optimiert



Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCUS BELLY-WIEN
Kalkar, 16. Juli 2016

www.bellywien.nl
Einer der schönsten Circusse Deutschlands, der Circus Belly-Wien von Roman Zinnecker gastiert nach mehrjährigen Auslandstourneen erstmals wieder in Deutschland. Noch bis zum 28. August steht das große prachtvolle Unternehmen in Kalkar auf dem Parkplatz des Freizeitparks "Wunderland". Eine im Frühjahr mit viel Verve gestartete Irland-Tournée musste nach beispielloser Hetze durch fanatische und oftmals gewalttätige Tierrechtsaktivisten und Hooligans nach wenigen Wochen wieder abgebrochen werden. Ein Umstand, den man so in einem Land in der Mitte Europas nicht erwarten würde. Es folgte eine Zeit in der sich Mensch und Tier von diesen Strapazen erst einmal wieder erholen musste. Hier in Kalkar am Niederrhein steht der Circus in seiner ganzen Pracht und vollem Glanz als wenn es diese irischen Schreckenswochen nie gegeben hätte. Der Dank des Circus gilt auch dem Eigner des Freizeitparks "Wunderland", der spontan das Gelände für ein mehrwöchiges Gastspiel zur Verfügung gestellt hat.
Als wir den Circus besuchten, strahlte das umfangreiche und in einem hervorragenden Zustand befindliche Material im warmen Sonnenlicht des frühen Abends. Die einladende Fassade mit elegant weiß lackierten Zaunelementen mit gelb-blauen Säulen mit Kugelleuchten, verbunden durch romantische Lichterbögen, lädt stilvoll zum Besuch ein. Der Storck-Kassenwagen, heute fast einzigartig auf der Reise, mit den unzähligen funkelnden irisierenden Lichtern am Vordach und dem großzügig dimensionierten Schriftzug „Tickets“ auf dem Dach, komplettiert die Front, wie sie kaum schöner sein kann. Die zahlreichen perfekt lackierten Tonnendachwagen - gelb-blau mit weißen Dächern und roten Fahrgestellen - sind wie immer in exakter Formation rings um das Gelände aufgefahren. Die lange Reihe der mächtigen Zugmaschinen, in sattem weinrot mit aufwändigem gelben Dekor lackiert und mit chromblitzenden Kuhfängern und weiteren Anbauteilen versehen, nimmt eine Platzseite ein. Alle Fahrzeuge funkeln, wie nicht anders gewohnt, frisch gewaschen in einem perfekten Erscheinungsbild.
Das bestens bekannte hohe blau-gelbe Chapiteau bildet das Zentrum des Circus. Ein Tunnel verbindet es mit dem optisch passenden Vorzelt. Ein großes Zwei-Masten-Zelt dient hier als Stall für die zahlreichen Pferde, Kamele, Lamas und Rinder des Circus und große Koppeln bieten viel Bewegungsfreiheit für unsere vierbeinigen Freunde. Die sechs speziell konstruierten Container der Pferdestallanlage sind momentan nicht „bewohnt“, da ihr Äußeres renoviert wird.
Das vorzügliche Aussehen des Unternehmens spiegelt sich selbstverständlich auch in den Zeltanlagen wider. Im Vorzelt, dessen Vorderseite angesichts des warmen Sommerwetters offen blieb, hat außer dem Verkaufswagen ein erstklassig restaurierter Hanomag Schlepper seinen Platz. Der große, aus edlem dunkelrotem Samt mit goldener Stickerei verzierte, Artisteneingang nimmt im Spielzelt den Blick gefangen. Ein modernes Schalensitzgradin und nostalgisch verzierte Logen stehen für die Besucher bereit.

Im Rahmen des Sommergastspiels am Freizeitpark gibt der Circus Belly-Wien täglich eine auf die Parkbesucher abgestimmte, rund einstündige Nachmittagsvorstellung und an jeweils drei Tagen am Wochenende kann zudem eine reguläre Abend-Show besucht werden.
Nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Circus überzeugt mit besonderer Klasse, auch das tierreiche, traditionelle Programm zeigt sich von erlesener Güte.

