Text und Fotos: Friedrich Klawiter
CIRCUS BARONES
Maaseik, 29. Dezember 2010
In Maaseik, einer belgischen Kleinstadt in der Provinz Limburg, war der Circus Barones zu einem viertägigen Weihnachtscircus anzutreffen. Dieses Gastspiel erfolgte in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Der örtliche Einzelhandel stempelte beim Einkauf eine Bonuskarte ab und für eine gewisse Anzahl Punkte erhielt man eine Eintrittskarte.  Restkarten wurden nicht vom Circus sondern der Verwaltung am Circus verkauft.

Auf einem Platz in der Innenstadt, zwischen Fußgängerzone und einem kleinen Geschäftszentrum war der Standort des Circus. Der Zweimaster von vierundzwanzig Metern Durchmesser ist zwischen den Sattelaufliegern errichtet und an diesen, es können keine Anker geschlagen werden, abgesegelt. Der kleine Stall für die wenigen Ponys, ein paar Campings, ein Verkaufswagen und der Frontzaun komplettieren das Ensemble. Man hat nur das Notwendigste an Material, so hat man z. B. auf den dekorativen Kassenwagen verzichtet, für dieses Gastspiel hierher gebracht.

Im jugendlichen Alter von vierundwanzig Jahren gündete Richard Korittnig  seinen Circus Barones. Richard Korittnig stammt aus einer alten österreichischen Circusfamilie. Vater Raphael Korittnig reiste lange Jahre u. a. mit seinem Circus Raphaeli durch Deutschland. Sein Onkel Josef Korittnig war ein bekannter Raubtierdompteur, der mit bis zu dreißig Tieren in den Manegen der größten französischen Circusse arbeitete. Als vor neun Jahren das elterliche Geschäft das reisen einstellte, startete mit einem Zelt von achtzehn Metern und äußerst bescheidenem Material der neue Circus des jungen Direktors. Als Reisegebiet wurde der flämische Teil Belgiens auserkoren.   Da man in jedem Jahr eine ähnliche Route reist, konnte man sich einen guten Namen erarbeiten.. In den letzten Jahren werden nicht mehr nur kleinere Orte sondern auch längere Gastspiele in großen Städten, wie Brüssel und Antwerpen gegeben.
Mit dem sich einstellenden Erfolg konnte der Fuhrpark nach und nach erneuert und ausgebaut und ein größeres neues Spielzelt angeschafft werden.

Circus Barones präsentiert sich als blitzsauberes, gepflegtes Familien-Unternehmen, dem man die Liebe seiner Macher an ihrem Tun ansieht.
Im Chapiteau fällt gleich der dekorative fein gestaltete Artisteneingang ins Auge. Hinter den gepflegten Logen ist ein beinahe neues siebenreihiges Gradin aufgestellt.

Da Barones ein Familien-Unternehmen ist, gibt es nur wenige engagierte Artisten. Im Jahr 2010 waren das u. a. das Duo Tanzini mit einer speziellen Todesraddarbietung und das Clown-Duo Aty & Patty. Das Duo Tanzini hatte zur Weihnachtszeit anderweitig ein Engagement, so dass wir nur Aty & Patty erleben konnten Die beiden eröffnen die Spielfolge mit einer Illusions-Show in der sie in erster Quick-Change auf komische Art präsentieren. Auch nachfolgende Reprisen haben Zaubertricks zum Inhalt.
Mit dem Spiegelentree wird klassische Clownerie in bester Manier geboten. Liebevoll gestaltetes Requisit, originelle Kostüme und sehr große Spielfreude kennzeichnen den gelungenen Auftritt. Flott und frisch ist das Spiel der beiden Akteure und die Zuschauer lassen sich gerne auf die Späße ein.
Im zweiten Programmteil bringt Patty die einzige Luftnummer des Programms zu Gesicht. An den Tüchern zeigt sie eine poetisch angelegte Kür mit vielen attraktiven Figuren, die in auch in dem begrenzten Luftraum dieses Chapiteau gut zur Geltung kommt.
Drei Ponys sind im Programm zu sehen. Zunächst zeigt eines seine Figuren zwischen und in drei großen Reifen. Gleich darauf sind die beiden anderen Kleinpferde mit vielfältigen Lauffiguren zu sehen. Sie haben in Henry Mullens, in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts arbeitete er u. a. bei Sarrasani als Jongleur zu Pferd und später mit Schimpansen bei Barum,  einen versierten, sehr elegant arbeitenden Vorführer.

