manuel Fischer, erlebte in diesem Jahr seine sechste Ausgabe. Zum zweiten Mal waren die Zeltpaläste auf dem prominenten Platz nahe des Zentrums an der Beethovenhalle aufgebaut.
Ein größeres, neu erworbenes Chapiteau dominiert das Gelände. Früher war das weiße Zelt mit den blauen Absetzungen mit dem Circus von Louis Knie jun. auf Tour. Ein passendes Vorzelt ergänzt die Anlage. Der weiße Stakettzaun und der Kassencontainer sind mit Tannengrün weihnachtlich geschmückt.
Im Vorzelt wurde neben der Circusrestauration ein Kinderkarussell für die kleinen Besucher aufgebaut. Ein großer Weihnachtsbaum steht im Zentrum des Foyers.
Das Innere des Chapiteau wartet mit einer stilvollen Einrichtung auf. Die Bankreihen sind mit rotem Samt bespannt und rot-goldene Balkonlogen bilden den oberen Abschluss. Die Vorderwände der Logen, deren Stühle selbstverständlich gepolstert sind, zeigen ein elegantes goldenes Dekor. Die Innenseite der Piste wurde mit einem Blütenranken-Dekor versehen und der Artisteneingang passt sich dem edlen Ambiente an. Die sieben Musiker des guten Circusorchesters, das leider nur sehr wenige Nummern begleiten darf, sitzen auf dem Podium über der Gardine.

Die Premiere wurde mit einigen lokalen Attraktionen erweitert und so eröffnete der Kindercircus „Don Meloni“, anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens, den bunten Reigen und präsentierte einen kurzen Querschnitt seines Programms in der Manege. Die jungen Freizeitartisten drehten Teller, jonglierten mit Bällen und liefen Seil.
Nach dieser Einlage startete das Programm mit einem Charivari aller Artisten. Dieses bunte Bild geht nahtlos über in die Präsentation einer Einzelfreiheit durch Johnny Weisheit. Ein Pintoschecke läuft verschiedene Figuren, zeigt den Spanischen Tritt und einige temperamentvolle Steiger beenden den Auftritt.
Wenig später sehen wir den Dresseur, nun im Kostüm eines Orientalen und Clownschminke im Gesicht, zwei Kamele zu ihrer Laufarbeit anleitend. Als Da Capo umrundet ein Pintoschecke die beiden auf Tonneaus stehenden Trampeltiere in Form von achten. Im zweiten Programmteil präsentiert Johnny Weisheit einen Vierer-Zug Freiheitspferde in einer souverän vorgetragen Dressur. Die gängigen Abläufe erfolgen harmonisch und ein Kruppen-Steiger rundet den Auftritt in gelungener Weise ab.

Die Toni Alexis Clowns Family bringt vier Reprisen und Entrees aus ihrem großen Repertoire. „Ist der Herr Direktor zu sprechen?“ wird Weißclown Tonito zunächst von den Augusten gefagt. Nach mehrmaligem verneinen möchten sie ihm ihr Anliegen dann doch nicht vorbringen. Luftballons stellen ein Problem dar, jedenfalls wenn Alexis sie in die Hand nimmt. Magische Kräfte sind ihm hingegen zu eigen, melkt er aus einem Gummihandschuh in einen Eimer. Ungläubig schaut sein Gegenspieler zu, wie aus dem Handschuh kein Tropfen zu Tage tritt, sich im Eimer aber stets ein „Milch“ zeigt, schüttet man ihn aus. Alle Register zieht das Trio beim abschließend gebotenen Karate-Entree und mit gekonntem gemeinsamen musizieren verabschiedet man sich vom Publikum.

