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Text und Fotos Friedrich Klawiter
CIRCO AQUATICO
Frankfurt, 01. Oktober 2016

http://circo-aquatico.de
Der „Circo Acquatico“ - so die vom Unternehmen angewandte Schreibweise - der Familie Zoppis war bisher vornehmlich im Mittelmeerraum zu erleben und ist nun erstmals in Deutschland auf Tournee. Die Organisation der Tour, die in Frankfurt am Main startet, wird von der „Grandezza Entertainment“ von Thomas Schütte wahrgenommen.
Auf dem Festplatz am Ratsweg strahlt der Circus in voller Pracht. Die Zeltanlagen, in blendendem weiß und leuchtendem blau in spiralförmigen Bahnen designet, strahlen hell im Herbstregen. Das Spielzelt, ein Vier-Masten-Chapiteau von sechsunddreißig Metern Durchmesser mit hoher spitzer Kuppel die von einem Gitterrohrbogen überragt wird, und das zweimastige Vorzelt sind von moderner Formgebung mit weit bogenförmig nach außen gezogener Plane.
Ein elegant geschwungener Edelstahlzaun mit breitem Eingangsportal offenbart seinen ganzen Charme in der Dunkelheit. Die in Säulen und Bögen integrierte Beleuchtung transportiert mit ihrem harmonischen Farbwechsel in Verbindung mit den unzähligen funkelnden Lichtern der Leuchtschriften „Bellissimo“ - über dem Chapiteau, „Acquatico“ - über dem Vorzelt und „Zoppis“ - am Eingangsportal, den Zauber des Circus.
Der Kassenauflieger und ein Tankauflieger flankieren die Front. Beide Fahrzeuge sind in hervorragender Weise mit den Unterwasserfiguren und Motiven der Show dekoriert.
Die neuen Renault Zugmaschinen stehen in exakter Formation aufgefahren. Die Seiten des Geländes sind mit einem hohen Zaun, dessen Spannbänder mit dem Logo des Circus und der Show bedruckt sind, abgeschlossen. Hinter dem Chapiteau sind die in weiß mit blauem Wellendekor lackierten Transportfahrzeuge und die Wohnwagen abgestellt.
Das Vorzelt ist mit einem glänzend lackierten Holzboden ausgelegt und die Seitenwände sind mit blauem Tuch abgehängt. Den zentralen Platz gegenüber dem Eingang nimmt der große Verkaufswagen der Restauration ein. Weitere Stände sind an den Seiten platziert und durch zwei Tunnels gelangen die Besucher ins Spielzelt.
Das Chapiteau ist im Innern komplett in blau gehalten. Ein Schalensitzgradin mit dreizehn Reihen, von denen die ersten drei die durch einen Gang abgeteilten Logenplätze bilden, steht für die Besucher bereit. Der große Artisteneingang ist einer Grotte nach empfunden und eine große Schatzkiste, Korallenstock und Steuerrad sind als Dekoration davor platziert. Den zentralen Platz im Chapiteau nimmt das etwa einen Meter hohe Bassin der Wassermanege ein. Es ist zunächst komplett mit einem Bühnenboden bedeckt.
Vier Traversen zwischen den Masten tragen die Lichtanlage, deren virtuose Handhabung die Show in idealer Weise in Szene setzt. Die musikalische Untermalung erfolgt mittels einer leistungsstarken Tonanlage von CD.

Der Show des Circo Acquatico liegt eine märchenhaft Story zugrunde, in der es um Gut und Böse, um Freundschaft und Fröhlichkeit geht. Sie wird unaufdringlich transportiert und hierfür sind in erster Linie die Clowns und natürlich auch Ballett und Artisten zuständig. Die „Hai Society“ Clowns sind omnipräsent in ihrem bunten Spiel zu erleben.
Das Ballett begleitet die Auftritte der Artisten in vielerlei phantasievoll gestalteten Kostümen, die durchweg Meeresbewohner darstellen. Wir sehen Oktopus, Quallen, Krebs, Schildkröte, Fische und Seestern. Dazu gesellen sich die Figuren von Hai und Seepferdchen. Zu Beginn der Show liegt ein Taucherhelm auf der Bühne und nachdem ein August ihn aufgesetzt hat, dringt er in die Unterwasserwelt ein und das Abenteuer beginnt.
Der Pole Dance des Duo Reyal bildet den akrobatischen Auftakt. Nach einem tänzerischen Auftakt folgen viele anspruchsvolle Partnertricks und das voll besetzte Haus applaudiert begeistert und geht lautstark mit.
Dynamisch und Tempo geladen laufen die vielfältigen Aktionen der anschließenden Diabolo-Jonglage ab. Eine reichhaltige Auswahl der Tricks des Genres wird versiert geboten und als besonderer Gag hält ein gefährlich dreinblickender Hai die Requisiten im Maul.
Temperamentvoll geht es am Schleuderbrett zu. Sprünge zum Drei-Mann-Hoch und in einen Sessel werden gekonnt ausgeführt. Schließlich fängt der Porteur auf Stelzen stehend auf seinen Schultern seinen Partner sicher nach einem Salto. Sprünge auf zwei und schließlich auf einer Stelze bilden den spektakulären Abschluss der Darbietung.