Direktor Richard Korittnig ist in seinem Circus ein angenehmer und unaufgeregt agierender Sprechstallmeister. Auf angenehme Weise führt er durch die Show, deren weitere Darbietungen die Familienmitglieder bieten.
Zwei Dressurnummern führt Eva Korittnig-Barones vor. Im ersten Auftritt zeigen zunächst vier Hunde voller Begeisterung ihr Können. Vielfältige Sprünge stehen im Mittelpunkt ihrer Aktionen. Dann folgen mehrere Katzen mit ihren Sprüngen und Künsten.
Im weiteren Verlauf des Programms folgt eine hübsch gestaltete Taubenrevue. Mit entsprechendem Licht gut in Szene gesetzt, werden die gängigen Tricks des Genres vorgetragen.

Die drei Söhne der Direktion - Daniel zehn, Robert elf und David dreizehn Jahre alt -  drei sind gute Artisten, die professionell und mit Können ihre Auftritte absolvieren.
David gefällt in zwei unterschiedlichen Jonglage-Nummern. Im ersten Teil der Vorstellung präsentiert er eine variantenreiche Kür mit Diabolos. Viele moderne und schwierige Tricks werden sicher ausgeführt und gelingen im ersten Versuch. Auch die Passagen mit mehreren gleichzeitig gearbeiteten Diabolos werden ohne Probleme gemeistert.
Im weiteren Programmverlauf sehen wir den jungen Mann mit einer klassischen Jonglage-Darbietung. Beginnend mit drei Keulen folgen bald darauf abwechslungsreiche Routinen mit fünf kleinen Bällen. Abschließend werden mit der gleichen Selbstverständlichkeit die Muster mit Ringen präsentiert.

Der jüngste der drei Brüder, Daniel, hat gleichfalls zwei Auftritte. Zuerst produziert er sich auf dem Seil. Eine Reihe verschiedener Schrittfolgen werden genauso sicher vorgetragen, wie Reifenlauf, liegen auf dem Seil und Spagat. Derzeit arbeitet der Junior noch auf einem freistehenden Seilapparat in geringer Höhe, ca. einen Meter über der Erde. Laut Aussage seines Vaters wird er in Kürze auf ein höheres Seil wechseln.
Im zweiten Teil sehen wir als August im zusammenspiel mit seinem Vater. Mit Kofferradio und Mülltonne wird die hinlänglich bekannte Szene ums „verbotene musizieren“ gebracht. Charmant und mit großer Spielfreude gehen die beiden zu Werke. Der Junge zeigt schauspielerische Begabung, interagiert gut mit dem Publikum und zu keinem Moment entsteht der Eindruck, man sehe einem „Kinderclown“ zu.

Wie nicht anders zu erwarten, beherrscht auch Robert zwei Diziplinen. Es überrascht schon, dass ein so junger Artist mit Stuhlbalancen aufwartet. Mit einer kurzen Michael Jackson Imitation wird der Auftritt eingeleitet. Dann türmt sein Vater nach und nach vier Stühle auf einem Tisch freistehend aufeinander und immer wieder drückt der Junge kraftvoll elegante Handstände auf den Requisiten.
Ihm ist die Finalnummer des aktuellen Programms vorbehalten. Auf der Rola zeigt Robert sein gutes Gleichgewichtsgefühl. Er steigt durch zwei Ringe, balanciert das Rolabrett auf einem Ball aus. Auf einem kleinen Turm aus zwei Rollen mit einem Zwischenring steht er ebenso sicher, wie auf den Bänkchen, die auf die Rola gestapelt wurden.

Natürlich wird das ansprechende Programm mit einem ebenso stimmigen kleinen Finale beschlossen. Die Direktion dankt für den Besuch und verabschiedet sich.
Circus Barones bietet ein abwechslungsreiches Programm auf beachtlichem Niveau. Nicht nur auf den guten äußeren Eindruck wird von der Direktion Wert gelegt, auch mit qualitativ guten Programmen will man sein Stammpublikum überzeugen. Der Circus Barones ist jederzeit einen Besuch wert, erhält man in dem feinen intimen Rahmen gute Circuskunst geboten.

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