Zwei erstklassige Tierdarbietungen kommen vom Circus Frankordi. Zunächst präsentiert „Mr. Jack Russell“ sieben Hunde in einem trickreichen Auftritt. In hohem Tempo läuft die Darbietung ab und die Vierbeiner sind voller Spielfreude bei der Sache. Im zweiten Teil präsentiert der junge Mann als „Anton aus Tirol“ eine Bauernhofnummer mit vielen Tieren verschiedenster Rassen. Zwei Allgäuer Kühe, Ziegen, Schafe, Laufenten, Hühner, ein Terrier und ein Pony - sie alle haben ihren großen Auftritt in dieser trickreichen, perfekt vorgetragenen Tierrevue. Als Beispiele für die große Anzahl attraktiver Tricks seien hier genannt - die Schafe passieren im Gegenlauf zwischen den Kühen hindurch und die Laufenten neben ihren Weg unter den auf Tonneaus stehenden Kühen hinweg. Auf einer Bohle, die über den Rücken der Kühe gelegt wird, balanciert eine Ziege und der Terrier überspringt sie unterdessen, zudem agiert der kleine Hund als Reiter des Ponys.

Helena Kaiser jongliert gekonnt mit Fußbällen. An diesem Abend wurden zu Beginn des Auftritts vier Fußballer des  Bonner SC mit in die Nummer eingebunden. Dann zeigt die Artistin ihr umfangreiches Können. Bis zu fünf Bälle jongliert sie sicher und schnell in variantenreichen Routinen.
Die Truppe Fedorovi agiert temperamentvoll am doppelten Reck. Viele, aus dem Turnbereich stammende Übungen, werden elegant dargeboten und mit Sprüngen von einer zur anderen Reckstange kombiniert.
Zu den „Special Acts“ des Premierenabends gehörte eine, wohl aus dem Karneval kommende, Tanzformation, sowie Yasmina Hunziger. Diese war Teilnehmerin der Casting Show „Voice of Germany“ und performte in beidn Programmteilen einen Song.

Peter Panasiuk Elidor kommt in Begleitung von zwei Kakadus in die Manege. In einem giftgrünen Kostüm, an dem vielen kunterbunten Stoffähnchen flattern, präsentiert er seine gefiederten Artisten. Zwei Aras kommen im Verlauf des Auftritts noch hinzu. Unter anderem fahren sie fahren Rad und laufen auf Rollschuhen. Ein kleiner Hund, der eine Reihe verschiedener Sprünge beherrscht, ist in den Ablauf integriert. Abschließend präsentiert der Vorführer, etwas überraschend und zusammenhanglos, einmal die Manege umrundend, dem Publikum eine kleine Schlange.
Die Hauskatzendressur von Eva Chris komplettiert die zahlreichen Darbietungen mit Tieren in diesem Programm. In einem Bollerwagen, der von einem großen Hund gezogen wird, gelangen einige vierbeinige Akteure in die Manege. Die weiteren werden aus einer Fluchtkiste hervor „gezaubert“. Charmant präsentiert, zeigen die Stubentiger routiniert ihr Können. Sie balancieren über einen Balken, hangeln sich an dessen Unterseite entlang und führen weite Sprünge von einem zum anderen Podest vor. Ein Flaschenlauf wird mit der gleichen Selbstverständlichkeit vorgeführt, wie der Sprung durch den Feuerreifen.
Dimytro beginnt seine Kubus-Jonglage hoch unter der Kuppel mit einigen Tricks an Ketten. Hernach wird ein Röhrenkubus in mannigfaltiger Weise umher gewirbelt.

Die Flying Milla eröffnen den zweiten Programmteil mit ihrem temperamentvollen Auftritt am Fliegenden Trapez. Ein Flieger und die beiden Fliegerinnen präsentieren eine Reihe attraktiver Salti und Pirouetten. Eine Passage markiert Höhepunkt und Abschluss ihrer Evolutionen.
Die Finalnummer ist einer Formation schwarzafrikanischer Artisten vorbehalten. Die „Zuma Boys“ betätigen sich, in folkloristisch inspirierten Kostümen und mit Kriegsbemalung im Gesicht, als Pyramidenbauer und Springer. Ihre Pyramiden sind oftmals ähnlich der  von marokkanischer Truppen gezeigten und werden auch, abweichend von der bei schwarzafrikanischen Artisten üblichen Praxis, lange gehalten.
Mit dem Einmarsch der Artisten nimmt das Finale seinen Anfang und Rinmasterin Edita, die während der Show nur wenig in Erscheinung trat, stellt die Mitwirkenden vor. Das Publikum bedankt sich mit anhaltendem Applaus und nach deutlich mehr als drei Stunden, auf Grund der zahlreichen Einlagen, geht die Premiere zu Ende.
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