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Text und Fotos Friedrich Klawiter
BARELLI' S WEIHNACHTSCIRCUS
19. Dezember 2009

Zum zweiten Mal in Folge veranstaltet Barelli seinen Weihnachtscircus in Augsburg. In voller Pracht zeigt sich der Zelt-Palast auf dem schneebedeckten Festplatz. Pünktlich zur Premiere war das Thermometer auf minus fünfzehn Grad gefallen und machte das Circusleben schwierig. Das Vorzelt wurde im Innern üppig und geschmackvoll weihnachtlich dekoriert. Der große Verkaufswagen nimmt eine Schmalseite ein und Marktstände ziehen sich entlang der Vorderseite. Zahlreiche Sitzgelegenheiten stehen den Besuchern zur Verfügung.
Auf der anderen Seite ist ein zusätzliches Zelt angebaut, hier findet ein weiterer, nostalgischer Candy-Wagen Platz und ein alter Hanomag-Traktor sorgt für Atmosphäre. Durch einen Tunnel geht es zum Chapiteau, auch hier wurde alles festlich hergerichtet. Die Rückenlehnen des Gradin sind neu lackiert, der Kronleuchter hängt in der Kuppel, Stoffbahnen und Lichterbögen zieren die hohe innere Rondelleinwand und der große schlichte blaue Vorhang verbirgt die Musikerbühne den Blicken.

Das Programm zeigt sich gegenüber der Saison verändert. Im Opening verwandelt sich Timmy seit einiger Zeit vom 'Hausmeister' in einen Clown. Die Rolle der „Fee“ hat nun, da die Taschkenbaev nicht im Programm sind, seine Partnerin Salima Folco übernommen. Dann hebt sich der Vorhang und wie immer geht ein lautes 'ohh' durch die Reihen, wenn der überaus prachtvolle Artisteneingang sichtbar wird. Kraftvoll setzt das Orchester ein und nach kurzer Begrüßung eröffnet das Pas de Deux von Ramona und Franz Spindler-Barelli die Spielfolge. Ein schönes Schimmelgespann, chice Kostüme und optimale musikalische Begleitung bilden den Rahmen für eine sicher und elegant vorgetragene anspruchsvolle Trickfolge. Natürlich tritt die Familie in weiteren Darbietungen in die Manege. Da ist zunächst Franz mit der bekannten Vorführung von vier Steppenkamele in Kombination mit vier Friesen. Zwei Lamas überspringen abschließend die abliegenden Kamele. Die sechs Dromedare pausieren während des Weihnachtsgastspiels.
Groß angekündigt werden die vier Zebras, die im letzten Jahr in Augsburg noch nicht in der Manege zu sehen waren. Mit einem Ausflug in die Freiheit lösten sie allerdings seinerzeit einen größeren Polizeieinsatz aus. Salima Folcos poetischer Auftritt an den Strapatentüchern wird perfekt in Szene gesetzt. Mit Live-Gesang von Timmy Barelli -"Oh Sole mio" -  wird der Traum vom Fliegen untermalt und vom Publikum begeistert aufgenommen.

Salima Folco und Ramona Spindler reiten Hohe Schule. Die beiden jungen Frau verbreiten auf den beiden prachtvollen Pferden beste Circusstimmung. Der Andalusier 'Armarando', ein temperamentvoller Hengst mit wunderschönen Mähne ist seit dem Sommer im Besitz von Ramona Spindler, während der Friese 'Marcho' schon länger von ihr geritten wird.
Der Bestand an Freiheitspferden wurde vergrößert, acht weiße Araber sind hinzugekommen. In hellblauen Geschirren geben sie in der Manege ein schönes Bild ab. Die ansprechende Dressurfolge wird sicher und mit viel Temperament vorgetragen. Natürlich ist die bekannte Pferderevue von Harry Barelli weiterhin im Programm. Da sind zunächst die acht Friesen. Ihnen folgt das, beim Publikum immer wieder für 'ah' s und oh's' sorgendes 'Groß-und-Klein' von einem Friesen im Zusammenspiel mit einem gescheckten Pony. Mit den Da Capos endet diese publikumswsirksame Pferdepräsentation.