Nach diesen ersten Darbietungen ist es an der Zeit für das Hauptelement eines „Wassercircus“. Spektakulär inszeniert öffnet sich das große Bassin während einer Ringtrapez-Darbietung. Nach den ersten Balancen der Artistin schwebt der komplette Bühnenboden, ausgenommen der mittlere Teil der die Insel inmitten des Wassers bildet, in Richtung der Zeltkuppel. Die Unterseite der Konstruktion ist mit Allegorien der Unterwasserwelt kunstvoll bemalt und aus unzähligen Düsen fällt ein feiner Regenvorhang hernieder hinter dem die Ring-Nummer ihrem Höhepunkt entgegen strebt.
Die Clowns sind mit einer Reihe bekannter Reprisen zu erleben. So wird u. a. mit Seifenblasen gespielt und Popcorn in bekannter Weise eingesetzt. Zwei umfangreichere Szenen erfordern Mitspieler aus dem Publikum. Zunächst wird mit zwei Herren auf der Insel Seil gesprungen und natürlich landet einer der „Zuschauer“ dabei im Wasser. Später sind vier Besucher schauspielerisch gefordert. Kühner Reiter, Prinzessin, böser König und Palastwache sind ihre Rollen und zur Freude der Zuschauenden geben sie ihr Bestes und der als „Geräuschimitator“ auserkorene Mitspieler stellt eine Besonderheit in dieser Art Clownerie dar.
Ein junger Mann bietet einen ansprechenden Handstand-Act während Fontänen aus Düsen am Rand der Insel die vielfältigen Handstände, Waagen und Einarmer einrahmen.

Direkt vor dem Artisteneingang ist ein hohes Gestell aufgestellt, in dem eine Jongleurin weiße Tennisbälle manipuliert. In vielerlei Varianten werden die Bälle geworfen und kehren nach etlichen Berührungen mit dem Plexiglas der Wände sicher wieder in die Hände der Artistin zurück. Der zweite Teil der Darbietung bringt eine Keulenjonglage, die abwechslungsreiche Routinen bietet. Vier und fünf Keulen werden rasant und sicher beherrscht.
Den umjubelten Höhepunkt der Show bieten vor der Pause Ives und Ambra Nicols mit ihrem Auftritt an den Tuchstrapaten. Im „Goldmenschen“-Look arbeiten sie ihre Trickfolge im Adagio-Stil. Von einer mit Lichtelementen bestückten Platte, die die goldfarbenen Körper hell anstrahlt, starten sie ihre Evolutionen hoch in der Kuppel. Beide Partner agieren als Porteure und in erstklassiger Ausführung wird die bekannte Trickfolge ausgeführt. Beim Zehenhang von Ambra an einem Schild hält Ives diesen, nun ohne Vorteil, nur mit seinen Zähnen. Mit einem zauberhaften Bild findet der Auftritt seinen perfekten Abschluss, wenn sich Ambra in einem rasanten Wirbel in rieselndem Goldstaub und umrahmt von den funkelnden Fontänen aus der Kuppel in die Arme des Partners fallen lässt.

Zu Beginn des zweiten Programmteils ist das Bassin wieder abgedeckt und fünf Herren
arbeiten an der Russischen Schaukel. Diese steht direkt vor dem Artisteneingang und die weiten Flüge führen in ein Netz, das hoch aus der Kuppel vor dem mittleren Zuschauerblock auf die Bühne herunter gespannt ist.
Bei einer Luftnummer am Netz erleben wir noch einmal den Effekt des sich öffnenden Bassins. Auch dieser Auftritt erhält durch die raffinierte Beleuchtung und die Wassereffekte zusätzlichen Drive.
Alla Klyshta arbeitet ihre temperamentvoll vorgetragene Hula Hoop Darbietung. Charmant lässt die versierte Artistin die Ringe in immer wieder neuen Varianten um ihren Körper kreisen und schließlich manipuliert sie sieben Reifen zur gleichen Zeit.
Die Hand-auf-Hand Darbietung zweier Herren aus der Familie Zoppis beinhaltet eine Reihe kraftvoll und elegant im Adagio-Stil ausgeführter Tricks. Gebanntes mitfiebern ist im weiten Rund beim Schlusstrick angesagt. Nach effektvoll ausgeführtem Scheinsturz versucht der rücklings auf einem flachen Stuhl stehende und mit den Schultern auf dem Tisch aufliegende Untermann sich, mit seinem im Handstand stehenden Partner wieder zu erheben.
Rasante Action in und über dem Wasser, nicht immer zur Freude der Besucher in der ersten Reihe, bietet die Finaldarbietung. An einem Wasserskooter ist eine lange, schräg emporragende Leiter, die auf einer Achse inmitten der Insel gelagert ist, befestigt. Am freien Ende der Leiter und oberhalb des Mittelpunktes arbeiten zwei junge Damen ihre Tricks, die man ansonsten an Mond und Ringperche sieht, während der Skooter unter enormer Wellenentwicklung die Konstruktion in Rotation versetzt. Natürlich wird die rasante Fahrt von den hohen Bögen der zahlreichen Fontänen am Rande des Beckens und der Insel eingerahmt.
Der Ablauf des Finales wird naturgemäß durch die Wassermanege bestimmt. Nach einem Kompliment auf der Insel nehmen die Akteure auf dem breiten Rand des Bassin Aufstellung  Die Illusion, in einer „Unterwasserwelt“ zu weilen, verstärkt sich durch den dichten Wirbel der Seifenblasen, der sich mit dem Wasser der Fontänen vereint, während über allem die Figur der Schildkröte, die als Plakatmotiv verwandt wird, über der Insel schwebt.
Minutenlange Standing Ovations des enthusiastisch applaudieren Premieren-Publikums legen ein beredtes Zeugnis von der Begeisterung der Besucher ab. Offensichtlich trifft die Show, die mit Wasser- und Lichteffekten, mit Ballett und Phantasiefiguren stark auf unterhaltsamen Schauwert setzt, voll die Erwartungen des Publikums.