Text und Fotos Friedrich Klawiter
Bonner Weihnachtscircus
Bonn, 17. Dezember 2009

www.bonner-weihnachtscircus.de
Bereits zum dritten Mal veranstaltet Manuel Fischer einen Weihnachtscircus in Bonn. Die von James -Jungeli- Sperlich erworbenen Zeltanlagen wurden wieder im Norden von Bonn am Sportpark errichtet. Blitzsauber steht der Circus da und lässt erste Neuerungen und Weiterentwicklung erkennen. Der Frontzaun ist nun größer, zeigt aufwändigeres Dekor und mehr Licht.
Mit winterlichen Motiven bemalte Spannbänder sind im Vorzelt ringsum zu sehen, zahlreiche Verkaufsstände, üppige Dekoration und entsprechende stimmungsvolle Beleuchtung sorgen für sehr viel Atmosphäre. Lubino wurde als Werbe-Ikone engagiert und unterhält die auf den Einlass Wartenden. Auch im Chapiteau gibt es dezente Veränderungen in Dekoration und Ausstattung.

Zur Premiere gab der Nikolaus eine kleine Einlage und dann spielt das hervorragende sechsköpfige Orchester unter der Leitung von Stanislav Kasprzak schwungvoll und stimmig auf. Die Nummernfolge startet raumfüllend mit der Gruppenjonglage des Trio Jung. Ringe und Keulen werden von den beiden Brüdern und ihrer Mutter versiert in der Luft gehalten. Wenig später zeigt David Jung seine Handstandkünste. Mit Klötzchenturm und Treppenlauf beschließt er seine Evolutionen.

Reichhaltig ist die Auswahl erstklassiger Tierdressuren in diesem Programm. Da ist zunächst Meikel Fischer - der Bruder des Direktors – mit seinen fünf Friesen. Sicher und souverän dirigiert er die Hengste zu ihren Figuren. Gino Edwards erheitert mit seinem 'komischen Esel' nicht nur die jüngsten Besucher.
Sechs weiße Araber, es sind Pferde die Gino Edwards vom 'Zauberwald' übernommen hat, werden von Lesley Fischer präsentiert. Eine mitreißende, schön anzuschauende Vorführung findet in einem Gruppensteiger ihren Abschluss. Die Da Capos sehen dann Gino Edwards im Mittelpunkt.

Die beiden indischen Elefanten des Circus Mustang folgen Quaid Weisheit in die Manege. Laufarbeit, Tricks auf den Tonneaus, Kopfstand, Hochsitzer und Pyramide – die Trickfolge, die von den beiden Elefantenkühen beherrscht wird, ist äußerst umfangreich. In der relativ kleinen Manege wirken die großen Elefanten ziemlich imposant und begeistern mit Können und großem Eifer.
Last but not least präsentiert der Bonner Weihnachtscircus eine erstklassige Raubtiernummer. Rene Farell stellt seine vier Golden Tabbys in einem schnellen Dressurakt vor. Furios der Auftakt. Ein Tiger steht in der Manegenmitte auf einem langen flachen Podest, während ein weiterer Tier aus dem Tunnel heraus in einem eleganten Sprung über diesen hinwegsetzt. Weitere Sprünge, auch durch einen Handreifen, verschiedene Hochsitzer und Hinterbeinläufer bringen die Schönheit und Geschmeidigkeit der Katzen sehr gut zum Ausdruck. Zum Abschluss lässt Rene Farell einen Tiger sich an seiner Schulter aufrichten und gibt ihm ein Stück Fleisch.

Zwei kurze Reprisen des Duo Grigorescu im ersten Programmteil wirken eher ein wenig improvisiert, lassen sie ihre eigentliche Stärke nicht ausspielen. Im zweiten Teil dann ihr Entree „Hab andere.....“. Spielfreude gepaart mit großer Musikalität legen die beiden an den Tag und das Publikum geht begeistert mit.
Die Schwestern Marina und Natascha Egorova, zu Zeiten des 'Moskauer Staatscircus' von Franz Alhoff brillierten sie mit Rollschuhartistik, versuchen sich nun mit Quick Change.


Für die artistischen Attraktionen sorgt die Truppe Yuri Drobot. Zu sechst arbeiten sie zwei spektakuläre Darbietungen ganz im Stil des sowjetischen Staatscircus. Die höchsten ihrer Perchestangen passen so gerade unter die runde Kuppel des Chapiteaus. In klassischer strenger Choreographie sehen wir  ein breites Spektrum erstklassiger Tricks. So z. B. einen Wechsel einer Artistin von einer Schulterperche zum Zwei-Mann-Hoch auf eine weitere Perche sieht man nicht alle Tage und auch Stelzenlauf auf meterhohen Stangen über die Schultern der Truppenmitglieder gehört zu den ungewöhnlichen Tricks. Auch der Salto auf einer kleinen Plattform an der Spitze einer Perchstange gelingt perfekt.
Als Finalnummer dann die raumgreifende Arbeit am russischen Barren. Auch hier wird wieder ein umfangreiches Repertoire geboten. Höhepunkt sind die Flüge auf rechtwinklig zu einander angeordneten Barren. Zunächst im Vorwärts-Doppelsalto mit Schraube auf den längs zur Flugrichtung gehaltenen Barren. Dann von diesem im Rückwärtssalto zurück auf das quer angeordnete Requisit.


Kunstschnee aus der Kuppel leitet das kurze Finale ein. Manuel Fischer stellt seine Crew vor und die Artisten nehmen nach beinahe drei Stunden Programmdauer den Applaus des begeisterten Publikums entgegen. Im dritten Jahr seines Bestehens hat der Bonner Weihnachtscircus eine weitere große Steigerung der Programmqualität erfahren, bietet alle klassischen Großtierarten, namhafte hoch dekorierte Clowns und Artisten. Das nicht vorhanden sein einer Luftnummer kann man angesichts der Fülle des Gebotenen nicht als 'fehlen' bezeichnen. Allen Freunden echten klassischen Circus mit starkem Programm, ohne zeitfüllende Schnörkel kann man einen Besuch nur wärmstens empfehlen.
Mit großer Spannung warten wir bereits heute auf die nächste, bereits terminierte Ausgabe und die weitere Entwicklung dieses Weihnachtscircus.

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