Nimmt man den Applaus im Finale als Gradmesser, gibt es in diesem Programm ganz klar einen Star - Timmy Barelli. Alleine und mit Partnern ist er in einigen Reprisen und Entrees als spielfreudiger und musikalischer Komiker zu erleben. Er jongliert mit Regenschirmen, bringt die Reprise um eine Eintrittskarte. Das Entree vom 'Verbotenen musizieren' ist in seiner Version Kult und Klassiker zugleich. Seit einiger Zeit gehört seine ureigenste Variante der 'Opera' zum festen Repertoire der Vorstellungen.

Der artistische Bereich wurde zum Weihnachtscircus vollkommen neu besetzt. Da ist zum einen Clara Jay. Die junge Frau eröffnet ihre Antipodennummer, vollkommen in einem feuerfesten Anzug steckend, mit dem jonglieren von drei Feuerkugeln. Es folgen Bälle und kleine Teppiche als Jonglier-Requisiten. Abschließend lässt sie einen Ball eine Art Treppe hinauf in einen Korb hüpfen.
Auf dem Drahtseil zeigt Jose Munoz sein Können. Mit spanischem Temperament und entsprechender Aufmachung absolviert er seine Kür. Vielfältige Sprünge bis hin zum Rückwärtssalto durch einen Reifen werden geboten. Sein Bruder Eric produziert sich als Tempojongleur. Mit Keulen arbeitet er variantenreiche Routinen, versteht es mit den Füßen die Keulen in die Muster zurück zu kicken.

Auf dem Hochseil ist Roman Kathriner, seine Familie betreibt in Australien den Circus Royal, zu Hause. In sehr großer Höhe, etwa zwölf Meter über der Erde liegt sein Arbeitsplatz. Er verzichtet auf jedwede Absicherung, ohne Vorteil zeigt er seine riskanten Tricks. Tanzschritte und Seil springen stehen am Beginn des Auftritts. Der Sprung durch einen Reifen lässt viele Zuschauer den Atem anhalten. Es folgen freier Stand auf einem Stuhl sowie ein per Fußriemen verhinderter (Schein-)Sturz in die Tiefe. Abschließend absolviert er, für atemlose Stille auf den Rängen sorgend, eine Bahn über das Seil auf Stelzen.

Mit Live-Gesang, dem Freddy Quinn Titel „Ja, wir sind Artisten“, leitet Timmy Barelli zum Finale über. Dieses wird wie gewohnt mit schwungvoller, perfekt ausgesuchter Musik, wie ausnahmslos die gesamte Vorstellung, vom tollen neunköpfigen Barelli-Orchester begleitet. Der übliche Ablauf mit Einzelvorstellung der Mitwirkenden und Tanz, dazu  Seifenblasen- und Konfettiregen, nimmt seinen Gang.

Dann endet die Geschichte vom Hausmeister der zum Clown ward. Die Manege ist leer. Timmy schminkt sich ab, legt die Livree ab und seinen Hausmeisterkittel wieder an. Dann gibt es ein letztes Lied - „My Way“ von Frank Sinatra - auf der Trompete. Die Herren Spindler-Barelli umarmen einander, winken ein letztes Mal dem stehend applaudierenden Publikum und dann fällt der letzte Vorhang, der dunkelblaue der die Orchesterbühne den Blicken der Zuschauer entzieht.
Ein liebevoll gestaltetes, mitreißend vorgetragenes starkes klassisches Circusprogramm ist nach etwas mehr als drei Stunden zu Ende - entlässt seine zahlreichen, nur zögerlich ihren Platz verlassenden Zuschauer in die kalte Winternacht.