Nadja Scholl, nicht nur eine begnadete Artistin, sondern auch eine talentierte Sängerin eröffnet mit dem Song „Cabaret“ schwungvoll heiter die Abendvorstellung.
Dann ist es an Direktor Roman Zinnecker das Publikum zu begrüßen und im weiteren Verlauf des Abends in angenehmer und versierter Weise durchs Programm zu führen.
Marlon Zinnecker bietet ein erstes Programm- Highlight mit seiner eindrucksvollen Freiheitsdressur. Acht nachtschwarze, seidig schimmernde Friesenhengste bieten ein Ballett anmutiger Schönheit. Vielfältige unterschiedlichste Figuren - Gegenläufe, Volten, Fächer zu viert und zu acht, Pirouetten, flechten uvm. - werden flüssig und fehlerfrei in raschem Wechsel ausgeführt. Das gesamte Repertoire einer anspruchsvollen Freiheit wird souverän dargeboten. Vier weiße Araberhengste bieten mit zahlreichen Gruppen- und Einzelsteigern ein furioses Da Capo.
In einem weiteren Auftritt erleben wir den Juniorchef des Hauses mit einem doppelten Groß-und-Klein. Zwei Friesen und zwei Fallabella bieten eine Vielzahl anspruchsvoller und selten zu sehender Abläufe, die in Perfektion ausgeführt, vom Dresseur mit großer Souveränität abgerufen werden.
Direktor Roman Zinnecker präsentiert die große Kamelkarawane des Circus Belly-Wien. Sechs, mit edlen Schabracken geschmückte Trampeltiere bieten eine variantenreiche Laufarbeit. In flottem Ablauf werden die Figuren absolviert , abliegen und Stand auf Tonneaus ergänzen den Ablauf.

Hoch in der Luft arbeitet Mandy Zinnecker dynamisch in und an einem Netz.
Ungesichert paart sie Kraft und Eleganz bei den vorgetragenen Tricks. Der Nackenhang gehört ebenso dazu wie riskante Abfaller - Nervenkitzel pur.
Glamourös gestylt, mit Bowler und Stöckchen, eröffnet Mandy mit dem Tanz auf dem Silberdraht den zweiten Teil der Vorstellung. Vielseitige Schrittfolgen wechseln mit unterschiedlichen, sehr sicher ausgeführten Balancen harmonisch ab. Ein gekonnt ausgeführter Spagat beendet die Evolutionen.
Nadja Scholl präsentiert die zweite Luftdarbietung des Programms. Temperament, Dynamik, Tempo und Risiko stehen im Mittelpunkt dieser spektakulären Tuchstrapaten-Darbietung. Mit ihren weiten Flügen füllt sie den gesamten Raum der Kuppel aus. Äußerst spektakulär ihr Schlusstrick, zu dem sie sich hoch aus der Kuppel - nur an den Handgelenken gehalten - in die Tiefe stürzt und den Schwung knapp über den Manegenkästen gekonnt abfängt. Chapeau Nadja.
Clown „Charly“, erstmals ist der jüngste Direktionsspross Aaron Zinnecker in dieser Rolle zu erleben, bringt zum einen die „Popcorn Reprise“. Mit viel Spielfreude wird als Entree die „Filmszene“ gezeigt. Mit vier Mitspielern aus dem Auditorium zeigt der junge Mann sein komödiantisches Talent.
Zudem agiert Aaron als versierter Tempojongleur. Sicher und sehr variantenreich arbeitet er mit verschiedenen Requisiten. Mit Tennisbällen und Keulen erfolgen die ersten Routinen und bis zu sieben Ringe werden anschließend gekonnt manipuliert. Effektvoll endet der Auftritt mit der Jonglage hell lodernder Fackeln.

Beide Programmteile enden mit Darbietungen der in Monte-Carlo preisgekrönten Donnert Familiy. Vor der Pause wird das anmutig-romantisch inszenierte Pas-de-Deux geboten. Zahlreiche attraktive Hebefiguren, die dem klassischen Ballett entstammen, werden elegant auf den Rücken der beiden ruhig laufenden Kaltblüter ausgeführt.
Zum Abschluss des Programms wird durch die Jockeyreiterei der Familie Donnert geboten. Saltos neben und auf - rückwärts und vorwärts - dem galoppierenden Pferd sowie ein Salto vom vorderen auf ein nachfolgendes Pferd gehören zu den Spitzentricks des Genres, die hier neben vielem anderen in erstklassiger Ausführung gezeigt werden. Mit verschiedenen Sprüngen auf den Rücken des kanternden Pferdes findet die Nummer ihren temperamentvollen Abschluss.
Das große, flott und schwungvoll choreographierte Finale vereint alle Mitwirkenden, die noch einmal von Direktor Roman Zinnecker vorgestellt werden, in der Manege. Das restlos begeisterte Publikum erhebt sich zu spontanen Standing Ovations und bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus für die gebotenen Leistungen.
Wie stets begeistert der Circus Belly-Wien mit allerbester traditioneller Circuskunst, die in einem erstklassigen Rahmen in hervorragender Weise präsentiert wird. Circus on the Top. Auf nach Kalkar - der weiteste Weg lohnt sich.

Bis einschließlich 28. August gastiert der Circus Belly-Wien in Kalkar am Freizeitpark „Wunderland“, Vorstellungen täglich um 17:00 Uhr; Freitag, Samstag und Sonntag zudem große Abend-Show um 19:30 Uhr.